BMW-Aufsichtsratsvorsitzender Norbert Reithofer

„Meine Familie war immer ein Ausgleich für mich“

TUM Alumnus Norbert Reithofer stieg nach seiner Promotion an der TUM auf einem Leitungsposten bei BMW ein und lernte Führen „on the job“. Der heutige Aufsichtsratsvorsitzende hat klare Vorstellungen, was Führungskräfte und Unternehmen erfolgreich macht.

Dr. Norbert Reithofer gilt als einer der bedeutendsten und angesehensten Manager Deutschlands. Als Vorstandsvorsitzender von BMW überstand er die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und setzte sich für mehr Nachhaltigkeit bei dem weltweit operierenden Automobilhersteller ein. Nach einer neunjährigen, verdienstvollen Amtszeit wechselte er an die Spitze des BMW-Aufsichtsrates.

Das alles hätte sich Norbert Reithofer wahrscheinlich nicht träumen lassen, als er mit gerade einmal 22 Jahren und einem ersten Abschluss als Diplom-Ingenieur die Fachhochschule München verließ. Damals entschied er sich gegen den direkten Berufseinstieg und für ein weiteres Diplomstudium an der TUM. „Ich empfand mich als relativ jung für den Berufseinstieg“, erklärt er. „Gemeinsam mit meinen Studienfreunden habe ich entschieden, noch an die TUM zu gehen. Sie war für uns ein strahlendes Vorbild. Die TUM stand für gute wissenschaftliche Ausbildung und ganz starke theoretische Grundlagen.“

Erfahrungen sammeln

An der TUM angekommen, spezialisierte sich Norbert Reithofer auf den Bereich Fertigungstechnik und Betriebswissenschaften. Das Hauptinstitut, das auch noch heute hinter diesem Schwerpunkt steht, ist das renommierte Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften (iwb) der TUM. „Das iwb hatte eine Stelle ausgeschrieben als Hilfsassistent. Professor des Instituts war übrigens Joachim Milberg, der später dann Vorstandsvorsitzender von BMW wurde. Auf diese Weise kam ich schon als Student ans iwb und habe bis zu meinem Diplom dort als Hilfsassistent gearbeitet“, erzählt Norbert Reithofer.

Die Arbeit am iwb begeisterte Nobert Reithofer so sehr, dass er nach seinem Diplom als Wissenschaftlicher Assistent am iwb blieb und an seiner Promotion arbeitete. „Das Hochinteressante am iwb war, dass wir wirklich viele Kollegen mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten waren. Und wir haben nebenher, neben unseren Forschungsaufträgen, Industrieprojekte bearbeitet, wo wir zusätzlich einiges an Erfahrung gesammelt haben.“ So lernte Norbert Reithofer während seiner Promotion auch einen BMW-Bereichsleiter kennen, der ihm direkt einen Job anbot. Er entschied sich allerdings dafür, erst noch die Promotionsarbeit zu beenden und erst danach in das Unternehmen einzusteigen.

Video

TUM Alumnus Norbert Reithofer gratuliert seiner Alma Mater zum 150. Gründungsjubiläum

„Mein Leben wäre ohne die TU München definitiv anders verlaufen. Diplom und Promotion waren meine Fahrkarte für eine erfolgreiche Laufbahn.“ Mit diesen Worten gratuliert Nobert Reithofer der TUM zu ihrem 150. Gründungsjubiläum im Jahr 2018.

In leitender Position

Das Promotionsthema von Norbert Reithofer war derart aktuell, dass er – frisch von der Universität ins Unternehmen gekommen – direkt die Leitung einer Abteilung übernehmen durfte. Hier lernte der führungsunerfahrene Promovend quasi „on the job“, welche verschiedenen Rollen man einnehmen muss, um eine gute Führungskraft zu sein. Und schon im Jahr 1991 – mit gerade einmal 35 Jahren – führte Norbert Reithofer die Hauptabteilung Karosserierohbau mit 2.300 Leuten.

Später sammelte Norbert Reithofer internationale Erfahrung als Technischer Direktor bei BMW in Südafrika und Präsident der BMW Manufacturing Corporation in den Vereinigten Staaten. Dort hat er gelernt, dass die Menschen weltweit nicht so unterschiedlich sind, wie viele glauben. „Die Führungsprinzipien sind ziemlich ähnlich. Menschen wollen wertgeschätzt werden. Sie freuen sich, wenn man ihre Vorschläge umsetzt. Wenn man es schafft, die Mannschaft zu motivieren, so dass ein richtiger Ruck durch das Team geht, dann macht es nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch einem selbst Spaß“, sagt Norbert Reithofer heute.

Vorstandsposten und Weltwirtschaftskrise

Im Jahr 2000 kam Norbert Reithofer zurück nach München und wurde Produktionsvorstand bei BMW, ab 2009 war er dann als Vorstandsvorsitzender aktiv. Zwei Jahre später setzte das Jahr der globalen Weltwirtschaftskrise der Automobilindustrie stark zu und Norbert Reithofer musste einmal mehr seine Führungskompetenz unter Beweis stellen. „Keiner von uns hatte das jemals erlebt. Wir mussten uns völlig neu auf die Situation einstellen, dass innerhalb von drei Monaten unsere Gewinne weg waren. Und das blieb dann zwei Jahre so“, erinnert er sich. In einer solchen Situation lebe man fast ausschließlich nur noch für das Unternehmen. Dennoch wusste Norbert Reithofer sich zu erden: „Meditation ist ein Steckenpferd von mir und außerdem war meine Familie immer ein Ausgleich für mich.“

Vor vier Jahren wechselte Norbert Reithofer vom Vorstandsposten in den Aufsichtsrat von BMW. Als Manager müsse man in der Lage sein, immer strategisch auf ein Unternehmen zu blicken, nicht emotional. „Ich darf mich nicht durch jetzige Markterfolge beeinflussen lassen, sondern muss eine Strategie entwickeln, die das Unternehmen durch die Zukunft trägt“, so Reithofer. Dieses strategische Denken habe er an der TUM gelernt: „Noch heute gucke ich ab und zu etwas in meinen Studienunterlagen nach. Ich persönlich habe der TUM viel zu verdanken und allen Studierenden sage ich: Ihr habt die richtige Wahl getroffen. Macht was draus.“