TUM Ambassador Maya Schuldiner

„Wissenschaft muss familienfreundlich sein“

In ihrem Labor in Israel legt TUM Ambassador Maya Schuldiner viel Wert auf eine echte Gleichstellung der Geschlechter. Für ihren einjährigen Forschungsaufenthalt an der TUM zog die erfolgreiche Molekulargenetikerin mit ihrem Mann und ihren drei Kindern nach München.

Am Weizmann Institute of Science in Israel untersucht Maya Schuldiner Backhefe als Modellorganismus. Seit über zwanzig Jahren ist die Genomsequenz des Hefepilzes bekannt. Doch untersucht wurde bis heute nur ein Bruchteil seiner Proteine. Viele dieser Proteine haben vergleichbare Funktionen in menschlichen Zellen. Dort können die Gene, die sie kodieren, durch Mutationen Zellveränderungen und damit schwerwiegende Krankheiten hervorrufen. In ihrem Labor möchte die Molekulargenetikerin diese Lücken im Wissen um Hefe-Proteine schließen – und dadurch Menschenleben retten.Das Sabbatjahr wollte Maya Schuldiner im Labor des weltweit führenden Forschers auf diesem Gebiet verbringen. Und so führte sie ihr Weg an die TUM nach München. Auch ihr Ehemann, Oren Schuldiner, der ebenfalls Wissenschaftler ist, und ihre drei Kinder begleiteten sie. „Ohne meinen Mann könnte ich nicht die Wissenschaftlerin sein, die ich sein will“, bekräftigt die vielfach ausgezeichnete Forscherin. „Wenn man privat glücklich ist, dann kann man auch gut forschen.“

Über den fachlichen Nutzen hinaus

Von TUM-Professor Thomas Misgeld hatte Maya Schuldiner schon viel gehört. Sie wusste, dass der Leiter des Wissenschaftlichen Instituts für Zellbiologie des Nervensystems der Medizinischen Fakultät der TUM am gleichen Funktionsbereich von Zellen forscht wie sie. Statt der Hefe nutzt sein Labor als Modellorganismus die Maus. In der Fokusgruppe „Subzelluläre Dynamik in Neuronen“ ließen die Experten aus Israel und Deutschland ihr Wissen um Hefe und Mäuse zusammenfließen. Neue Erkenntnisse über die Fortbewegung und die Kommunikation von Organellen in Zellen wurden so gewonnen. „Als Teil der TUM Community kann ich über die Grenzen meines Labors hinausdenken und einen viel breiteren wissenschaftlichen Horizont sehen“, sagt Maya Schuldiner. „Das Jahr, das ich in München verbrachte, war eines der schönsten wissenschaftlichen Jahre meines Lebens. Ich bin der TUM für diese Gelegenheit und Erfahrung sehr dankbar.“

Als Teil der TUM-Community konnte ich über die Grenzen meines Labors hinausdenken.

Bis heute zehrt Maya Schuldiner nicht nur fachlich, sondern auch privat von ihrer Zusammenarbeit mit Professor Thomas Misgeld. Als sie wieder zurück in Israel war, legte sie sogar – angeregt durch ihren deutschen Kollegen – den Fokus ihrer Laborarbeit verstärkt auf Zellstoffwechsel. Regelmäßig tauschen sich die beiden Wissenschaftler in virtuellen Meetings aus. Sie treffen sich aber auch gemeinsam mit der gesamten Familie im Rahmen von Konferenzen und verbringen dann ihre Freizeit miteinander. „Es ist eine Freundschaft fürs Leben“, sagt Maya Schuldiner.

Work-Life-Balance

Dankbar ist Maya Schuldiner auch für den wissenschaftlichen Austausch mit ihrem Ehemann Oren Schuldiner, der ebenfalls am Weizmann Institute of Science arbeitet. 2017 hatte er seine Frau durch den Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis der Alexander von Humboldt Stiftung an die TUM begleiten können. „Wir diskutieren ständig über Wissenschaft“, sagt Maya Schuldiner. „Es ist etwas ganz Besonderes, jemanden in der Nähe zu haben, der sich um dich und deinen Erfolg kümmert und auch wirklich versteht, was du tust.“

Das Ehepaar teilt nicht nur die Wissenschaft miteinander, sondern auch ganz selbstverständlich die Betreuung der drei Kinder untereinander auf. „Ich habe im Laufe der Jahre erkannt, dass man viel bessere Wissenschaft betreiben kann, wenn man glücklich und voller Energie ist“, sagt Maya Schuldiner. „Dieses Glück liegt in der Möglichkeit, neben der Arbeit noch genügend Zeit für den Partner, die Kinder, für Freunde und für Hobbies zu haben.“

Im Maya Schuldiner Lab wird diese Lebensdevise groß geschrieben – und gilt für Mann und Frau gleichermaßen. „Eine echte Gleichstellung der Geschlechter kann nur dann gewährleistet werden, wenn die Wissenschaft familienfreundlich ist“, bekräftigt Maya Schuldiner. „Es ist wichtig, dass sowohl weibliche als auch männliche Wissenschaftler ein reiches Familienleben genießen und gleichzeitig ihre wissenschaftliche Karriere verfolgen können.“

Menschen verbinden

2020 wurde Maya Schuldiner von TUM-Präsident Thomas F. Hofmann mit dem Ehrentitel TUM Ambassador ausgezeichnet. In Anerkennung ihrer Verdienste wird seit 2013 dieser Titel einmal jährlich an ausgewählte internationale Spitzen-Forscherinnen und -Forschern verliehen. „Als TUM-Botschafterin möchte ich zeigen, dass interkulturelle Zusammenarbeit nicht nur ein Weg ist, um die Wissenschaft voranzutreiben und die Zukunft der Menschheit zu verbessern“, sagt Maya Schuldiner. „Es ist auch ein Weg, um Unterschiede zu überwinden und Gemeinsamkeiten zu erkennen. Es ist ein Weg, um Menschen zusammenzubringen.“ In diesem Sinne will sich Maya Schuldiner auch weiter für die TUM Community einsetzen und sie an ihren Erfahrungen teilhaben lassen. Im Frühjahr 2021 wird sie im Rahmen eines Women of TUM-Afterworks über Karriere in der Wissenschaft und die Vereinbarkeit von Familie und Karriere sprechen.