Diplom-Landwirt und Bayerischer Staatsminister

Josef Miller wurde am 12. Juli 1947 in Oberschöneberg, Landkreis Augsburg, als Sohn eines Bauern geboren. Auf dem elterlichen Hof lernte er die Arbeit und die Natur schätzen. Nach der Volksschule (1953–61) wurde er zum Landwirt ausgebildet. Er engagierte sich in der Katholischen Landjugendbewegung und arbeitete vorübergehend als Bauhilfsarbeiter.

Mittlere Reife und Abitur auf dem zweiten Bildungsweg

Auf dem zweiten Bildungsweg erwarb er 1966 die Mittlere Reife an der Berufsaufbauschule und holte 1969 am Bayernkolleg Augsburg das Abitur nach. Danach studierte er von 1969 bis 1972 bis zum Diplom Agrarwissenschaften an der Technischen Universität München in Weihenstephan. In seiner Freizeit engagierte er sich bei der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Agilolfia Freising im CV. Dort traf er als Alten Herren den von 1969 bis 1987 amtierenden Bayerischen Landwirtschaftsminister Dr. Hans Eisenmann, der auf Miller nachhaltigen Einfluss ausübte.

Nach dem Staatsexamen für den höheren landwirtschaftlichen Dienst (1974) arbeitete Miller bis 1977 als Betriebswirtschaftsberater am Amt für Landwirtschaft in Memmingen. Danach lehrte er Volkswirtschaft und Agrarpolitik an der Staatlichen Führungsakademie für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in München.

Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Ministerium

Im Jahr 1979 wechselte er in das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und war dort bis 1986 als Referent für Öffentlichkeitsarbeit tätig. Geprägt wurde er während dieser Zeit von dem visionären Landwirtschaftsminister Dr. Hans Eisenmann. Miller begleitete ihn mit der Erarbeitung von Redeentwürfen und Veröffentlichungen. Entgegen dem Rat des Vaters entschloss sich Miller zu einer parteipolitischen Karriere, nachdem er gebeten wurde, für den Landtag zu kandidieren.

1986 wurde er zum ersten Mal für die Christlich-Soziale Union (CSU) im Wahlkreis Memmingen in den Landtag gewählt und übte sein Mandat 27 Jahre lang bis zum September 2013 aus. Im Rahmen seiner parlamentarischen Arbeit gehörte er diversen Ausschüssen an.  Im Jahr 1988 wurde er CSU-Kreisvorsitzender in Memmingen sowie Mitglied im Bezirks- und Landesvorstand der CSU. Bereits vier Jahre nach seiner Wahl in den Bayerischen Landtag wurde er zum Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten berufen.

Bayerischer Landwirtschaftsminister

Von 1994 bis 1998 amtierte Miller als stellvertretender Vorsitzender von Alois Glück in der CSU-Landtagsfraktion. 1998 wurde er von Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber zum Bayerischen Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten berufen. Nach der Ressortneufestlegung war er von 2001 bis 2008 für die Bereiche Landwirtschaft und Forsten verantwortlich. An zahlreichen Gesetzen war Miller federführend beteiligt, so am beispielhaften Agrarwirtschaftsgesetz zur Förderung der Land- und Ernährungswirtschaft.

Die Grundversorgung […] sicher zu stellen, sowie die Verantwortung für die Schöpfung wahrnehmen und das Prinzip der Nachhaltigkeit zu beachten, muss Grundsatz unseres Handelns sein.1

Auch engagierte er sich bei der Reform des Forstwesens. Miller reformierte die Ämterstruktur, konzentrierte die Landesanstalten und führte eine große Forstreform mit der Gründung des Unternehmens »Bayerische Staatsforsten« durch. Er befolgte den Grundsatz, dass anstehende Aufgaben nicht anzugehen noch schlimmer sei, als etwas falsch zu machen.

Schaffung vitaler ländlicher Räume

Sein Nachfolger Helmut Brunner bescheinigte ihm anlässlich einer Würdigung zum 70. Geburtstag, dass Miller die Schaffung vitaler ländlicher Räume und gleichwertiger Lebensbedingungen zwischen Stadt und Land ein Herzensanliegen gewesen sei. Er habe die interkommunale Zusammenarbeit forciert und erstmals Pilotprojekte für interkommunale Gewerbegebiete ermöglicht. Die Zukunftsoffensive Frankenwein diene der Verbesserung der Weinqualität und dem Ausbau des Weintourismus.

Aktivitäten auf europäischer Ebene

Auch auf europäischer Ebene setzte Miller Akzente. So gelang es ihm, den Kommissar für Europäische Handelspolitik, Peter Mandelson, davon zu überzeugen, die für 2010 beschlossene Milchquotenregelung auf 2015 zu verschieben, um Zeit für die Anpassung in den landwirtschaftlichen Betrieben zu gewinnen. Weitsichtige Weichenstellungen aus seiner Zeit waren die Agrarexportoffensive und die Vernetzung innerhalb der europäischen Agrarpolitik für eine bäuerliche Landwirtschaft. Dazu führte er gemeinsame parlamentarische Abende zusammen mit Österreich und Südtirol in Brüssel durch und führte Gespräche mit allen französischen Landwirtschaftsministern während seiner Amtszeit. Mit Joseph Daul (Partei Les Républicains), dem früheren Vorsitzenden des Europäischen Agrarausschusses und späteren Fraktionsvorsitzenden sowie Präsidenten der Europäischen Volkspartei (EVP), verbindet ihn eine enge Freundschaft.

Erhalter der Kulturlandschaft und vieler ländlicher Betriebe

Bei seiner feierlichen Verabschiedung aus dem aktiven politischen Leben im Februar 2014 würdigte der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer die Lebensleistung des langjährigen Landwirtschaftsministers: »Josef Miller ist ein Grund, warum Bayern heute die Nase vorn hat.«2 Als herausragende Leistungen Millers nannte Seehofer den Erhalt der Kulturlandschaft sowie vieler ländlicher Betriebe, die Erschließung neuer Märkte, den Aufbau des »Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe« in Straubing (einer der Partner ist der Campus Straubing der TUM) und das Bayerische Gesetz zur nachhaltigen Entwicklung der Agrarwirtschaft und des ländlichen Raumes. Stets sei der Politiker bescheiden gewesen, frei von Affären, verlässlich und immer nah am Menschen.

Engagierter Kommunalpolitiker

Neben seiner Ministertätigkeit verlor Miller auch die Kommunalpolitik nicht aus den Augen: Von 1996 bis 2013 gehörte er dem Stadtrat Memmingen an. Stets engagierte er sich für zukunftsträchtige Projekte im Allgäu: den Bau der Autobahn A 96, die Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Lindau, den Allgäu Airport und die Ausrichtung der Landesgartenschau in Memmingen im Jahr 2000. Im Laufe seiner jahrzehntelangen politischen Tätigkeit bekleidete er zahlreiche Ämter. So war er stellvertretender Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft der CSU, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Mitglied bzw. Vorstandsmitglied des Augsburger Diözesanrates, Kuratoriumsmitglied der Universität Augsburg, Beiratsmitglied der Donau-Universität Krems in Memmingen und Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesstiftung.

Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen

Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen wurden ihm verliehen: Bayerischer Verdienstorden (1997), Bundesverdienstkreuz am Bande (2003), Bayerische Verfassungsmedaille in Gold (2005), Ehrenvorsitz des CSU-Kreisverbands Memmingen (2011), Orden des heiligen Gregors des Großen für den Einsatz für die Anliegen der katholischen Kirche (2013), Ehrensenatorwürde der Hochschule Kempten (2013), Ehrenbürgerwürde der Stadt Memmingen (2014), Goldene Ehrenraute der CSU (2014).

Ein Höhepunkt war 2015 die Verleihung des Europa-Preises Mérite Européen in Bronze an Josef Miller. Ausgezeichnet wurde er als unermüdlicher Streiter für erfolgreiche und friedfertige Zusammenarbeit in Europa, der bei seinem Handeln stets die Menschen in Europa in den Vordergrund stellte und sich als international anerkannter Experte in Sachen Landwirtschaft profilierte. Besonders hervorgehoben wurde sein Einsatz für die deutsch-französische Freundschaft und die Fortentwicklung der europäischen Einigung.

Verleihung der Max-Schönleutner-Medaille

Die Max-Schönleutner-Gesellschaft Weihenstephan der Technischen Universität München zeichnete den langjährigen Landwirtschaftsminister im Juli 2013 für seine großen Verdienste um die Agrar- und Gartenbauwissenschaften in Bayern mit der renommierten Max-Schönleutner-Medaille aus. Es ist die höchste Auszeichnung, die am Wissenschaftszentrum Weihenstephan verliehen wird. Zuvor fand zu Ehren Millers ein Symposium mit dem Titel »Landwirtschaft und Agrarpolitik in Bayern in der Ära Josef Miller von 1998 bis 2008« statt.

1. Zit. nach »Taten statt Worte« lautete seine Devise. Josef Miller scheidet nach 27 Jahren aus dem Bayerischen Landtag aus. Memminger Kurier, 14.8.2013 (letzter Zugriff 20.2.2018).

2. Zit. nach »Josef Miller ist ein Grund, warum Bayern heute die Nase vorn hat«. Josef Miller, Archiv, 11. 2.2014 (letzter Zugriff 24.6.2017).