Meeresbiologin und Humangeografin María José Barragán Paladines

„Verlasst die fachliche Komfortzone!“

Während ihres Studiums an der TUM hat María José Barragán Paladines gelernt, wie wichtig fachübergreifende Forschung ist. Heute ist sie Wissenschaftsdirektorin der Charles Darwin Foundation der Galapagosinseln und sucht nach Möglichkeiten die Interessen von Mensch und Natur zu vereinbaren.

Schon als Kind wusste Dr. María José Barragán Paladines, dass sie später Wissenschaftlerin werden wollte. Von ihrer Schwester und ihrem Vater inspiriert, studierte auch sie Biologie. Nach ihrem Bachelorabschluss in ihrer Heimat Ecuador arbeitete sie für lokale Nichtregierungsorganisationen an Forschungsprojekten zur Erhaltung gefährdeter Meerestiere.

Nach fast zehn Jahren intensiver Forschung musste María José Barragán Paladines feststellen, dass sie die komplexen Fragestellungen zum Schutz der marinen Biodiversität mit ihrem Wissen aus dem Bereich der Biologie allein nicht beantworten konnte. Ihr Ziel war es, die gegenwärtige Problemlage aus globaler Perspektive besser zu verstehen, um Nachhaltigkeit und im Nachgang die entsprechende Bewirtschaftung der Meere zu erreichen. Sie recherchierte nach einem geeigneten Studienfach und entdeckte das an der TUM angebotene Master-Programm für Sustainable Resource Management, also nachhaltiges Ressourcenmanagement. „Es ist ein bekanntes internationales Programm an einer der renommiertesten Universitäten Europas“, erklärt sie ihre Entscheidung für die TUM. „Zum Glück wurde ich angenommen.“

Durch das Studium an der TUM konnte ich das Big Picture – das große Ganze – sehen.

2006 begann María José Barragán Paladines ihr Studium in München. Die Zeit an der TUM wurde zu einer unvergesslichen Erfahrung, die den weiteren Weg der passionierten Forscherin entscheidend prägen sollte. „Das Studium hat mich gelehrt, dass vordergründig unabhängige Themen in Bezug auf Naturschutz und Nachhaltigkeit tatsächlich sehr eng miteinander zusammenhängen“, sagt sie. „Erst dadurch konnte ich das Big Picture, das große Ganze sehen und erkannte, wie unvollständig und ungenau meine bisherigen Ansätze waren.“

Nicht nur im Rahmen des Lehrplans war Vielfalt, ein breites und vielfältiges Spektrum an Disziplinen und Themen geboten. Begeistert war María José Barragán Paladines auch von der Internationalität des Masterprogramms. „In nur einem Kurs waren zwanzig verschiedene Nationalitäten vertreten“, erinnert sie sich. „Die TUM bot damit ein wirklich interessantes und reiches Lernumfeld, in dem Kulturen, Sprachen und Interessen aufeinander trafen und geteilt wurden.“

Fachübergreifende Forschung

Für ihren weiteren akademischen und beruflichen Weg nach Abschluss ihres Masters im Jahr 2008 war für María José Barragán Paladines ihre Zeit an der TUM wegweisend. „Diese Reise, die an der TUM begann, wurde fortan zum Trend“, sagt sie. Auch in ihrer derzeitigen Position pocht sie darauf, wie wichtig Interdisziplinarität und interkulturelle Teams sind. Seit 2018 ist sie wissenschaftliche Direktorin der Charles Darwin Foundation for the Galapagos Islands und damit die erste Ecuadorianerin und die erste Frau, die diese Position innehat. Die weit im Pazifischen Ozean gelegenen Galapagosinseln verfügen über eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Fast das gesamte Archipel ist ein Nationalpark und steht unter strengem Naturschutz. Es gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO.

Vier kleine Meerechsen an einer großen Meerechse.

Die Meerechse ist eine Leguanart, die nur auf den Galapagosinseln vorkommt. María José Barragán Paladines setzt sich dafür ein, dass das Überleben dieser außergewöhnlichen Tiere gesichert ist (Foto: Juan Manuel García/CDF).

In ihrer Funktion als Wissenschaftsdirektorin der Forschungsstation sind María José Barragán Paladines vier Hauptthemen ein besonderes Anliegen: Die Erhaltung und Wiederherstellung der Ökosysteme, deren Einfluss auf das Wohlergehen des Menschen sowie die nachhaltige Entwicklung natürlicher und menschlicher Systeme – im Kontext der Galapagosinseln und darüber hinaus. „Ich verfolge hierbei das Ziel, die Planung, Leitung, Durchführung und Überwachung der wissenschaftlichen Agenda innerhalb des nächsten Jahrzehnts so transdisziplinär wie nur irgend möglich zu gestalten“, sagt die TUM Alumna. „Mein Ziel ist es, die Wissenschaftler und Forscher zu motivieren, aus ihrer eigenen disziplinären Komfortzone herauszukommen.“

Gesicht einer Galapagos-Riesenschildkröte.

Die Galapagos-Riesenschildkröte kann weit über 150 Jahre alt werden. Sie schenkte dem Archipel im 19. Jahrhundert seinen Namen. Bis dahin nannte man die Inselgruppe „Verzauberte Inseln“ (Foto: María José Barragán Paladines/FCD).

Entschlossenheit als Erfolgsrezept

Auf lange Sicht möchte María José Barragán Paladines in die Lehre gehen, um ihr Wissen mit jungen Generationen von Forschern zu teilen. Aus eigener Erfahrung rät sie auch den Nachwuchsforschern stets den Blick über den Tellerrand zu wagen und für Erkenntnisse jenseits der eigenen Fachrichtung offen zu sein. Zuvorderst möchte María José Barragán Paladines jungen Menschen jedoch ihre Lebensmaxime vermitteln: Entschlossenheit. „Durch Entschlossenheit werden wichtige Werte wie Disziplin und Engagement, die zur Erreichung persönlicher und beruflicher Ziele nötig sind, verstärkt.“ Dieses Erfolgsrezept hat dazu beigetragen, dass María José Barragán Paladines ihren Lebenstraum nun lebt.