Physiologe und Nobelpreisträger

Konrad Bloch wurde am 21. Januar 1912 in Neisse (Oberschlesien) in ein wohlhabendes jüdisches Elternhaus geboren. Seine Eltern waren Fritz und Hedwig Bloch. Der Vater betrieb eine Gardinenfabrik. Nach dem Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife am Gymnasium in Neisse absolvierte er Praktika in einer dortigen Werkzeugmaschinenfabrik und in einem Hochofenwerk in Lübeck.

Studium bei Hans Fischer in München

Danach ging er 1930 nach München, um an der Technischen Hochschule Chemieingenieurwesen für das Berg- und Hüttenfach zu studieren. Beeindruckt von den Vorlesungen des Nobelpreisträgers Hans Fischer, wechselte er im zweiten Studienjahr zur Chemie und wandte sein Interesse der Organischen Chemie zu. Fleißig besuchte er die Sitzungen der »Münchner Chemischen Gesellschaft«, wo die großen Organischen Chemiker und Nobelpreisträger Hans Fischer, Richard Willstätter, Heinrich Wieland und Adolf Windaus vortrugen. Im Jahr 1935 schloss Bloch das Studium mit dem Diplom (Note »Sehr gut«) ab und bewarb sich bei Hans Fischer als Doktorand.

Wegen seiner jüdischen Herkunft geriet der junge Student unter zunehmenden Verfolgungsdruck. Sein Lehrer besorgte ihm 1935 eine Assistentenstelle am Schweizerischen Höhenforschungsinstitut Davos. Dort kam Bloch mit der Biochemie in Berührung, die ihn zeitlebens nicht mehr losließ. Zunächst beschäftigte er sich mit der Biochemie der Phospholipiden im Tuberkelbazillus. Dabei deckte er einen Fehler des bekannten Yale-Professors für Biochemie Rudolf John Anderson auf. Dieser bedankte sich höflich für den Hinweis und korrigierte seine Veröffentlichungen entsprechend. Blochs Doktorprüfung scheiterte freilich, da er es versäumt hatte, eine Publikation von einem seiner Prüfer anzuführen.

„Herr Bloch ist gut“

Im Jahr 1936 emigrierte Bloch mit Hilfe von Anderson in die USA. Die deutsche Staatsangehörigkeit wurde ihm daraufhin aberkannt. Ein Empfehlungsschreiben seines Lehrers Hans Fischer mit dem knappen Satz »Herr Bloch ist gut« reichte aus, um ihm den Zugang zu einer akademischen Karriere zu eröffnen, ein Stipendium der Wallerstein-Stiftung nahm ihm seine finanziellen Sorgen. Im Jahr 1938 wurde Bloch am College of Physicians and Surgeons der Columbia University promoviert. Sein Doktorvater war Hans T. Clarke.

Danach arbeitete Bloch in einer von Rudolph Schoenheimer geleiteten Postdoc-Forschergruppe zur Biosynthese. Neben Bloch waren dort so herausragende Biochemiker wie David Rittenberg und David Shemin tätig. Die Forscher nutzten neue Untersuchungsmethoden, die es erlaubten, Stoffe radioaktiv zu markieren und so ihren Weg im Körper nachzuvollziehen. Damit konnten Stoffwechselvorgänge in den Zellen verfolgt werden. Bestätigt wurden die Erkenntnisse durch Laborversuche mit Ratten.

Heirat in den USA

In München hatte der junge Bloch Lore Teutsch kennengelernt. Sie stammte aus einer jüdischen Münchener Kaufmannsfamilie und studierte an der Philosophischen, später Staatswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität. Bereits Ende 1933 emigrierte sie nach New York. Im Jahr 1941 erfolgte die Heirat. Aus der Ehe gingen der Sohn Peter und die Tochter Susan hervor. Tatkräftig halfen Konrad und Lore Bloch anderen Emigranten aus Deutschland, in die USA überzusiedeln und dort Fuß zu fassen. Im Jahr 1944 wurde Konrad Bloch die US-Staatsbürgerschaft zuerkannt.

Im Jahr 1942 publizierte er zusammen mit David Rittenberg zur Biosynthese des Cholesterins. Vier Jahre später wurde er zum Assistenzprofessor für Biochemie an der Universität Chicago ernannt und 1950 zum Full Professor befördert. Im Jahr 1953 forschte Bloch als Guggenheim Fellow ein Jahr lang an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich zu biogenetischen Fragen. Nach seiner Rückkehr nahm er einen Ruf als »Higgins Professor of Biochemistry« an der Harvard University an.

Nobelpreis zusammen mit Feodor Lynen

Für seine Forschungen zur Synthese des Cholesterins und zum Metabolismus der Fettsäuren wurde Konrad Bloch im Jahr 1964 zusammen mit dem Münchener Professor der Ludwig-Maximilians-Universität Feodor Felix Konrad Lynen mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. Bloch hatte bei seinen Forschungen zur Regulierung des Cholesterin- und Fettsäure-Stoffwechsels den Vorgang identifiziert, mittels dessen der menschliche Körper aktivierte Essigsäure zu Cholesterin umwandelt. Lynen war unabhängig von Bloch zu vergleichbaren Ergebnissen gekommen und hatte erstmals aktivierte Essigsäure isolieren können.

Die Bedeutung des Cholesterins

Bereits in den 1950er Jahren hatten Mediziner über den Zusammenhang zwischen Cholesterinwerten und Arterienverkalkung diskutiert. Die chemische Struktur des Cholesterins war seit Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt. Doch wusste man kaum etwas über seine Entstehung und seine Wechselwirkungen mit anderen Komponenten des Stoffwechsels. Dabei müssen Ketten chemischer Reaktionen nacheinander ablaufen. So sind über 30 Zwischenschritte nötig, damit aktivierte Essigsäure in Cholesterin umgewandelt wird.

Ein Großteil des biochemischen Wissens wurde durch Versuch und Irrtum erlangt, nicht durch rationales Design. 1

Der Körper baut aus den Säuremolekülen mit zwei Kohlenstoffatomen langkettige Kohlenwasserstoffe auf, die in einer komplizierten Folge von Reaktionen zu Cholesterin umgebaut werden, das aus 27 teilweise ringförmig angeordneten Kohlenstoffatomen besteht. Der größte Teil des Cholesterins wird in der Leber gebildet, daneben auch in Darmschleimhaut, Nebennieren und Geschlechtsdrüsen. Es dient dem Aufbau der Zellmembranen, dem Fetttransport und der Bildung vieler Hormone. Die bahnbrechenden Erkenntnisse der beiden Forscher ließen sich nutzen, um die Therapie von Kreislaufkrankheiten und die Herstellung von cholesterinsenkenden Medikamenten zu verbessern.

Bloch hatte auch entdeckt, dass Galle und ein weibliches Sexualhormon aus Cholesterin gebildet werden. Dies führte zu der Erkenntnis, dass alle Steroide aus Cholesterin entstehen. Im Jahr 1964 wurde Konrad Bloch mit dem Fritzsche Award der American Chemical Society und dem Distinguished Service Award der University of Chicago School of Medicine ausgezeichnet. Im Folgejahr erhielt er den Centennial Science Award der University of Notre Dame in Indiana und die Cardano Medal der Lombardischen Akademie der Wissenschaften, 1968 folgte der William Lloyd Evans Award der Ohio State University.

Vortrag auf der 100. Jubiläumsfeier der TH München

Die Fakultät für Allgemeine Wissenschaften der Technischen Hochschule München erkannte ihrem ehemaligen Studenten im Jahr 1967 die Ehrendoktorwürde zu. Anlässlich der Verleihung im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der TH München im Jahr 1968 hielt Bloch im Großen Physikhörsaal einen Vortrag über »Aktuelle Probleme der Biochemie« und erinnerte sich dabei an die »meisterhaften Vorlesungen und vor allem die dramatischen Demonstrationen, z. B. des Rückstoßprinzips« während seiner Studienzeit. 2

Im Jahr 1976 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Im Jahr 1985 wurde Bloch zum Fellow der Royal Society ernannt, und 1988 wurde ihm die National Medal of Science verliehen. Der Nobelpreisträger war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien und Gesellschaften, darunter der National Academy of Sciences. Viele Jahre lang betätigte er sich als Herausgeber des Journal of Biological Chemistry.

Im Jahr 1982 wurde Bloch an der Harvard University emeritiert und hatte fortan den Mack and Effie Campbell Tyner Eminent Scholar Chair am College of Human Sciences der Florida State University inne. Der stets bescheiden auftretende Forscher suchte seine Erholung beim Skifahren, beim Tennissport und bei seinem geliebten Violoncello. Auch schätzte er seine Ferienhäuser im Bundesstaat Vermont und im norditalienischen Veneto, Letzteres restaurierte er selbst.

Exzellenter Wissenschaftskommunikator

Neben zahllosen wissenschaftlichen Veröffentlichungen publizierte er 1994 das populär gehaltene Buch »Blondes in Venetian Paintings, the Nine-Banded Armadillo, and Other Essays in Biochemistry«. Anhand zahlreicher Anekdoten führt er darin die Leserinnen und Leser in die spannende Welt der Biochemie ein. Das Buch wurde 1996 mit dem Will Solimene Award for Excellence in Medical Communication ausgezeichnet.

Im Alter von 88 Jahren erlag Konrad Bloch am 15. Oktober 2000 in Lexington, Massachusetts, einem Herzversagen. In einem Nachruf schrieb sein Harvard-Kollege Elias Corey, der Biochemiker habe mit seinen Forschungen vielen Menschen das Leben gerettet. Sein Werk werde auf lange Sicht einen außerordentlichen Nutzen für die Menschheit haben.

1. Konrad Bloch, Blondes in Venetian Paintings, the Nine-Banded Armadillo, and Other Essays in Biochemistry, Yale 1994, S. 127, übers. v. M. P.

2. Willisch, Norbert: Der schlesische Nobelpreisträger Konrad E. Bloch. Ein Nachruf aus Münchener Sicht, in: Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau, Bd. 42–44 (2001–2003), S. 734.