Unternehmer Robin Sommer

„In der Tiefe meines Herzens bin ich Wissenschaftler“

Computer und Informatik faszinierten TUM Alumnus Robin Sommer schon als Jugendlichen. Heute ist er Mitgründer eines hocherfolgreichen Software-Unternehmens, das dabei hilft, Sicherheitslücken aufzudecken und Hackerangriffe zu verhindern.

Dr. Robin Sommer empfindet es als besonderen Ansporn, wenn er durch seine Arbeit der Gesellschaft einen Mehrwert bescheren kann. Das erreicht er derzeit durch seine Tätigkeit im eigenen Software-Unternehmen Corelight. Das dort weiterentwickelte Analyseprogramm Zeek hilft Regierungsorganisationen, internationalen Firmen und Universitäten dabei, in ihren Computer-Netzwerken Sicherheitslücken und Hacker-Angriffe zu entdecken.

Frischer Input

Bereits an der Universität des Saarlandes war es Robin Sommer als Doktorand möglich, bemerkenswerte Beiträge zum Programmiergerüst beizusteuern. Als seine Doktormutter Professorin Dr. Anja Feldmann 2002 nach München an die TUM berufen wurde, zögerte er nicht und ging mit ihr. „Die TUM ist international sehr sichtbar“, sagt er zu seiner Entscheidung. „Wer hier forscht, wird selbst schnell wahrgenommen.“

Die TUM ist international sehr sichtbar. Wer hier forscht, wird selbst schnell wahrgenommen.

2005 schloss Robin Sommer seine Promotion in Informatik an der TUM ab. Seine Dissertation brachte wertvolle Erkenntnisse über die Erkennung und Sichtbarmachung von Angriffen, die gegen ein Computersystem oder ein Rechnernetz gerichtet sind. Mit seinen Überlegungen zur Praktikabilität solcher Analysesysteme selbst in anspruchsvollen Umgebungen lieferte er erneut auch wertvollen Input für das Netzwerkanalyseprogramm Zeek. Neben TUM Alumnus und Softwareexperte Professor Dr. Manfred Broy als Zweitgutachter wurde als weiterer Gutachter von der TUM eigens Berkeley-Professor Dr. Vern Paxson hinzugezogen, der das Programm 1995 entwickelt hatte.

Ungewohnte Perspektive

Kaum hatte Robin Sommer seine Promotion erfolgreich beendet, wurde er in die Forschungsgruppe von Vern Paxson am International Computer Science Institute in Berkeley aufgenommen. Um die bis dato nur von Spezialisten zu benutzende Software einer breiteren Benutzergruppe im US-amerikanischen Forschungs- und Bildungssektor zugänglich zu machen, steuerte die National Science Foundation sieben Millionen US-Dollar bei. Robin Sommer leitete das Team hinter diesen Bemühungen und konnte dazu beitragen, dass sich die Software rasch von einer reinen Forschungsplattform zu einem Standardwerkzeug zum Schutz akademischer Netzwerke etablierte.

Die Gründung eines Unternehmens hatte Robin Sommer dabei nie im Sinn, war er doch hochzufrieden, dass er in Kalifornien an seinem spannenden Langzeitprojekt forschen und programmieren konnte. Doch wann das bahnbrechende Potential der Software auch Regierungsorganisationen und Großkonzerne anlocken würde, war nur eine Frage der Zeit. Die Nachfrage nach einem kommerziellen Produkt stieg. Die Gründung des eigenen Start-ups im Jahr 2013 war die logische Konsequenz. Der passionierte Wissenschaftler war nun Unternehmer und belieferte eine Reihe von Fortune 50-Firmen mit der Sicherheitssoftware. „Dass meine Forschung nun derart in der Praxis angewendet wird, ist eine große Belohnung“, sagt Robin Sommer. „Doch in der Tiefe meines Herzens bin ich Wissenschaftler.“

Neue Aufgabe

Mittlerweile ist Robin Sommer mit seiner Familie wieder nach München zurückgekehrt. Auch hier entwickelt er sein Unternehmen weiter, und zwar in einem Bereich, der ihm besonders am Herzen liegt. Er leitet nun das sogenannte Open-Source Team, das sich in der Firma auf die Weiterentwicklung der freien Software konzentriert, die weiterhin den Kern aller Corelight-Produkte bildet. Programmiererinnen und Programmierer auf der ganzen Welt ermutigt er dazu, Beiträge und Code zu Zeek beizusteuern und ihr Wissen auf gemeinsamen Events und Workshops zu teilen. Kontinuierlich kann sich auf diese Weise die Software weiterentwickeln und kriminelle Vorgänge im Cyberspace noch besser verhindern.