TUM Emeritus of Excellence Heiner Bubb

„Die Ehrung durch die TUM erfüllt mich mit Stolz“

Heiner Bubb ist einer der bedeutendsten Forscher auf dem Gebiet der Fahrzeugergonomie. Mit seinen Lösungen zur menschgerechten Gestaltung von Maschinen hat er Generationen von Fahrzeugen geprägt. Als TUM-Student hätte er sich das niemals erträumen lassen.

Professor Dr. Heiner Bubb war es vergönnt, sich ein Leben lang mit den Themen zu beschäftigen, die ihn schon als Schüler faszinierten. Seine Erfindungen stellten für das neue Gebiet der Fahrzeugergonomie wegweisende Errungenschaften dar. Anfangs wurden der Wissenschaftler und sein vermeintliches Orchideenfach von der Industrie noch belächelt. Doch das änderte sich schnell. Vor allem die großen deutschen Autohersteller erkannten rasch den praktischen Nutzen seiner Forschungen.

Heute profitieren Menschen weltweit in ihrem Alltag von den ergonomischen Lösungen von Heiner Bubb – etwa wenn ihnen beim Autofahren ein virtueller Lichtbalken Geschwindigkeit, Bremsweg und Sicherheitsabstand sowie die Route auf Augenhöhe anzeigt. Dieses sogenannte Augmented Reality Head-Up-Display ist nur eine von Heiner Bubbs Erfindungen zur menschengerechten Gestaltung von Fahrzeugen, die den Fahrkomfort und vor allem die Verkehrssicherheit auf den Straßen signifikant erhöhen.

Dem Anspruch mehr als gerecht geworden

Als Heiner Bubb im Jahr 1962 das Studium der Technischen Physik an der TUM aufnahm, war er von seinen Professoren, darunter unter anderem Nobelpreisträger Professor Dr. Rudolf Ludwig Mößbauer hoch beeindruckt. „Ich war aber auch bedrückt“, erinnert sich Heiner Bubb. „Ich hatte das Gefühl, den hier sichtbar werdenden Ansprüchen niemals gerecht werden zu können. Wenn mir zum damaligen Zeitpunkt jemand prophezeit hätte, dass ich eines Tages selbst dort unten an der Tafel stehen werde, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“

Die Ergonomie ist zu einem Lebenselixier geworden.

Nicht im Fach Physik, sondern in dem der Ergonomie stand Heiner Bubb nur wenige Jahre darauf tatsächlich „unten an der Tafel“. Durch Zufall stieß er 1968 bei der Suche nach einem Promotionsthema auf das Fach der Ergonomie, das damals noch Neuland war. „Ich konnte nicht einmal eine lexikalische Erklärung des Begriffes Ergonomie im Großen Brockhaus finden“, erinnert er sich. Lehrstuhlinhaber TUM-Professor Dr. Heinz Schmidtke erläuterte ihm die Zielrichtung des Faches. Mit wissenschaftlichen Methoden sollten das Zusammenwirken von Mensch und Maschine untersucht und daraus Regeln abgeleitet werden, wie dieses optimiert werden kann. Genau dieses Ziel, die Anwendung von Wissen für das tägliche Leben, hatte Heiner Bubb schon als Schüler auf dem Gymnasium und dann als Student der Physik vor Augen. Eine lebenslange Passion war geboren.

Seiner Zeit weit voraus

Gleich mit seiner Doktorarbeit gelang Heiner Bubb der erste große Coup. Für Kraftfahrzeuge sollte er ein Anzeigegerät für den Bremsweg entwickeln. Das Ergebnis war das sogenannte kontaktanaloge Head-Up-Display (HUD), bei dem der Nutzer seine Kopfhaltung und Blickrichtung beibehalten kann, da die Informationen direkt in sein Sichtfeld projiziert werden. Die Lösung, die Heiner Bubb damit bereits 1975 aufzeigte, kommt heute weltweit in Autos oder Flugzeugen zum Einsatz.

Auch knapp zwei Jahre später beschäftigte er sich in seiner Habilitation mit der Ergonomie des Mensch-Maschine-Systems in Autos. Erneut lieferte er bereits damals die theoretischen Grundlagen für die erst heute aufkommenden Fahrerassistenzsysteme, die teilautonom oder autonom in Antrieb und Steuerung eingreifen oder vor Gefahrensituationen warnen.

Wegweisend war schließlich auch Heiner Bubbs Vision eines rechnergestützten ergonomischen Menschmodells, das wie eine virtuelle Versuchsperson ergonomische Erkenntnisse jederzeit und jedermann verfügbar macht. Im Rahmen eines Forschungsprojektes war Heiner Bubb federführend bei der Entwicklung des 3D-Menschmodells RAMSIS (Rechnergestütztes Anthropometrisch-Mathematisches System zur Insassen-Simulation) beteiligt. Heute verwenden weltweit 80 Prozent aller Automobilfirmen das Modell, um ihre Fahrzeuge so zu gestalten, dass das Risiko menschlichen Fehlverhaltens zunehmend minimiert werden kann.

Lebenselixier

Trotz seiner vielfältigen und höchst erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Industrie verließ Heiner Bubb das universitäre Feld nie. Nach einer Professur für Arbeitswissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt kehrte Heiner Bubb 1993 wieder an seine Alma Mater zurück und trat die Nachfolge seines Doktorvaters Heinz Schmidtke an. Heiner Bubbs Gespür für zukunftsweisende Forschungsprojekte in Kooperation mit den großen deutschen Automobilherstellern prägte sein gesamtes Wirken an der TUM.

Seit 2009 ist Heiner Bubb emeritiert. Doch von Ruhestand keine Spur. „Tatsächlich sind die Forschung und die Beschäftigung mit dem Wissenschaftsgebiet der Ergonomie zu einem gewissen Lebenselixier geworden“, sagt er. Nach wie vor berät er das Projekt RAMSIS, wenn es um die zukunftsfähige Weiterentwicklung geht. Und regelmäßig nimmt er an den Lehrstuhlseminaren der Ergonomie teil. Erst 2019 wurde er vom Senat zur Ombudsperson gewählt. Als Ansprechpartner für alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TUM berät und unterstützt er in diesem Amt in Fragen guter wissenschaftlicher Praxis und ihrer Verletzung durch wissenschaftliches Fehlverhalten. Kein Wunder, dass soviel Engagement noch im gleichen Jahr mit dem Ehrentitel TUM Emeritus of Excellence gewürdigt wurde. „Diese Ehrung der TUM erfüllt mich mit Freude und Stolz“, sagt er.