Innovationsexpertin Marion A. Weissenberger-Eibl

„Mich fasziniert, wie das Neue in die Welt kommt“

Nach dem Abitur hat TUM Alumna Marion A. Weissenberger-Eibl eine Schneiderlehre gemacht. Heute zählt die Zukunftsforscherin zu den Top 100 der einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft und berät die Bundesregierung.

Nach dem Abitur entschied sich Marion A. Weissenberger-Eibl für eine Lehre zur Bekleidungsschneiderin. Ihr Verständnis des Handwerks erklärt die Entscheidung für die Ausbildung: Das Schneidern gilt ihr als genuin kreativer Akt, Neues zu schaffen. Bereits bei Antritt der Lehre hatte sie vorausschauend ein anschließendes Studium und eine spätere Arbeit als Ingenieurin im Blick. Von 1987 bis 1991 studierte Marion A. Weissenberger-Eibl Bekleidungstechnik an der Fachhochschule für Technik. Bis 1997 war sie für die Produktion großer Münchner Luxuslabels verantwortlich.

Die Wichtigkeit von Innovationen und die dabei entscheidende Rolle wirtschaftlicher Fragestellungen wurden ihr in dieser Zeit immer mehr bewusst. Kurzerhand absolvierte sie noch ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Doch damit nicht genug. „Ich wollte immer genauer in die Materie eindringen und wissen, wann und warum Innovationen entstehen und welche Rahmenbedingungen dafür gegeben sein müssen“, erinnert sich Marion A. Weissenberger-Eibl. Die Promotion stand nun an.

Marion A. Weissenberger-Eibl schlug mehrere sehr reizvolle Angebote von Universitäten aus. Ihre Promotion wollte sie an der TUM ablegen. „Die TUM war für mich immer schon Vorreiter der technischen Universitäten in Deutschland“, begründet sie ihre Entscheidung. „Exzellenz in der Forschung und der unternehmerische Blick der Hochschulleitung sind an der TUM herausragende Säulen, die mich begeistern.“ 2000 schloss Marion A. Weissenberger-Eibl ihre Promotion ab – drei Jahre später folgte die Habilitation.

Höchstmaß an Vernetzung

Seither gestaltet Marion A. Weissenberger-Eibl gewissermaßen an allen Fronten, ob in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik Innovationsprozesse in Deutschland mit. Schwerpunkte ihrer Arbeit und Forschung bilden dabei das Management von Innovationen und Technologien, die strategische Vorausschau und -Planung, Unternehmensnetzwerke sowie Wissensmanagement. Für das, was sie als die grundlegende Antriebsfeder und als Motor für Innovation betrachtet, ein Höchstmaß an interdisziplinärer Vernetzung, gibt sie selbst das beste Beispiel ab.

Mein Wunsch ist es, dass wir in einem gemeinsamen Prozess eine Vision entwickeln, die uns dann alle motiviert, gemeinsam an der Zukunft zu arbeiten.

Von 2004 bis 2012 leitete sie den Lehrstuhl für Innovations- und Technologiemanagement der Universität Kassel, seit 2013 den Lehrstuhl für Innovations- und TechnologieManagement iTM am Karlsruher Institut für Technologie. Bund und Länder versorgt sie mit Zukunfts- und Nachhaltigkeitsstrategien, die Bundesregierung berät sie im Wissenschaftsrat in Fragen der Entwicklung von Forschung und Hochschulen. Aktuell engagiert sie sich gemeinsam mit TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann für innovatives universitäres Denken bei der Neugründung der Technischen Universität Nürnberg. Schließlich sitzt sie in drei Großkonzernen im Aufsichtsrat. Kein Wunder, dass Marion A. Weissenberger-Eibl 2018 vom Manager Magazin zu den Top 100 der einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft gekürt wurde.

Wegbegleiter für die Zukunft

Neben der guten wissenschaftlichen Ausbildung hat Marion A. Weissenberger-Eibl von der TUM diejenigen Schlüsselqualifikationen mit auf den Weg bekommen, die ihr bei der Bewältigung ihrer zahlreichen Aufgaben nützen. „Neugierde, Mut, eine effiziente Organisation und Freiräume für eigene Gedanken und eigenes Wirken habe ich von der TUM mitgenommen“, sagt sie. Die Strategien und Techniken jenseits des fachlichen Know-how, die sie von ihren beiden Mentoren, ihrem Doktorvater Professor Horst Wildemann und Ko-Referentin für die Habilitation Professorin Ann-Kristin Achleitner gelernt hat, helfen ihr bis heute weiter.

TUM Alumna Marion A. Weissenberger-Eibl und Mentee Daniel Schellenberger.

Bei TUM Mentoring begleiten Alumni ein Jahr lang Studierende und Promovierende und fördern sie in ihrer persönlichen Entwicklung. Auch TUM Alumna Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl war ihrem Mentee Daniel Schellenberger eine wichtige Ratgeberin (Foto: Madgalena Jooß/TUM).

Seit Jahren ist Marion A. Weissenberger-Eibl nunmehr selbst mit großer Begeisterung Mentorin an der TUM und begleitet junge Studierende in ihre Zukunft. „Mentoren sind für eine persönliche Entwicklung, aber auch für einen Innovationsstandort wie Deutschland überaus wichtig“, betont sie. Um ihre eigenen Kraftreserven aufzutanken, geht Marion A. Weissenberger-Eibl gerne Wandern. „Obwohl mir mein Beruf sehr viel Freude bereitet, brauche ich auch einfach mal Zeit nur für mich“, sagt sie. „Das Wandern hat für mich hierbei eine große Bedeutung, denn es gibt mir Kraft und neue Energie.“ Nicht selten hilft der Zukunftsforscherin das Umherstreifen in der unberührten Natur dabei, zu neuen Ideen und Vision zu gelangen. „Deshalb habe ich beim Wandern immer Zettel und Stift dabei, um mir aufkommende Gedanken und Ideen zu notieren.“ Die Gestaltung der Zukunft erlaubt eben keinen Aufschub.