TUM Ehrensenator Robert Schmucker

„Ich bin dankbar für mein Leben“

Robert Schmucker ist einer der wenigen Raketenexperten weltweit, die mit so vielen verschiedenen Raketentypen gearbeitet haben. Genau diese Bandbreite ist ihm wichtig. Beruflich war er immer anspruchsvoll, privat dagegen ist er eher bescheiden. Umso größer ist sein Engagement.

Prof. Dr. Robert Schmucker berät nicht nur das Bundesverteidigungsministerium, die NATO oder die UNO, sondern ist auch immer wieder in den Medien zu sehen und zu hören, wenn es um Raketenprogramme, Atomwaffen und internationale Konflikte geht. An der TUM lehrt er seit 1971 und gibt mit Leidenschaft seine Erfahrungen und vor allem Verständnis für sein Fach weiter. „Für mich sind nicht die nackten Zahlen wichtig, sondern die Inhalte“, sagt er. „Sie brauchen nur die Grundrechenarten und Verständnis dafür, was wichtig und was weniger wichtig ist. Sie müssen Größenordnungen und Tendenzen abschätzen können.“

Und er zeigt, wie man Erfolg hat: „Den Studierenden in meinen Vorlesungen sage ich immer: Das Ziel ist eine 1,0.“ Ausreichend genügt ihm nicht. Seine Ziele sind stets hochgesteckt, seine Vorhaben anspruchsvoll. Es ginge darum, seine Ziele zu erreichen, und das „möglichst rasch“, fügt er hinzu, „denn das einzige, über das wir nicht verfügen, ist Zeit.“

Genauso hat Robert Schmucker seine Ausbildung absolviert: Diplom 1967, drei Jahre später die Promotion, zwischendurch zur NASA in die USA, 1974 die Habilitation. Sich breit auszubilden, das war ihm wichtig: Als einer der wenigen Raketenexperten hat er mit Flüssigkeits-, Hybrid- und Feststoffraketen gearbeitet. Auch deshalb gehört er zu den weltweit renommiertesten Raketenexperten.

Praxiserfahrungen im Studium

Neben seinem Studium wollte er auch immer praktisch arbeiten – und hat deshalb als Student 1962 die WARR gegründet und bis 1974 geleitet: Die „Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt“ ermöglicht seit jeher praxisbezogene Projekte im Bereich Raumfahrt, und auf die Gruppe ist Robert Schmucker bis heute stolz: „Das ist schon toll, dass sie sich an der Hochschule etabliert hat.“

1974 haben die Studierenden der WARR – noch zusammen mit Robert Schmucker – die erste deutsche Hybridrakete gestartet, innerhalb der Gruppe gründete sich 2015 auch die Projektgruppe Hyperloop, die heute einen Erfolg nach dem anderen feiert, oder nun das Start-up Isar Aerospace, die in diesem Jahr mit der Produktion von Trägerraketen begonnen hat. „Das sind alles meine Buam und Madln – eine schöne Sache!“

„Raumfahrt passiert an der Grenze des Machbaren.“

Seine Erfolge hat er sich hart erarbeitet: dranbleiben, nicht aufgeben, es durchziehen. „Das hat schon bei meiner Promotion angefangen“, erinnert er sich. „Wir mussten alles selbst bauen, selbst machen.“ Und natürlich habe nicht immer alles funktioniert; da seien immer Dinge passiert, die eigentlich nicht geplant waren. „Da muss man dann durch.“

Seine Herausforderungen waren „die Katastrophen, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht“ und zum Beispiel zuschaue, wie ein Raketenmotor explodiert. Danach müsse man sich auf Fehlersuche begeben, um es das nächste Mal besser zu machen. „Raumfahrt passiert an der Grenze des Machbaren“, sagt Robert Schmucker. „Es geht immer mal wieder etwas schief, und man muss dann trotzdem weitermachen.“

„Wenn es mir gut geht, muss ich schauen, dass ich etwas davon abgebe.“

Trotz all seiner Erfolge ist Robert Schmucker ein bescheidener und dankbarer Mensch geblieben. Er sei sich bewusst, dass sein Leben auch von Zufällen bestimmt worden sei: „Hätte ich nicht Professor Ruppe getroffen, hätte ich nicht Luft- und Raumfahrttechnik studiert, hätte ich auch nicht promoviert – und mein Leben wäre komplett anders verlaufen.“ Die erste Begegnung mit Prof. Dr. Harry Ruppe – Ordinarius für Raumfahrttechnik an der TUM – war eines der prägenden Ereignisse seines Studiums: Die Assistenten des Lehrstuhls für Flugmechanik hätten ihn spontan mit auf einen Vortrag über bemannte Mars-Flüge genommen. „Das war die Initialzündung meiner Laufbahn.“

TUM Alumnus und Raketenexperte Robert Schmucker und TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann an der TU München / TUM.

Robert Schmucker wird beim Dies academicus 2018 von TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann zum TUM Ehrensenator ernannt (Foto: Uli Benz/TUM).

Verbindung zur TUM

Für sein Leben sei er sehr dankbar, sagt er. Und das ist auch ein Grund für sein großes Engagement. „Wenn es mir gut geht, muss ich schauen, dass ich etwas davon abgebe“, sagt er. Deshalb hat er zusammen mit seiner Frau zwei Stiftungen gegründet und auch die TUM Universitätsstiftung großzügig unterstützt, denn „die TUM liegt mir sehr am Herzen“.

Für Robert Schmucker war immer klar, dass er an der TUM studieren würde. Schon sein Bruder habe an der damaligen TH München Elektrotechnik studiert, und so kam für seine Eltern nichts Anderes in Frage, als auch den jüngeren Sohn dorthin zu schicken. „Ich bin ein Maschinenbauer durch und durch mit einem zusätzlichen Schwerpunkt Chemie“, sagt Robert Schmucker und betont: „Also genau das, was man für Raketentechnik und Raumfahrt braucht, so wie ich es sehe“.