BR-Produktions- und Technikdirektorin Birgit Spanner-Ulmer

„Mir fällt immer noch etwas Neues ein“

Birgit Spanner-Ulmer will die Welt Stück für Stück „einfacher“ machen. Seit ihrer Promotion an der TUM widmet sie sich der Optimierung von Produkten und Prozessen – in der Industrie, der Wissenschaft und seit 2012 beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Birgit Spanner-Ulmer zieht es dorthin, wo es etwas Neues zu entwickeln und Strukturen zu verbessern gibt. Die Ingenieurin entwickelte nach ihrer Promotion an der TUM innovative Automodelle bei Audi, baute als Professorin in Chemnitz einen Lehrstuhl auf und ist seit 2012 dafür zuständig, den Bayerischen Rundfunk auf technischer Ebene in die Zukunft zu führen. Für jede ihrer Aufgaben geht sie stets in die Vollen, hält an ihren Überzeugungen fest und bleibt hartnäckig, um Optimierungen voranzubringen.

Verhältnis zwischen Mensch und Technik

„Mir war ziemlich früh klar, dass ich als Frau in den Ingenieurwissenschaften einfach noch ein Stückchen sichtbarer sein muss als die männlichen Kollegen“, erklärt Birgit Spanner-Ulmer ihre Entscheidung nach dem Diplom im Fach Wirtschaftsingenieurwesen noch die Promotion an der TUM anzuschließen. Bereits im Hauptstudium war ihr klar, dass sie promovieren und sich dabei noch intensiver auf die ingenieurwissenschaftlichen Fächer konzentrieren wollte. Dabei interessierte sie sich vor allem für das Verhältnis zwischen Mensch und Technik. „Mich treibt die Frage um, wie die menschlichen Denkmuster funktionieren und wie man diese bei der Gestaltung von Produkten berücksichtigen muss, damit ein Produkt sicher und intuitiv bedient werden kann.“

Meine Tage sind nicht kurz, aber extrem spannend.

Nach der Promotion schloss sie die Habilitation am arbeitswissenschaftlichen Lehrstuhl in Eichstätt an und wagte nach deren Abschluss den Sprung in die Industrie. Bei Audi wurde sie im Geschäftsbereich Produktion tätig. „Ich war damals schon 37 und ganz ehrlich, es war wirklich nicht einfach. Viele Leute haben zu mir gesagt, ich sei für einen Job in der Industrie überqualifiziert, und haben mir geraten, in der Wissenschaft zu bleiben“, so Birgit Spanner-Ulmer. „Ich wollte aber unbedingt Praxiserfahrung.“ Bei Audi arbeitete sie sich sehr rasch ins Management hoch und wechselte nach drei Jahren in die technische Entwicklung. „Das ist die spannendste Abteilung überhaupt, denn da können Sie sich mit der Frage beschäftigen, wie das Auto der Zukunft aussehen soll“, so Birgit Spanner-Ulmer.

Beim „Vorsingen“ auf Platz 1

Obwohl sie die Zeit bei Audi als sehr erfüllend empfand, siegte ihre Neugier als in Chemnitz eine Professur für Arbeitswissenschaft ausgeschrieben wurde. Sie bewarb sich, nahm am Vorsingen teil und landete auf Platz 1. Also gab sie ihren gut bezahlten Posten im Management eines weltweit agierenden Automobilherstellers auf, um Professorin an einer mittelgroßen Universität im Osten Deutschlands zu werden. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut: „Ich wusste, hier kann ich meine Ideen verwirklichen, hier kann ich eigene Forschungsthemen anstoßen, hier gibt es Gestaltungsmöglichkeiten.“

Schließlich wurde Birgit Spanner-Ulmer 2012 zur Produktions- und Technikdirektorin beim Bayerischen Rundfunk berufen. Dort ist sie verantwortlich für alle Angelegenheiten, die im Zusammenhang mit der Produktions- und Sendetechnik sowie der Distribution und deren Planungen stehen. „Meine Hauptaufgabe als Direktorin ist es, zu managen und zu führen. Und die richtigen Impulse zu geben“, erläutert Birgit Spanner-Ulmer. Als Professorin an der TUM gibt sie zudem ihre Erfahrungen an Studierenden weiter. „Meine Tage sind nicht kurz, aber extrem spannend.“