Universitätskanzlerin Andrea Bör

„In Extremsituationen bin ich sehr ruhig und fokussiert“

Zielsicher bewegt sich TUM Alumna Dr. Andrea Bör seit Jahrzehnten in den Chefetagen von Männerdomänen. Mittlerweile ist die Ingenieurin Kanzlerin der Freien Universität Berlin.

18 Jahre hat Andrea Bör an der TUM verbracht: Hier studierte und promovierte sie, hier besetzte sie erste Führungspositionen in Forschung und Hochschulverwaltung. Beim Studium der Elektrotechnik und Informationstechnik an der TUM war sie eine von nur 20 Frauen, eine Exotin. „Damals wurde im Hörsaal noch gepfiffen, wenn eine Frau ihn betrat“, erinnert sie sich. „Und in unseren Lerngruppen waren wir zu zehnt, neun männliche Kollegen und ich“. Doch die Kontakte von damals haben sich bis heute gehalten. Einer ihrer damaligen Kommilitonen ist Patenonkel ihres jüngsten Sohnes, ein anderer hat auf ihrer Geburtstagsfeier seine Frau kennengelernt.

Promotion statt Industrie

Dass Andrea Bör promoviert, war nie geplant. Mit ihrem Diplom wollte sie in die Industrie, doch der Mutter von vier Kindern trauten die Personaler offenbar einen erfolgreichen Spagat zwischen Beruf und Familie nicht zu. So entschied sie sich, am Lehrstuhl zu bleiben – ein Glücksfall, wie Andrea Bör heute weiß.

Zunächst war sie wissenschaftlich am Lehrstuhl tätig, später wurde sie Referentin des Vizepräsidenten und unterstützte diesen bei der Umsetzung eines großen IT-Projekts. „Das war eine Referentenposition plus Tätigkeit als Projektmanagerin – genau meins“, so Bör, die anwendungsbezogenes Arbeiten schätzt. Gleichzeitig konnte sie in die Hochschulpolitik hineinschnuppern. „Das hat mir sicher den weiteren Weg in Richtung Verwaltungsmanagement geebnet.“ Die Würfel für diesen Karriereweg seien spätestens gefallen, als sie Geschäftsführerin der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik wurde.

Es war eine sehr, sehr gute Schule und glücklicherweise hatte ich nie Berührungsängste.

Von da an verfolgte Andrea Bör ihre Karriere stringent weiter: 2008 wurde sie Chief Information Officer an der Universität des Saarlandes, ab 2011 Kanzlerin der Universität Passau und seit Juli 2016 verantwortet sie als Kanzlerin der Freien Universität Berlin ein Jahresbudget von rund einer halben Milliarde Euro bei rund 4500 Mitarbeitern. Jedes Mal musste sie in große männliche Fußstapfen treten. „Diese Bedingungen waren in jeder Hinsicht lehrreich für mich“, so Andrea Bör. „Es war eine sehr, sehr gute Schule und glücklicherweise hatte ich nie Berührungsängste.“

Unterstützung durch Familie und Mentoren

Unterstützt wurde Andrea Bör dabei nicht nur von ihrem Ehemann und ihrer Familie, sondern auch von wichtigen Ratgeberinnen und Ratgebern sowie Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern. Sie selbst war Mentee in verschiedenen Programmen und engagierte sich später als Mentorin an der TUM. Ihre erste Mentorin war TUM Alumna Maren Heinzerling, die1990 den ersten Münchner Mädchen-Techniktag veranstaltet hat. Andrea Bör durfte als Abiturientin in der Organisation mitarbeiten. „Maren Heinzerling hat mich durch mein Studium begleitet. Sie hat mich unterstützt. Auch als ich nach Berlin gegangen bin. Ihr Rat, ihr Vorbild sind mir sehr wichtig“, sagt Bör, die Rollenmodelle gerade für Frauen als sehr wichtig erachtet, damit sich Frauen wie auch Männer selbst verwirklichen können.