Maschineningenieur und Manager

Bernd Peter Pischetsrieder wurde am 15. Februar 1948 in München-Thalkirchen geboren. Sein Vater war Geschäftsführer einer Werbeagentur. Ein Großonkel mütterlicherseits war Sir Alec Issigonis, der das britische Kultauto »Mini« konstruierte, das nach dem Verkauf von Rover bei BMW verblieb und heute ein großer Erfolg ist.
Am humanistischen Münchener Ludwigsgymnasium erwarb er 1967 die Hochschulreife. Von 1968 bis 1973 studierte er Maschinenbau an der Technischen Universität München. Die Diplomarbeit verfasste er zum Thema Strategische Unternehmensplanung.

Karrierebeginn bei der BMW AG

Seine berufliche Karriere startete er ein Jahr später bei der BMW AG in München als Fertigungsplaner. Ab 1975 führte er die Abteilung Arbeitswirtschaft, ab 1978 die Hauptabteilung Arbeitsvorbereitung in Dingolfing. Im Jahr 1982 wurde er zum Direktor für Produktion, Einkauf und Logistik bei der BMW South Africa Ltd. in Pretoria berufen.
Nach Deutschland zurückgekehrt, stieg er 1986 zum Leiter der Qualitätssicherung und ein Jahr später zum Leiter der technischen Planung auf. Impulse gab er insbesondere bei der rechnergestützten Anlagenplanung und der Produktionsregelung für Serienfertigung. Im Jahr 1991 wurde Pischetsrieder in den BMW-Vorstand berufen und übernahm die Verantwortung für das Ressort Fertigung.

Aufstieg zum BMW-Vorstandsvorsitzenden

Im Mai 1993 avancierte er zum Vorstandsvorsitzenden der BMW AG. Es gelang ihm, die Produktivität des Unternehmens zu steigern. Im Jahr 1994 wurde er zum Vizepräsidenten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) gewählt; 1998 amtierte Pischetsrieder als Präsident des Verbandes der Europäischen Automobilhersteller.

Wer lernen will, muss hören. Beim Selbstreden lernt man nichts. 1

Im Januar 1994 setzte Pischetsrieder die Übernahme der britischen Rover-Gruppe durch. Diese Entscheidung erwies sich jedoch als Misserfolg: Rover musste im März 2000 mit Verlusten verkauft werden. Als Konsequenz trat Pischetsrieder im Februar 1999 von seinem Vorstandsvorsitz zurück.

VW-Vorstandsvorsitzender

Im Juni 2000 wurde er zum Vorstandsmitglied der Volkswagen AG berufen und war für das Ressort Qualitätssicherung und die Geschäftsführung der spanischen Tochter SEAT verantwortlich. Im September 2001 stieg er als Nachfolger von Ferdinand Piëch zum VW-Vorstandsvorsitzenden auf. Er initiierte 2004 das Sparprogramm »ForMotion«. 2005 regte der VW-Chef einen Grundlagenvertrag mit dem Konkurrenzunternehmen DaimlerChrysler an.
Im Jahr 2004 stellte sich Pischetsrieder dem Verband der Europäischen Automobilhersteller ein zweites Mal als Präsident zur Verfügung. Von dem Magazin »Wirtschaftswoche« wurde er zum »Manager des Jahres 2004« ernannt. Nach Meinungsverschiedenheiten endete im Dezember 2006 seine Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender und Vorstandsmitglied bei VW. Bis 2012 war Pischetsrieder noch als Berater des Volkswagen-Vorstands tätig.

Aufsichtsratsvorsitz bei der Münchener Rück

Im Januar 2013 übernahm er den Aufsichtsratsvorsitz der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG, und im April 2014 wurde er in den Aufsichtsrat der Daimler AG gewählt. Darüber hinaus ist er Mitglied des Verwaltungsrats des Wittelsbacher Ausgleichsfonds und Aufsichtsratsmitglied der Tetra-Laval International S.A. Group.

TUM-Ehrendoktor

Im Jahr 1997 verlieh ihm seine Alma Mater, die Technische Universität München, in Anerkennung seiner herausragenden Leistungen bei der Erforschung, Entwicklung und Realisierung neuer Produktionstechnologien und -innovationen die Ehrendoktorwürde. Einen zweiten Ehrendoktor erhielt er 2004 von der Technischen Universität Berlin. Im Juni 1994 wurde ihm der Bayerische Verdienstorden verliehen. Im Jahr 1998 erhielt er das Große Silberne, sieben Jahre später das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich. Außerdem wurde er 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
Bernd Pischetsrieder ist verheiratet, das Ehepaar hat zwei Kinder. Der passionierte Zigarrenraucher angelt in seiner Freizeit, sammelt Automobil-Oldtimer, liebt schnelle Autos und fährt leidenschaftlich gerne Snowboard und Mountainbike. Er lebt mit seiner Familie auf einem umgebauten Bauernhof am Chiemsee, in Österreich betreibt er einen Weinberg. Außerdem hält er eine Beteiligung an einem Oldtimer-Autohaus.

1. Zit. nach Friedemann Stracke: Menschen verstehen – Potenziale erkennen. Die Systematik professioneller Bewerberauswahl und Mitarbeiterbeurteilung, Wiesbaden 2015, S. 189.