Architektin Lavinia Herzog

„Mich interessieren die Fragen zwischen den Themen“

Mit ihren Entwürfen für städtische Freiräume bewegt sich TUM Alumna Lavinia Herzog im Grenzbereich zwischen Natur und Kunst. Die Liebe zu Architektur und Design haben ihr die Eltern mit auf den Weg gegeben, das Fachwissen hat sie an der TUM erworben.

Ihre Liebe für Architektur und Design hat Lavinia Herzog von ihren Eltern geerbt: von ihrer Mutter Verena Herzog-Loibl, Designerin mit Abschluss an der HfG Ulm und Enkelin des Mathematikers Sebastian Finsterwalder, und ihrem Vater Thomas Herzog, hochdekorierter Architekt, langjähriger Ordinarius für Gebäudetechnologie, Dekan der Fakultät Architektur und seit 2007 Emeritus of Excellence der TUM. Beide förderten ihre künstlerisch-kreative Neugier von klein auf. „Dinge zu kreieren war für mich normal und entsprach auch meinem Talent“, erinnert sich Lavinia Herzog „Schon früh wollte ich nicht nur kreativ Objekte gestalten, sondern suchte auch nach der Harmonie zwischen Technik und Natur.“

Geborene Architektin

Nach einer Lehre zur Bauzeichnerin entschloss sich Lavinia Herzog zum Studium der Architektur an der TUM. „Die Architekturfakultät der TUM schien mir in Deutschland eine der Besten zu sein“, sagt sie zu ihrer Entscheidung, die rückblickend genau die richtige war: Die Studienzeit war die erste Phase in ihrem Leben, in der sie sich mit genau den Dingen beschäftigen konnte, die sie wirklich interessierten.

Die Architekturfakultät der TUM schien mir in Deutschland eine der Besten zu sein.

Begeistert erinnert sich Lavinia Herzog an ihren TUM-Professor Richard Horden zurück. „Seine unglaublich freundliche Art zu lehren und seine integre Persönlichkeit haben mich sehr beeindruckt“, berichtet sie. „Ich finde es bis heute bemerkenswert, wie er es bei Projektarbeiten schaffte, dass jeder Studierende bis an die persönlichen Grenzen und darüber hinausging.“ Für Lavinia Herzog resultierte diese Form der Förderung in einer erstklassig abgeschlossenen Diplomarbeit, für die sie den Johannes B. Ortner Preis der TUM erhielt. Seit 2005 werden mit der Auszeichnung herausragende Forschungsprojekte von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern der naturwissenschaftlichen und technischen Studienfächer, insbesondere der Architektur und des Bauingenieurwesens gefördert.

Begeisterte Grenzgängerin

Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Studiums stieg Lavinia Herzog als Architektin ins Berufsleben ein. Durch ihre mehrjährige Tätigkeit im Bereich der Landschaftsarchitektur wurde ihr bewusst, wie sehr sie Themenfelder im Grenzbereich zwischen Natur und Kultur begeistern. „Mich interessieren die Fragen und Lösungen zwischen den Themen“, erklärt sie ihre Vorliebe. „Die Balance und den intellektuellen Austausch von interdisziplinären Arbeiten finde ich besonders spannend.“

Kurzerhand entschied sich Lavinia Herzog dazu, zurück an die TUM zu gehen und das Studium der Landschaftsarchitektur aufzunehmen. „Das interdisziplinäre Curriculum für den Master, den ich mir damals – inklusive Projekten im Ausland – als ideal für mich vorgestellt hatte, wurde hier in Weihenstephan angeboten“, sagt sie.

2007 schloss Lavinia Herzog mit einer Arbeit bei Professsor Peter Latz, Emeritus of Excellence der TUM, auch ihr Zweitstudium ab und arbeitet seither in eben den Grenzbereichen, die sie so spannend findet: Als Architektin, Landschaftsarchitektin und Designerin. „Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Balance zwischen Alt und Neu, Natur und Kunst, Materie und Raum“, beschreibt sie ihre Konzepte. „Das Hinterfragen und Würdigen von Althergebrachtem, der Respekt vor dem Ort, der Umwelt und den Ressourcen dient mir zur Entwicklung von Zukunftsperspektiven und bei der Suche nach Innovationen.“

Innovative Komponistin

Geschickt integriert Lavinia Herzog historische Komponenten oder Relikte industrieller Anlagen in ihre Entwürfe für städtische Freiraumkonzepte in Großstädten. Dabei komplimentieren die Freiräume mit Respekt für das bereits Bestehende immer die geplante Architektur, was mit dem Gewinn eines internationalen Wettbewerbs in Guangzhou belohnt wurde. Für ihre Heimatstadt München entwarf sie auf Holzkonstruktionen stehende Parkanlagen. Experimentelle Wohngebäude konzipiert sie als autarke „Friedliche Türme“, die die sie umgebende Natur ökologisch möglichst wenig belasten. Über solche Grenzbereiche der Gestaltung zwischen Architektur und Landschaft promoviert die innovative Architektin nun auch. Ihre Liebe zu Italien hat sie hierfür an die Universität La Sapienza nach Rom geführt.