Gründer Andreas Kunze

„Im Silicon Valley betreiben sie auch keine Raketenwissenschaft“

Mit gerade einmal 23 Jahren gründete TUM Alumnus Andreas Kunze sein Start-up KONUX, das kombinierte Systeme aus Sensoren und künstlicher Intelligenz entwickelt. Die Technologie wird unter anderem bei der Deutschen Bahn eingesetzt und sorgt dafür, dass Zugfahren attraktiver wird.

Zu niemandem passt das Wort Überflieger so gut wie zu Andreas Kunze, der seit sechs Jahren Chef seines eigenen Unternehmens ist. Seither jettet er um die Welt und zwischen den Büros in München, San Francisco, Paris und Tokio hin und her. Er trifft die wichtigen Gründer des Silicon Valley ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere politische Größen. Als „Technology Pioneer“ 2018 war er auch im Januar dieses Jahres geladener Gast beim Weltwirtschaftsforum in Davos, wo führende Experten zusammenkommen, um über aktuelle globale Fragen zu diskutieren.

Einer der größten Kunden von KONUX ist die Deutsche Bahn. Das Unternehmen nutzt Sensordaten dafür, um Aussagen über den Gesundheitszustand von Anlagen im Eisenbahnbereich, wie beispielsweise einer Weiche, treffen zu können. Damit können Reparaturen besser geplant und in Zeiten mit weniger Auslastung verlegt werden. So muss im Reparaturfall nicht der gesamte Betrieb lahmgelegt werden. Europaweit machen kaputte Weichen knapp 20 Prozent aller Verspätungsminuten aus.

Große Visionen

„Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass Bahnsysteme weltweit zuverlässiger werden und damit mehr Leute und Güter dieses nachhaltige Verkehrsmittel nutzen“, sagt Andreas Kunze. „Wenn man sich anschaut, woher heutzutage die Emission kommen, merkt man schnell das der Transportsektor mit 23 Prozent einer der größten Treiber ist. Die verschiedenen Verkehrsträger tragen aber sehr unterschiedlich dazu bei. Die Eisenbahn braucht im Vergleich zum Flugzeug nur 7 Prozent der Emissionen. Wenn mehr Menschen und Güter mit der Eisenbahn fahren würden, würde das signifikant dazu beitragen, die Emission weltweit zu reduzieren“, erklärt Andreas Kunze. Der Markt ist aber sehr speziell, denn in jedem Land gibt es meist nur einen großen Bahnbetreiber. Doch Andreas Kunze und sein Team sind schon in 9 Ländern tätig davon mit sieben Kunden in Europa und drei in Asien, genauer in China, Japan und Indien, wo die drei größten Eisenbahnnetze des Kontinents betrieben werden. „Ende kommenden Jahres wollen wir übrigens in 22 Ländern aktiv sein. Das ist ein sportliches Ziel, aber wir sind sehr gut unterwegs.“

Andreas Kunze kommt aus keinem Unternehmerhaushalt. „Meine Mutter war Teilzeitbuchhalterin bei einer kleinen Münchner Firma, mein Vater ist Beamter bei der Bayerischen Versorgungskammer und studierter Jurist. Beide sind nicht die risikofreudigsten Persönlichkeiten.“ Doch er hatte – wie er sagt – viel Glück mit den Menschen, die er während seines Studiums und der Anfangsphase der Gründung kennengelernt hat. Dazu gehört auch sein persönlicher Mentor Andy von Bechtolsheim, einer der ersten Investoren in Google, der auch einige Semester an der TUM studiert hat. „Er kennt sich enorm gut aus im Silicon Valley, hat mehrfach schon selbst gegründet und am eigenen Leib erfahren, worauf es ankommt“, so Andreas Kunze.

Im Studium kennengelernt

Auch seine Mitgründer Dennis Humhal, Vlad Lata and Maximilian Hasler hat Andreas Kunze während des Studiums der Wirtschaftsinformatik an der TUM kennengelernt. In seinem vierten Semester hat er am Manage&More-Programm der UnternehmerTUM teilgenommen, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der TUM.  „Hier arbeiten Studierende mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen zusammen, und hier habe ich Dennis, meinen späteren Mitgründer, kennengelernt, der Maschinenbau studiert hat.“ Mit Maximilian und Vlad hat er gemeinsam Kurse am Center for Digital Technology and Management besucht, einer gemeinsamen Einrichtung von TUM und LMU, deren Schwerpunkt auf der Ausbildung von hochbegabten Studierenden und der Förderung von Unternehmertum liegt.

Investorensuche im Silicon Valley

Nachdem er den Bachelor in Wirtschaftsinformatik in der Tasche hatte, begann Andreas Kunze das Masterstudium an der TUM und schon kurz darauf kam den jungen Männern die Idee für ihr Unternehmen. „Also besuchte ich im zweiten Mastersemester die Businessplan-Seminare an der TUM, um das Ganze vom Kopf aufs Papier zu bringen. Im dritten Semester wäre die Masterarbeit dran gewesen. Die wollte ich in Stanford schreiben. Ich hatte ein Stipendium für ein Research Scholarship.“

In den USA entwickelte sich aber dann alles etwas anders als geplant. Statt konzentriert zu studieren, machte sich Andreas Kunze in den USA auf Investorensuche begeben und traf viele CEOs, die es im Silicon Valley zu etwas gebracht hatten: „Die meisten waren erst um die 30 Jahre alt und die Technologien, die sie entwickelt hatten, waren zwar gut, aber auch keine Raketenwissenschaft. Da dachte ich mir: Das kann ich auch.“

Ökosystem für Gründer

Heute leitet Andreas Kunze ein Unternehmen mit über 90 Mitarbeitern. Als eines der Ziele für die kommenden Jahre peilen die jungen Gründer den Börsengang in den USA an. „Bestenfalls haben wir dann schon mehrere hundert Mitarbeiter, die an unserem Unternehmen beteiligt sind und durch den Börsengang überproportional viel Geld bekommen – das sie dann neu gründen oder investieren“, sagt Andreas Kunze. „Dann haben wir irgendwann in München Deutschlands größtes Ökosystem für Gründer – und nicht in Berlin.“