TUM Forscher-Alumna Yana Bromberg

„Ich will durch Bioinformatik Krankheiten heilen“

Über ihr Leben könnte man einen Film machen: In der Ukraine geboren und in Brooklyn aufgewachsen, hat sich Yana Bromberg hochgearbeitet und ist heute eine weltweit erfolgreiche Professorin. Auch an der TUM ist sie fest verwurzelt.

Eigentlich wollte Yana Bromberg Ärztin werden. Ihre Urgroßmutter, die Ärztin war, wurde im Krieg getötet. Es war deren Tochter, also die Oma von Yana Bromberg, die sie ermutigte, Ärztin zu werden. Ihre Karriere plante Yana Bromberg früh: Als sie sich auf der High School ein Hauptfach aussuchen musste, entschied sie sich für vorklinische Biologie. Mit ihrem Abschluss bewarb sich an den berühmten, großen US-amerikanischen Universitäten und wäre fast überall angenommen worden, aber das Einkommen ihrer Eltern reichte nicht für die Ausbildung an einer privaten Universität: „Wir konnten uns das Studium an diesen Einrichtungen nicht leisten.“

Wie der American Dream

Yana Bromberg, geboren in der Ukraine, war im Alter von elf Jahren mit ihren Eltern mit der letzten sowjetischen Flüchtlingswelle 1992 in die USA gekommen und in Brooklyn aufgewachsen. „Als Einwandererkind war es am Anfang natürlich hart“, erzählt sie. „Die Sprache habe ich schnell gelernt. Ich war noch in einem Alter, in dem man Sprachen schnell annimmt. Aber ich habe meine Freunde in Odessa sehr vermisst.“ High School in Brooklyn, College auf Long Island, die Grad School in Manhattan. Sie wurde zu einer typischen New Yorkerin, wie sie sagt. Heute ist sie Professorin und Wissenschaftlerin der Bioinformatik, und ein bisschen fühle sich ihre Karriere an wie der American Dream.

Dass sie nicht in Harvard oder Yale studieren konnte, war für sie eine Ernüchterung. „Es war eine sehr schwierige und emotionale Zeit“, erzählt sie. „Die einzige Lösung, die ich sah: Ich ging zunächst an die Stony Brook University, um dort Biologie als Vorbereitung für Medizin zu studieren.“ Eine staatliche Universität mit gutem Ruf, noch dazu in der Nähe gelegen, und die Hälfte ihrer ehemaligen Klassenkameraden ging dort ebenfalls hin. Alle anderen belegten – wie schon auf der High School – Informatik, Yana Bromberg schrieb sich als einzige in Biologie ein.

Ich möchte nicht mehr Medizin studieren, sondern Krankheiten durch Biologie und Informatik heilen.

Gerade aber der Kontakt zu Studierenden der Informatik machte sie neugierig auf das Fach: „In einer College-Partynacht unterhielt ich mich mit einem Freund, der Informatik studierte. Er provozierte mich und behauptete, ich hätte keine Ahnung, was es heißt, richtig hart zu arbeiten, und dass Biologen ein lockeres Wissenschaftlerleben hätten“, erinnert sie sich. „Das weckte meine Neugier und meinen Ehrgeiz, und ich belegte daraufhin meinen ersten Informatikkurs.“ Und so begann sie neben der Biologie auch Informatik zu studieren. Im dritten Studienjahr stand ihr Entschluss fest: „Ich möchte eigentlich gar keine Medizin mehr studieren, sondern durch Biologie und Informatik Krankheiten heilen.“

München als Basis in Europa

Heute ist sie eine international renommierte Forscherin, die sich große Ziele steckt: „Ich will den Ursprung des Lebens finden, das Mikrobiom-Problem lösen und Diabetes heilen“, sagt sie, ohne mit der Wimper zu zucken. Ihre Doktorarbeit schrieb sie über die Vorhersageeffekte von Genom-Varianten an der Columbia University, Doktorvater war Burkhard Rost, der heute an der TUM den Lehrstuhl für Bioinformatik innehat. „Zurückblickend war das das Beste, was mir damals passieren konnte“, sagt sie.

Die beiden haben auch nach der Promotion Kontakt gehalten, 2009 kam Yana Bromberg das erste Mal an die TUM. 2013 erhielt sie auf Empfehlung von Burkhard Rost von der TUM eine Hans-Fischer-Fellowship und forschte vier Jahre lang immer wieder in Garching. Während dieser Zeit sind die meisten ihrer heutigen Kollaborationen entstanden, und sie fühlt sich der TUM auch heute noch stark verbunden: „München ist meine Basis in Europa“.

Lesen Sie das Interview mit Prof. Dr. Yana Bromberg im Alumni-Magazin KontakTUM 2019/1