Mentor Karl Fordemann

„Das ist sinnerfüllendes Leben pur!“

Nach über zwanzig Jahren als Geschäftsführer entschied sich TUM Alumnus Karl Fordemann die Familienbrauerei zu verlassen. Heute leitet er eine Akademie für Persönlichkeitsentwicklung. Ein Schritt, der ihm nicht leichtfiel. Was er dabei gelernt hat, gibt er heute an seine Mentees weiter.

Im „Mekka der Bierbrauer“, am TUM-Campus Weihenstephan in Freising, studierte Karl Fordemann Brauwesen und Getränketechnologie. Daran schloss er das Arbeits- und Wirtschaftswissenschaftliche Aufbaustudium an. Schließlich war es eine große Verantwortung, die Herforder Brauerei als Familienunternehmen in der fünften Generation zu übernehmen.

Als geschäftsführender Gesellschafter der Traditionsbrauerei erkannte Karl Fordemann zunehmend, wie wichtig die richtige Führung des Personals ist. „Um leidenschaftlich ein ausgezeichnetes Bier brauen zu können, braucht es mehr als nur ingenieursmäßiges Wissen“, sagt er. „Das funktioniert nur mit ebenso begeisterten Mitarbeitenden.“

Folgenschwere Weiterbildung

Karl Fordemann machte mehrere Weiterbildungen in Personalführung und Personalentwicklung mit. Schließlich entschloss er sich dazu, auch sich selbst etwas Gutes zu tun und an einem Seminar für Persönlichkeitsentwicklung teilzunehmen. Denn obwohl er seine Arbeit im Brauereibetrieb als vielfältig und erfüllend empfand, machten ihm ungelöste Fragen im Alltag und besonders Machtauseinandersetzungen im Gesellschafterkreis zunehmend zu schaffen.

Schon als Internatsschüler war Karl Fordemann mit Viktor E. Frankl und dessen bekanntem Werk „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ in Berührung gekommen. Der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse schildert dort seine Erlebnisse und Erfahrungen in Konzentrationslagern. Im Seminar begegnete Karl Fordemann erneut dem österreichischen Psychotherapeuten und der sinnzentrierten Logotherapie. Der psychotherapeutische Ansatz gründet in der Sinnfindung und dem Streben nach Sinnhaftigkeit, auch und gerade in widersinnigen Lebensumständen. „Von Viktor E. Frankl lernte ich, dass alle Herausforderungen, die dir im Leben begegnen, einen Sinnaufforderungscharakter haben“, erklärt Karl Fordemann. „Ich stellte mir das erste Mal ernsthaft die Frage, ob ich Zeit meines Lebens in der Familienbrauerei arbeiten möchte.“

Keine leichte Entscheidung

Karl Fordemann betrachtete nun die firmeninternen Konflikte als Impuls für eine berufliche Neuausrichtung. Er wollte selbst einen Weg in der Persönlichkeitsentwicklung einschlagen. Fast fünfzehn Jahre lang haderte er mit der Entscheidung, den Familienbetrieb endgültig zu verlassen. „Ein traditionsreiches Familienunternehmen aufzugeben, macht man nicht einfach mal so“, sagt er. Und dennoch arbeitete er durch Weiterbildungen in der Logotherapie konsequent auf diesen Schritt hin. Als dann die Brauerei an ein deutlich größeres Familienunternehmen verkauft wurde, wusste Karl Fordemann endgültig, dass seine Zukunft nicht mehr auf diesem Parkett stattfinden sollte. Heute ist er Geschäftsführer und Trainer an der Hohenbrunner Akademie – und glücklicher denn je: „Ich habe lange gerungen, aber schlussendlich war es genau die richtige Entscheidung.“

TUM Alumnus Karl Fordemann mit seiner Ehefrau Sabine Berthold-Fordemann.

Bei einem studentischen Faschingsball lernte Karl Fordemann 1976 seine Frau kennen. Sabine Berthold-Fordemann studierte damals an der Pädagogischen Hochschule der LMU. Wenn die beiden nicht als Trainer in der Hohenbrunner Akademie tätig sind, gehen sie gerne gemeinsam in die Berge (Bild: Privat).

Zweite Berufung

In den Seminaren und Workshops des Münchner Weiterbildungsunternehmens liegt der Fokus auf einer gesteigerten Selbstwahrnehmung der Teilnehmenden. Aus tiefer Überzeugung zeigt Karl Fordemann ihnen auf, wie wichtig es ist, in vollem Bewusstsein im Hier und Jetzt zu leben und die Möglichkeiten zu erkennen, die dem Leben Sinn geben. „Das macht ganz viel Freude“, sagt er zu seiner zweiten Berufung. „Das ist sinnerfüllendes Leben pur!“ Große Firmen wie Allianz, BMW, DaimlerChrysler und besonders Familienunternehmen schicken ihre Mitarbeitenden zu Karl Fordemann.

Ich bin von der Idee und vom Konzept des TUM Mentoring-Programms begeistert.

Seit langen Jahren gibt Karl Fordemann diese sinnzentrierte Lebensphilosophie als Mentor im Programm TUM Mentoring von Alumni für Studierende weiter. Schon sechs Mentees begleitete er in persönlichen Mentoraten. Bei diesem TUM Mentoring Classic werden Studierende und Promovierende ein Jahr lang von Alumni als persönlichen Mentoren begleitet. Sie fördern ihre Mentees individuell in der persönlichen und beruflichen Entwicklung. Dutzende Male bot Karl Fordemann darüber hinaus für Studierende der TUM kostenlose Workshops und Seminare über sinnorientierte Selbstführung, gerade auch in Zeiten von Corona, an.

Mit seinen Mentees hat Karl Fordemann einen engen und freundschaftlichen Kontakt. Kein Wunder, denn mit unbeschreiblicher Herzenswärme vermittelt er sein Rezept für ein sinnerfülltes Leben: Entschleunigung, die Konzentration auf das Wesentliche, die Freude an den kleinen Dingen und die große Dankbarkeit und Zufriedenheit, die sich daraus ergeben. „Ich bin von der Idee und vom Konzept des TUM Mentoring-Programms begeistert“, sagt er. „Was kann einem jungen Menschen besseres passieren, als Vertrauen zu einem selbst gewählten, berufserfahrenen Kollegen aufzubauen, um mit ihm gemeinsam Fragen an das Leben nach dem Studium zu erarbeiten?“