Bauingenieur Casimir Katz

„Forschung sollte immer einen Zweck erfüllen“

Wissenschaft und Praxis sind ein Gegensatz? Bauingenieur und TUM Alumnus Casimir Katz lebt die konsequente Verzahnung beider und wurde für diese Fähigkeit nun mit der Konrad-Zuse-Medaille ausgezeichnet.

Schon immer hatte Casimir Katz einen Hang zu Mathematik und den Naturwissenschaften, gewann Preise beim Bundeswettbewerb für Mathematik. Und doch ist er nicht Mathematiklehrer geworden, sondern Bauingenieur. „Man baut Dinge, die die Welt sieht – das interessiert mich“, sagt Casimir Katz heute. Diese öffentliche Wirksamkeit erreicht er nun schon seit dreißig Jahren mit internationalen Projekten, wie etwa dem Transrapid in Shanghai, dem Elefantenhaus des Züricher Zoo oder dem WM-Fußballstadion in Brasília, für deren Planung sein Unternehmen die Bausoftware liefert.

Für seine bahnbrechende Arbeit im Bereich der Simulation komplexer, innovativer Bauaufgaben wurde Casimir Katz jüngst mit der Konrad-Zuse-Medaille ausgezeichnet, nicht zuletzt auch für seine Fähigkeit, neueste wissenschaftliche Ergebnisse in leistungsfähige Software zu integrieren. Diese Fähigkeit, Forschung gleichsam zur praktischen Anwendung zu bringen, hat Katz schon seit seiner Studienzeit mehrfach unter Beweis stellen können.

Neuartige Software

Während seines Studiums des Bauingenieurwesens an der TUM wird der gebürtige Schwarzwälder von Professor Heinrich Werner in das Forschungsteam geholt, um eine neuartige Software zur Berechnung von Brückenpfeilern mitzuentwickeln. Die daraufhin von Casimir Katz in der Diplomarbeit erforschte Methode ist heute unter dem Begriff „Finite Cell Method“ bekannt. Das dabei entwickelte modulare Konzept macht seither Simulationen und Planungen im Bauwesen wesentlich einfacher und zeitsparender. „Darauf bin ich richtig stolz“, sagt er heute.

Für die Praktiker bin ich Forscher und für die Forscher bin ich Praktiker: Es ist immer gut, wenn man nicht ins Raster fällt.

1982 schließt Katz an der TUM seine Dissertation ab, die, wie er schmunzelnd anmerkt, „weltweit überhaupt nur wenige Personen begreifen dürften“. Gleichwohl führen auch hier die Ergebnisse der Arbeit zu einem viel zitierten Grundlagenwerk über symmetrische Verfahren bei Integralgleichungen. „Ich selbst habe dreißig Jahre gebraucht, um manches wirklich zu verstehen.“ Aber darauf kommt es an, so Katz, auf „lebenslanges Lernen“.

Da kein Unternehmen den promovierten „Anarchisten“ mit einem Angebot locken konnte, macht sich Katz kurzerhand selbstständig. Durch seine anhaltende Forschung an Simulationsprogrammen kann er diese so weiterentwickeln, dass sie bereits Anfang der 1980er Jahre auf kleineren Arbeitsplatzrechnern laufen. Breiten Kreisen von Bauingenieuren wurde dadurch eine innovative Technologie zugänglich gemacht, die heute zum Standard zählt.

Die zunächst eher lose gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsarbeit vor allem mit seinem früheren TUM-Kommilitonen Thomas Fink stellt sich mit Großkunden wie Bilfinger & Berger, Hochtief und Schlaich Bergermann rasch als so erfolgreich heraus, dass beide 1987 ein eigenes Bausoftwareunternehmen gründen, das heute als Europas führende Adresse bei anspruchsvollen Bauprojekten gilt.

Dem Credo treu bleiben

In zwei Jahren wird Katz dort sein Führungsamt abgeben. Natürlich freut er sich auf das erst jüngst für sich entdeckte Singen mit seiner Frau im Chor und mehr Zeit für Ahnenforschung und seine Enkel. Doch wird er auch in Zukunft darauf achten, dass die Forschung nicht vernachlässigt wird – der Bereich, der nicht unwesentlich das Innovationspotential des Unternehmens garantiert. Er selbst, so versichert Katz, wird seinem Credo treu bleiben und auch weiterhin „über die eigene Arbeit nachdenken, ob es nicht besser geht. Denn auch das ist Forschung.“

Ebendies rät Katz auch seinen Studierenden im Rahmen seines Lehrauftrags für Computational Mechanics an der TUM und möchte den jungen Menschen damit das weitergeben, das er dort ehemals selbst von seinem bewunderten Mentor Heinrich Werner gelernt hat. „Wie ein Schwamm sollen sie im Studium alles aufsaugen und dabei eigenständig denken und stets auch alles hinterfragen“, so Katz. „Der größte Glücksmoment stellt sich für mich dann ein, wenn ich etwas anstoßen kann und die Leute dann selbst auf Ideen kommen und eigenständig arbeiten.“