Forscherinnen Yasmine und Heba Aguib

„Die gemeinsame Zeit an der TUM hat uns stark gemacht“

Von den beiden TUM Alumni Yasmine und Heba Aguib kann man viele Geschichten erzählen: Wie Interdisziplinarität funktioniert, aber auch wie man kulturellen Austausch lebt und ihn gewinnbringend in internationalen Forschungsprojekten einsetzt.

Schon seit jeher verstehen sich Dr. Yasmine und Dr. Heba Aguib als Botschafter zwischen den Kulturen: Geboren in Deutschland und dann mit fünf Jahren mit den Eltern zurück in deren Heimatland Ägypten, ist Dr. Yasmine Aguib auf die Deutsche Schule der Borromäerinnen in Kairo gegangen und dann mit einem Stipendium zum Studium nach Deutschland an die TUM. Ihre Schwester, Dr. Heba Aguib, folgte ein Jahr später nach München. Von daher sei das „Brücken bauen zwischen Deutschland und Ägypten“ immer ein Thema gewesen für die beiden, erzählt Yasmine Aguib beim Gespräch in München. Auch heute noch pendeln beide Schwestern immer noch zwischen den verschiedenen Ländern hin und her.

Gemeinsam stark

Yasmine Aguib hat Molekulare Biotechnologie studiert, Heba Aguib ist Maschinenbauingenieurin. Beide haben an der TUM promoviert und sind im Anschluss daran ins Wissenschaftmanagement gegangen. Mit den beruflichen Erfahrungen im Laufe der Jahre haben sie beschlossen, dass ihre Expertise wunderbar zusammen passt: Gemeinsam arbeiten sie im Bereich der translationalen kardiovaskulären Forschung, und haben im Süden von Ägypten ein Forschungszentrum an der dortigen Herzklinik aufgebaut, um an präzisionsmedizinischen Lösungen für Patienten in Ägypten, Afrika und überall auf der Welt zu forschen. „Unsere Referenzzeit ist die gemeinsame Zeit an der TUM“, sagt Aguib. Ihre gemeinsame Erfahrung im Auslandsstudium habe die beiden stark gemacht und ihnen gezeigt, was sie alles schaffen können.

Das Grundstudium an der TUM war eine harte Schule.

Der Beginn in München sei aber nicht leicht gewesen: „An der Schule gehörten wir immer zu den Besten; in München waren viele Prüfungen eine Herausforderung. Das war eine harte Schule“, erzählt Aguib. Das Grundstudium sei eine große Herausforderung gewesen. „Obwohl wir auf einer deutschen Schule im Ausland waren, haben wir schnell festgestellt, dass Takt und Inhalt an der TUM extreme Leistung erfordert. Das Studium und die praktische Erfahrung in Labor, Werkstatt und mit Industriepartner prägen uns bis jetzt in unserem Arbeitsstil.“

Yasmine Aguib in der Herzklinik in Assuan in Ägypten

Gemeinsam bauen die beiden Schwestern ein Forschungszentrum an der Herzklinik in Assuan im Süden von Ägypten auf (Foto: privat).

Die beiden Schwestern haben viel aus ihrem Studium und der Promotion mitgenommen, davon sind sie überzeugt: Nicht nur die Inhalte, sondern vor allem „das systematische Vorgehen, das fächerübergreifende Denken und die offenen, kritischen, konkreten Diskussionen“, sagen beide: „Nur mit lösungsorientierten Ansätzen und pragmatischer Einstellung können Innovation und Fortschritt realisiert werden.“

Interkulturelle Arbeit und soziale Verantwortung

Diese Erfahrungen würden ihnen heute bei ihren internationalen Tätigkeiten sehr helfen, so Aguib. Weil sie verstünden, dass andere Kulturen anders ticken können und dass es wichtig ist, bei internationalen Projekten den Menschen mit einzubeziehen. Für den Aufbau des Forschungszentrums waren sie deshalb gut vorbereitet, weil dort ihre bisherige Erfahrung in Forschung und strategischem Management genau diese Eigenschaft des Brückenbauens gefragt sei: „Wir waren schon längst dafür bereit, merkten wir und dachten, wenn wir das nicht machen, wer dann? Wir haben hier eine Verantwortung gespürt.“

Beide empfinden ihre Arbeit als Verantwortung – ihrem Land, aber auch der Sache gegenüber. Und sie wollen Spuren hinterlassen. „Unser Traum ist es, einen spürbaren impact zu haben“, verrät Aguib. Sie wollen internationale Spitzenforschung, Entwicklung und Innovationen für unterprivilegierte Gesellschaften zugänglich machen. Aber eigentlich tun die beiden das ja schon ganz konkret für die Herzklinik in Assuan.