Agrarwissenschaftler und Bayerischer Staatsminister für Landwirtschaft

Hans Eisenmann wurde am 15. April 1923 in Ampertshausen bei Pfaffenhofen an der Ilm geboren. Er wuchs auf dem Glückshof in der Hallertau auf. Während des Zweiten Weltkriegs leistete er zunächst seinen Arbeitsdienst und wurde dann zum Kampfpiloten und Fluglehrer der Luftwaffe ausgebildet. Von 1946 bis zum Diplom (1948) studierte er Agrar- und Volkswissenschaften an der Technischen Hochschule München in Weihenstephan. Dabei trat er in die katholische Studentenverbindung K. D. St. V. Agilolfia Freising im Cartellverband (CV) ein.

Staatsexamen und Promotion in Weihenstephan

Im Jahr 1950 legte er das Staatsexamen für den höheren landwirtschaftlichen Staatsdienst ab. Berufsbegleitend schrieb er an seiner Dissertation zum Thema »Die Marshallplanhilfe für die bayerische Landwirtschaft« und wurde 1959 an der Technischen Hochschule München promoviert. Im Jahr 1951 trat er in das Landwirtschaftsamt in Pfaffenhofen an der Ilm ein. Als Leiter des Landwirtschaftsamtes (ab 1954) und der Landwirtschaftsschule Pfaffenhofen machte er bald auf sich aufmerksam.

Von der Bayernpartei zur CSU

Auch engagierte er sich neben seinem Beruf politisch. Für die Bayernpartei wurde er 1950 in den Bayerischen Landtag gewählt, sein Mandat wurde zeitlebens immer wieder von den Wählern erneuert. Im Jahre 1954 trat er zur CSU über. Neben seiner Landtagstätigkeit, wo er zum Leiter des Haushaltsausschusses aufstieg, war er außerdem von 1958–69 Landrat des Landkreises Pfaffenhofen an der Ilm. Der Bayerische Ministerpräsident Alfons Goppel nahm ihn 1969 als Landwirtschaftsminister in sein Kabinett auf. Eisenmann bekleidete das Amt eines Staatsministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 18 Jahre lang, bis zu seinem Tod im Amt 1987. Bald nach seiner Berufung wurde im Oktober 1970 der Nationalpark Bayerischer Wald eröffnet. Eisenmann setzte sich stets nachdrücklich für dessen Belange ein und wirkte darauf hin, dass nicht-kommerziell genutzte Naturzonen belassen werden.

Eisenmanns »Bayerische Weg« in der Agrarpolitik

In der Agrarpolitik sah er Gesellschaftspolitik und begründete den »Bayerischen Weg«: Sein ganzheitlicher Ansatz trug entscheidend dazu bei, dass die Attraktivität der Kulturlandschaften und die Wettbewerbsfähigkeit bäuerlicher Strukturen in Bayern erhalten wurden. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft konnte sozial verträglich und im Dialog mit den Bauern gestaltet werden. Es gelang ihm, technischen Fortschritt und innerbetriebliche Zusammenarbeit zu verbessern. Im Jahr 1970 wurde sein »Gesetz zur Förderung der bayerischen Landwirtschaft« angenommen, und dies einstimmig durch alle im Landtag vertretenen Parteien. Eisenmann verhinderte in Bayern die Umsetzung der von EG-Agrarkommissar Sicco Mansholt propagierten planwirtschaftlichen Agrarstruktur.

Ein umfassendes, nachhaltiges Agrarkonzept

Leitprinzipien seines umfassenden, nachhaltigen Agrarkonzepts waren Schaffung von Einkommensalternativen außerhalb der Landwirtschaft, Senkung der Produktionskosten, Förderung von überbetrieblicher Zusammenarbeit, technischer Fortschritt, Weiterbildung, Vereinbarkeit der Bedürfnisse der Ökonomie mit den Erfordernissen der Ökologie, Berücksichtigung der Verbraucherinteressen und Nahrungsmittelversorgung in ausreichender Menge und Qualität sowie ausgerichtet an ernährungswissenschaftlichen Grundsätzen.

Die zunehmende Entfremdung von der Natur ist mit eine Ursache für die gegenseitige Gleichgültigkeit und Verrohung des Menschen.1

Beraten durch Professor Holger Magel (Lehrstuhl für Bodenordnung und Landentwicklung der TUM), ging Eisenmann die ganzheitliche Erneuerung der bayerischen Dörfer und Landschaften an. Flurbereinigung setzte er mit Instrumenten der Bodenordnung zur Erhaltung der gewachsenen Kultur- und Dorflandschaften ein – im Einverständnis mit den Grundstückseigentümern. Bei der Dorferneuerung suchte er bewährtes Altes zu erhalten und gutes Neues zu schaffen.

Visionäres Vorhaben eines »Grünen Zentrums Weihenstephan«

Am Standort Weihenstephan der Technischen Hochschule München hatte sich Hans Eisenmann bereits als Landtagsabgeordneter für Neubauten eingesetzt. Als Minister schlug er zum Jahresanfang 1970 die Zusammenfassung der beiden Weihenstephaner Fakultäten für Landwirtschaft und Gartenbau respektive Brauwesen und Lebensmitteltechnologie der TUM, der landwirtschaftlichen Fachbereiche der Fachhochschule Weihenstephan, diverser Ingenieurschulen, aller bayerischen Landesanstalten sowie der nach Weihenstephan zu verlegenden Fachbereiche für Forstwissenschaft und Veterinärmedizin der LMU zu einem »Grünen Zentrum« vor. Damit sollten verwandte Disziplinen aus dem Bereich der Bodenkultur sowie der Nahrungsmittelerzeugung und -verarbeitung zusammengeführt werden.

Das ehrgeizige Vorhaben war freilich seiner Zeit voraus. Im Jahr 2000 wurde dann das interdisziplinär ausgerichtete Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der TUM unter Integration der Fakultäten für Landwirtschaft und Gartenbau, Brauwesen, Lebensmitteltechnologie und Milchwissenschaft, Forstwissenschaft sowie Biologie geschaffen.

»Hans-Eisenmann-Haus« und »Hans Eisenmann-Zentrum«

Im Jahr 1963 wurde Eisenmann mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. Auch erhielt er die Bayerische Verfassungsmedaille in Silber und Gold. Die Stadt Pfaffenhofen an der Ilm verlieh ihm 1983 die Ehrenbürgerwürde. Das Informationszentrum des Nationalparks Bayerischer Wald trägt seit 1988 die Bezeichnung »Hans-Eisenmann-Haus«. Der Verband landwirtschaftlicher Meister und Ausbilder in Bayern (VLM) zeichnet seit 2002 Personen mit der Dr. Hans Eisenmann-Medaille aus, die sich um die Entwicklung des ländlichen Raums – insbesondere mit Bildungsmaßnahmen – verdient gemacht haben.

Die Technische Universität München benannte 2008 das neu errichtete »Hans Eisenmann-Zentrum für Agrarwissenschaften Weihenstephan« in Würdigung seiner Verdienste um die Universität nach ihrem Alumnus. Gerade weil die Einrichtung als Zentralinstitut interdisziplinär ausgerichtet ist und darüber hinaus den Kontakt zur landwirtschaftlichen Praxis sucht, atmet sie den Geist des herausragenden Ministers.

 

1. Zit. nach Alfred Schuh/Otto Bauer (Hg.): Hans Eisenmann. Ein Leben für seine bayerische Heimat. Dokumente bayerischer Agrarpolitik 1969–1987, Pfaffenhofen 1988, S. 44.