Olympiateilnehmer Johannes Lochner

„Solange ich studiere, werde ich auch Bob fahren“

Fast hätte es gereicht: Knapp verpasste Elektrotechnik-Student Johannes Lochner mit seinem Team die Medaille und wurde Achter. Aber bei Olympia gilt: Dabei sein ist alles. Und Studium und Spitzensport zu vereinbaren, ist nicht immer einfach. In seinem Fall passt es aber besser zusammen, als man denkt.

Über drei Jahre lang haben Johannes Lochner und sein Team auf Olympia hingearbeitet. „Es war immer ein Traum, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein und seit letztem Jahr war dann klar, dass wir jetzt hinfahren. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen!“ Auch wenn sie ohne Medaille heimgekommen sind, ging damit ein Traum in Erfüllung.

140 km/h auf der Bahn

Angefangen hat Lochner mit seinem Onkel, dem erfolgreichen Bobfahrer Rudi Lochner, der ihn dazu drängte, den Sport einfach mal auszuprobieren. Nach dem ersten Mal war für ihn klar: „Das will ich machen!“. Er gibt aber zu, dass man schon ein „Adrenalinjunkie“ sein muss, um wirklich Spaß an der Sache zu haben. Bei über 140 km/h im Eiskanal verwundert das nicht. Jeden Winter intensives Training auf der heimischen Bahn am Königssee, Athletiktraining und am Wochenende zu Wettkämpfen. Oft reichte es für den Sieg, wie bei der Weltmeisterschaft 2017, als er mit seinen Teamkollegen den Weltcup gewann. In Pyeongchang ist er letztendlich an der Bahn gescheitert, jetzt, nach den Spielen geht es an die Analyse, woran genau es gelegen hat. Und er wird weitermachen, weiterkämpfen: „Hilft ja nichts.“

Viererbob am Königssee mit TUM-Alumnus und Pilot Johannes Lochner, Christopher Weber, Joshua Bluhm und Christian Rasp.

In den Kurven wirken Kräfte bis zum siebenfachen des eigenen Gewichts auf den Körper (Foto: IBSF- Viesturs Lacis).

Athletiktraining, Sponsortermine und den Schlitten verbessern: So sieht auch Lochners Sommer aus. Dann studiert er außerdem Elektrotechnik an der TUM. Für ihn die perfekte Kombination: „Wenn sich mein Leben nur um den Sport drehen würde, dann würde es mir wahrscheinlich gar keinen so großen Spaß machen. Und so habe ich im Sommer die Uni, wo ich mich voll reinhängen kann und im Winter dann wieder den Sport. Dieser Wechsel ist für mich der perfekte Ausgleich.“

Es dreht sich immer auch um die Technik.

Ein technisch-physikalisches Grundverständnis ist für Lochner wichtig – im Studium wie beim Bobfahren. „Man kann sich Sachen viel leichter erklären und herleiten, warum und wie die Dinge funktionieren oder was den Bob schnell macht, welche Linien gut sind. Es dreht sich also die ganze Zeit immer auch um die Technik.“ Andersherum spielt sein Sport im Studium eine Rolle, und er denkt schon über mögliche Entwicklungen für das Bobfahren nach, über die er in seiner Masterarbeit schreiben will.

Bei dem straffen Trainingsplan ist studieren nicht einfach – auch weil manche Vorlesungen nur im Wintersemester angeboten werden. Und „wenn man Vorlesungen gar nicht hört, dann ist es immer schwierig.“ Das Studium abzubrechen, kommt für ihn jedoch nicht infrage. Besonders auch deshalb, weil ihm nur noch zwei Klausuren und die Masterarbeit zum Abschluss fehlen. „Das sind halt so Brocken, bei denen ich mir überlegen muss, wie ich das jetzt anstelle. Aber da mache ich mir nach den Spielen Gedanken, ob ich dann vielleicht sogar einen Winter aussetze und das einfach mal durchziehe, oder wie auch immer.“

Trotz Bobfahren das Studium schaffen

Auf jeden Fall will er später im Bereich Elektroplanung im Planungsbüro seines Vaters arbeiten. „Ich habe mehrere Wege, die dann auch alle irgendwo beim Gleichen enden, dass ich dann in der Firma von meinem Vater mit einsteige.“ Später hauptberuflich als Trainer zu arbeiten, kann er sich nicht vorstellen. Jungen Teams als Berater „mit Knohow, Fahrlinien, in Technikfragen und Material“ unter die Arme zu greifen, dagegen schon. Er selbst ist dankbar für die Unterstützung, die er von erfahrenen und erfolgreichen Bobfahrern bekommen hat. „Ich hatte auch jemanden, der mich immer unterstützt und mich beim Bobfahren gewissermaßen großgezogen hat. Genau so könnte ich mir das auch vorstellen.“