Architekt und Gestalter von Grabdenkmälern

Fritz Landauer wurde am 13. Juni 1883 in Augsburg als Sohn von Joseph und Anna Landauer geboren. Sein Großvater war der Textilfabrikant Moses Samuel Landauer. Von 1902 bis 1907 studierte Fritz Landauer Architektur an den Technischen Hochschulen Karlsruhe und München. Vorübergehend arbeitete er im Büro seines Lehrers Friedrich von Thiersch und wirkte beim Bau des Kurhauses in Wiesbaden und der Festhalle in Frankfurt am Main mit.

Freiberuflicher Architekt in München

Von 1909 bis 1934 wirkte er als freiberuflicher Architekt in München, zunächst gemeinsam mit Hans Brühl. In den 1920er Jahren wandte er sich zunehmend dem Neuen Bauen zu. In München und Oberbayern konnte er zahlreiche Wettbewerbe gewinnen. Zu seinen Werken zählten Sakralbauten, Wohnhäuser, Zweckbauten wie auch Möbel und Grabmäler.

Die nationalsozialistische Machtübernahme setzte seinem Schaffen in Deutschland ein schnelles Ende: 1933 wurde er aufgrund seiner jüdischen Herkunft aus dem Bund Deutscher Architekten ausgeschlossen, 1934 erhielt er ein Berufsverbot. Vier Jahre später wurde die Textilfabrik der Familie enteignet.

Emigration nach England

Landauer zögerte nicht zu emigrieren und bereitete diesen Schritt gewissenhaft vor. Schon 1933 reiste er nach London und warb erste Aufträge ein. So baute er in den Jahren 1935–37 zwei Synagogen in London.
Im Jahr 1937 folgte die endgültige Übersiedlung nach London. Sprachprobleme und andere Arbeitsbedingungen als die gewohnten bereiteten ihm jedoch große Probleme, so dass er nicht dauerhaft als freier Architekt Fuß fassen konnte. Ersatzweise gründete er 1940 die Monumental Art Ltd., die sich auf den Entwurf und die Ausführung künstlerisch gestalteter Grabsteine spezialisierte.

Vor seiner Emigration hatte er bereits in Bayern für jüdische Gemeinden zahlreiche Grabdenkmäler hergestellt.
Im Jahr 1955 erhielt er eine finanzielle Wiedergutmachung der Bundesrepublik Deutschland für erlittenes Unrecht. Damit war es ihm wieder möglich, als freier Architekt zu arbeiten.

Bekannte Werke

Zu seinen bekannten Werken gehören die Synagoge in der Augsburger Halderstraße (1913–17; zusammen mit Heinrich Lömpel), das Denkmal für die 178 im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg (1921–22), die Großsiedlung der Gemeinnützigen Wohnungsfürsorge AG am Münchner Walchenseeplatz (1928–30), das Haus Strauß in der Augsburger Nibelungenstraße (1930), die Synagoge an der Plauener Engel-/Senefelderstraße (1930) und zwei Synagogen in den Londoner Stadtteilen Golders Green und Willesden Green (1935/36 bzw. 1936/37). Das 1930/31 von Landauer erbaute »Haus Hirschmann« in der Würzburger Straße in Fürth ist eines der wenigen erhaltenen Gebäude, die heute das Neue Bauen der 1920er und frühen 1930er Jahre in Bayern repräsentieren.

Plauener Synagoge im Stil des Bauhauses

Sein spektakulärstes Werk war die im Stil des Bauhauses errichtete Synagoge in Plauen. Sowohl hinsichtlich ihrer Form wie auch hinsichtlich der eingesetzten Materialien und Techniken war sie avantgardistisch. Der helle, verputzte Kubus ruhte auf einem nicht sichtbaren Stahlgerüst und schien zu schweben. Tageslicht zeichnete im Innern effektvolle Konturen.

»[E]ine deutsche Glanzleistung im Weltkriege«
L. Fraenkel bei der Eröffnung von Landauers Augsburger Synagoge 1917 1

Der Bau beinhaltete auch einen Gemeindesaal und Verwaltungsräume, die von den Kulträumen nicht streng abgetrennt waren. Das Gebäude sollte den Charakter eines Zweckbaus haben, freilich »mit höchstem und idealem Zwecke« , wie Landauer schrieb. Sachliche Formensprache und religiöse Hingabe waren für den Architekten keine Gegensätze. In der Stuttgarter Ausstellung »Kultbauten der Gegenwart« (1930) und in der Berliner Schau »Deutsche Bauausstellung« (1931) wurde das Bauwerk rühmend vorgestellt.

Die Plauener Synagoge wurde im Zuge der Novemberpogrome am 10. November 1938 von den Nationalsozialisten niedergebrannt. Hingegen überlebte Landauers traditioneller gestaltete Synagoge in Augsburg die Brandstiftung, da das Feuer gelöscht wurde, um Nachbargebäude vor Schäden zu bewahren.

Die prachtvolle Augsburger Synagoge

Die Augsburger Synagoge in der Halderstraße ist ein prachtvoller Kuppelbau, der durch indirektes Licht und Farben im Innern eine mystische Stimmung verbreitet. Einzelne Bauteile wurden in moderner Eisenbetonkonstruktion errichtet. Der monumentale Bau verbindet Elemente des Jugendstils mit byzantinischen und orientalisierenden Details sowie Einflüssen aus der jüdischen Renaissance und traditionellen lokalen Bauformen.

Die räumliche Abfolge von Brunnenhof, Vorhalle und Kultraum hat den Salomonischen Tempel als spirituellen Bezugspunkt. Im Innern erhielt das Gotteshaus eine reiche ikonografische Ausstattung. Die mächtige Synagoge mit Gemeindezentrum brachte das Selbstbewusstsein der seit zwei Generationen gleichberechtigt in der Stadt lebenden 1200 Juden zum Ausdruck und verkörperte den Geist des Reformjudentums. So wurde auf der Ostempore über dem Toraschrein eine Orgel errichtet. Orthodoxe Juden lehnen als Zeichen der Trauer über den zerstörten Tempel jegliche Musikinstrumente in der Synagoge ab, zudem wird Orgelmusik als Bestandteil des christlichen Gottesdienstes angesehen. Die renovierte Augsburger Synagoge ist seit 1985 ein Ausstellungsraum – das erste seit Kriegsende gegründete jüdische Museum in Deutschland.

Denkmal für gefallene jüdische Soldaten

Ein besonderer Dorn im Auge war den Nationalsozialisten auch Landauers Denkmal für die 178 im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg auf dem Neuen Jüdischen Friedhof. Sie diffamierten es 1937 als »Siegesmal der jüdischen Weltverschwörung«. Es blieb freilich erhalten und erinnert heute über den örtlichen Bezug hinaus an die 100 000 deutschen jüdischen Soldaten im Ersten Weltkrieg, von denen nicht weniger als 30 000 Tapferkeitsauszeichnungen erhielten. Heute wird mit einer Tafel auch der mindestens 1626 Mitglieder der Kultusgemeinde gedacht, die Opfer des Holocaust wurden.

Fritz Landauer starb am 17. November 1968 in London. Im Nachkriegsdeutschland war er jahrzehntelang vergessen. Erst durch die Ausstellungen des Architekturmuseums Schwaben, einer Zweigstelle des Architekturmuseums der TU München (November 2001 bis Februar 2002) und des Jüdischen Museums Fürth (Oktober 2002 bis März 2003) wurde das Werk von Fritz Landauer wieder ins Gedächtnis gerufen.
 

1. L. Fraenkel: Die neue Augsburger Synagoge: eine deutsche Glanzleistung im Weltkriege. In: Allgemeine Zeitung des Judentums 20 (1917), S. 236.