Elektroingenieur und Unternehmer

Randolf Alexander Rodenstock wurde am 31. März 1948 in München geboren. Er war der Urenkel von Josef Rodenstock (1846–1932), der 1877 in Würzburg das »Optische Institut G. Rodenstock« gegründet hatte. Sein Vater Rolf Rodenstock leitete seit 1953 das in zwischen in München ansässige Familienunternehmen. Sohn Randolf wollte in jungen Jahren eigentlich Lateinlehrer werden, doch wollte ihn sein Vater als seinen Nachfolger haben und legte ihm später ein technisches Studium nahe.

Studium an der TUM und LMU

Nach dem Abitur (1967), einem Praktikum in Südamerika und der Ableistung des Wehrdiensts (1968/69) studierte Randolf Rodenstock von 1969 bis 1970 Elektrotechnik an der Technischen Hochschule München und von 1970 bis 1976 Physik an der nunmehrigen Technischen Universität München. Am Institut für Medizinische Optik entwickelte er eine Apparatur zur Messung der kinetischen Sehschärfe und schloss mit dem Physik-Diplom ab. 1971 heiratete er die Psychologin Uschi Eger. Aus der Ehe gingen der Sohn Rupprecht und die Tochter Beatrice hervor. Seine Kinder bereitete er bewusst nicht für die Nachfolge im Familienunternehmen vor – sie sollten ihren Horizont erweitern und selbst wählen, welchen Weg sie gehen wollten.

Eintritt in die Familienfirma

Im Jahr 1976 trat Randolf Rodenstock in die Familienfirma ein und war bis 1983 Assistent des Vaters, unterbrochen von einem Aufbaustudium an der Managerschule INSEAD in Fontainebleau bei Paris mit Erwerb des Masters of Business Administration (1977/78). Ab 1983 leitete er als persönlich haftender Gesellschafter zusammen mit dem Vater die Familienfirma. Die Kooperation war nicht einfach, denn der Vater war ein patriarchalischer Unternehmensführer alten Stils, während Randolf Rodenstock als Student in den 1968er Jahren und bei INSEAD progressive Ideen entwickelt hatte.

Umstrukturierung des Unternehmens

Ab 1990 übernahm Randolf Rodenstock den Vorsitz der Konzernleitung der Rodenstock-Unternehmensgruppe und gab ihr eine neue divisionale Struktur. Auch führte er einen Führungsstil ein, der auf Delegation und Eigenverantwortung setzte. Eigentlich wollte er ein »humanitärer Unternehmer« werden, doch zwangen ihn strukturelle Probleme des Unternehmens und die Gesundheitsreform von Norbert Blüm zu harten Entscheidungen. Mit Hilfe der Unternehmensberatung McKinsey wurden ein Restrukturierungsprogramm und eine Revitalisierung der Marke umgesetzt. Das Unternehmen konzentrierte sich ab Ende der 1990er Jahre auf das Kerngeschäft Brillengläser und Brillenfassungen, seit 1991 gekennzeichnet mit dem neuen Logo »R«.

Fortführung der Produktionsverlagerung ins Ausland

Randolf Rodenstock setzte die Verlagerung der Produktion von Deutschland ins Ausland (Malta, Tschechien, Thailand) fort. Zahlreiche Arbeiter wurden entlassen. So waren Ende der 1980er Jahre im Bayerischen Wald 2600 Mitarbeiter beschäftigt worden. 20 Jahre später waren es noch rund 850. Nach Problemen mit US-Investitionen überführte Randolf Rodenstock das Unternehmen im Jahr 2003 in eine GmbH, warb im Folgejahr fremdes Kapital ein und wechselte in den Aufsichtsratsvorsitz. 2007 verkaufte er die Minderheitsanteile der Familie an einen US-Finanzinvestor und beschränkte seine Mitwirkung am Unternehmen auf einen Sitz im Aufsichtsrat.

Ja, glauben Sie denn, ein Arbeitsplatz in Thailand ist ethisch weniger wert als ein Arbeitsplatz in Deutschland?1

Ehrenamtliches Engagement in Verbänden

Der Rückzug vom Familienunternehmen ließ ihm mehr Zeit für ehrenamtliches Engagement in Verbänden. Damit setzte er eine Tradition seines Vaters fort. Randolf Rodenstock war über viele Jahre Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft/vbw (2000–2013), des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie/VBM (1998–2013) und des Bayerischen Unternehmensverbands Metall und Elektro/bayme (2000–2013). Von 2006 bis 2013 amtierte er als Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, seit 1989 ist er Vizepräsident des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

Randolf Rodenstock amtiert bis heute als Vorstandsvorsitzender des von ihm initiierten Roman Herzog Instituts (RHI) in München, das sich mit dem Wandel von Gesellschaft, Wirtschaft und Werten sowie zukünftigen Lebens- und Arbeitsformen beschäftigt. Darüber hinaus war Randolf Rodenstock Vizepräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Mitglied des Präsidiums des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Vorstandsvorsitzender von SPECTARIS und Mitglied des Aufsichtsrates der IKB Deutschen Industriebank und der E.ON Energie. Sein besonderes Interesse gilt dem arabischen Raum. Randolf Rodenstock ist einer der Vizepräsidenten der Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft e. V. (DAFG). Im Juli 2010 wurde er Vorsitzender des Syrian German Business Council, der aber wegen des bald darauf beginnenden Bürgerkriegs keine Aktivitäten entfalten konnte.

Präsidnet des VBM

Als Präsident des VBM brachte Randolf Rodenstock zahlreiche Initiativen auf den Weg, so zum Beispiel die Gründung der Bayerischen Patentallianz GmbH, einer Vermarktungsagentur von 28 bayerischen Universitäten und Hochschulen. Außerdem gründete der VBM auf Betreiben Rodenstocks gemeinsam mit der TUM International GmbH die KME – Kompetenzzentrum Mittelstand GmbH. Sie initiiert unternehmensübergreifende Forschungsprojekte zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsunternehmen.
Seit 2015 amtiert Randolf Rodenstock als Vorsitzender des Hochschulrates der privaten Hochschule der Bayerischen Wirtschaft (HDBW) in München. Auch ist er Mitglied des Hochschulrats der Katholischen Universität Eichstätt.

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Im Jahr 2000 stellte sich Randolf Rodenstock der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) als Kuratoriumsmitglied zur Verfügung und ist bis heute als einer ihrer Botschafter aktiv. Er plädiert für eine Ökonomie mit mehr Freiheit und Selbstverantwortung für den Einzelnen und hält es mit Ludwig Erhard: »Je freier die Wirtschaft, umso sozialer ist sie auch.«2 Rodenstock warnt vor einem Übergewicht des Sozialen in der Sozialen Marktwirtschaft. Stattdessen plädiert er für Chancengerechtigkeit und Betonung der Markt- und Wettbewerbskräfte, da sie seiner Ansicht nach den allgemein wünschenswerten Wohlstand hervorbringen. Seine Gedanken fasste er 2001 in dem Buch »Chancen für alle. Die Neue Soziale Marktwirtschaft« zusammen.

Als überzeugter Liberaler denkt er Globalisierung zu Ende: »Ja, glauben Sie denn, ein Arbeitsplatz in Thailand ist ethisch weniger wert als ein Arbeitsplatz in Deutschland?« Seit 2014 ist er Mitglied der FDP und engagiert sich im Wirtschaftsforum der Partei. Seine Tochter Beatrice gründete eine Unternehmensberatung, die Geschäftsinhaber bei der Suche nach einer optimalen Nachfolgelösung berät. Vater Randolf stellte sich dem Unternehmen als Mentor zur Verfügung. Als »Business Angel« unterstützt er außerdem junge Unternehmer bei Firmengründungen.

TUM-Honorarprofessor

Seit dem Wintersemester 2006/07 unterrichtet Randolf Rodenstock im Rahmen eines Lehrauftrags zum Thema Unternehmensführung und Corporate Governance an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der TUM. Im Jahr 2011 ernannte ihn seine Alma Mater zum Honorarprofessor. Im Jahr 2007 wurde ihm der Bayerische Verdienstorden zuerkannt. Der vbw ernannte ihn zum Ehrenpräsidenten. Im Jahr 2011 zeichnete ihn das Kuratorium Gutes Sehen e. V. (KGS) mit der Duncker-Medaille aus.
 

1. Zit. nach Strascheg Center for Entrepreneurship: Die Rodenstocks waren am 5.11. an der HM, 5.11.2008 (letzter Zugriff 18.6.2018).

2. Randolf Rodenstock: Wieviel Soziales verträgt die Marktwirtschaft? Roman Herzog Institut, Vortrag Wirtschaftsjunioren Dachau, 1.7.2010 (PDF, 100 kb. Letzter Zugriff 18.6.2018).