Infineon-Chef Reinhard Ploss

„Auf die Nase fallen und wieder aufstehen“

Dr. Reinhard Ploss führt den Chiphersteller Infineon mit Weitblick und einem Gespür für die Technologietrends der Zukunft. Den Mut für wichtige Entscheidungen brachte er aus seiner Studienzeit an der TUM mit.

Als Reinhard Ploss in den achtziger Jahren an der TUM Verfahrenstechnik studiert, gleicht der Campus in der Innenstadt einer Baustelle. Eine große Grube im Innenhof ersetzt die alten Chemiegebäude und soll bald Standort des neuen Audimax werden. Mit mehreren hundert Kommilitonen teilt sich Reinhard Ploss den Hörsaal, nur ab und zu abgelenkt vom Flair der Schwabinger Umgebung mit ihren zahlreichen Kneipen. Heute sitzt der 62-jährige als Vorstandsvorsitzender in seinem großen hellen Büro am Campeon in Neubiberg, dem Standort der Infineon Technologies AG. Die Architektur des Unternehmensareals greift bewusst Campus-Atmosphäre auf. Volle Hörsäle gibt es hier natürlich nicht, dafür täglich die Herausforderungen eines international agierenden Unternehmens sowie auch hier: eine Baustelle. Infineon wächst kräftig, in wenigen Monaten wird Reinhard Ploss ein neues Gebäude mit mehr als 800 Arbeitsplätzen einweihen.

Seit 2012 ist Reinhard Ploss Vorstandsvorsitzender der Infineon Technologies AG. Quasi sein ganzes Berufsleben hat er im Konzern verbracht, der im Jahr 1986, als Ploss einstieg, noch zu Siemens gehörte. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends brach der Chipmarkt ein, das Unternehmen schrieb rote Zahlen. Aber Reinhard Ploss stellte schneller als seine Konkurrenz Infineons Fabriken auf Industrie 4.0 um und machte damit den Konzern zum weltweiten Vorreiter. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten hat Ploss aus seinem Studium an der TUM mitgenommen: „Es war eine Zeit, in der man lernte, sich zurechtfinden zu müssen. Diese Erfahrung, die Notwendigkeit auf die eigenen Füße zu kommen, war für mich sehr spannend.“

Dr. Reinhard Ploss und zwei Mitglieder des WARR-Hyperloop-Teams.

Erfahrungen weitergeben: Dr. Reinhard Ploss spricht mit Mitgliedern des WARR-Hyperloop-Teams der TUM auf der Infineon Innovation Week. Die Studierenden haben einen Hochgeschwindigkeitszug entwickelt, der sich mit annähernder Schallgeschwindigkeit in einer Röhre mit Teilvakuum fortbewegt (Foto: Infineon).

Prägende Lehrjahre

Schon früh im Studium fängt er an, am Lehrstuhl für Verfahrenstechnik als Assistent zu arbeiten. So kommt er zur Promotion, eine Zeit, die für Reinhard Ploss sehr prägend war: „Das waren Lehrjahre, die ich nicht missen möchte.“ Auch wenn die Promotion selbst aus fachlicher Sicht bei seinem Werdegang nur von geringem Einfluss war, hatte sie doch eine große Bedeutung für seine Karriere. „Ich habe gelernt, mir ein Themenfeld zu erarbeiten, habe Vorträge halten müssen und geübt, verständlich rüberzukommen, auch wenn es an vielen Stellen tiefer ins Technische ging“, so Ploss. „Und wenn Sie mich fragen, was eine der großen Herausforderungen in meiner Position ist: Etwas mit einfachen Worten so sagen zu können, dass alle es verstehen und sich dafür begeistern.“

Die Höhen und Tiefen des Arbeitslebens bekam Reinhard Ploss während der Promotionszeit zu spüren. Davon profitiert er heute nachweislich: „Immer wieder aufzustehen, auch wenn man mal auf die Nase gefallen ist: zu erfahren, wie man mit so einer Situation umgeht, das hilft einem später.“ Die Studienzeit sei kostbar und biete viele Freiheiten. Das gelte es zu nutzen, betont Ploss mit Blick auf die kommende Generation: „Mir ist lieber, die jungen Leute haben etwas von der Welt gesehen und gelernt, als wenn sie so durch das Studium rauschen und dann quasi nur mit der trockenen Theorie daherstauben.“