TUM Emeritus of Excellence Wolfgang Domcke

„Wissenschaft und Sport bestimmen mein Leben“

Weder auf dem Gebiet der Physik und Chemie noch auf dem des Sports ist TUM Alumnus Wolfgang Domcke ein Ziel zu anspruchsvoll. Auch als Emeritus betreibt er an der TUM nach wie vor Pionierforschung, wenn er nicht gerade mit seinem Mountainbike unterwegs ist.

Schon als Kind war Wolfgang Domcke naturwissenschaftlich interessiert, las viel und führte unter nachsichtiger Duldung im elterlichen Keller Chemieexperimente durch. „Recht früh hatte ich bereits Sprengstoff hergestellt, um zu sehen, was passiert“, so erinnert sich der gebürtige Münchner schmunzelnd. Als er sich nach dem Abitur für ein Studienfach entscheiden musste, war es die Physik. „Chemie war mir zu einfach. Und an der TUM wurde zu jener Zeit gerade das Physik-Department durch Nobelpreisträger Rudolf Mößbauer gegründet. Das reizte mich natürlich.“

Wissenschaft als Sport

Insbesondere durch die klar strukturierten Vorlesungen seiner beiden großen akademischen Lehrer und Vorbilder, dem späteren TUM-Präsidenten Wolfgang Wild und seinem späteren Doktorvater Wolfgang Brenig, wird Wolfgang Domcke in seinem Verlangen, grundlegende theoretische Zusammenhänge verstehen zu wollen, nachhaltig bestärkt. „Ich wollte verstehen, wie Natur funktioniert“, so erinnert sich der passionierte Theoretiker rückblickend. 1972 schloss er sein Studium mit einer Diplomarbeit auf dem Gebiet der Theoretischen Kernphysik ab, drei Jahre später die Promotion über Fragestellungen aus der Festkörper- und Molekülphysik. An die höchst kompetitive Atmosphäre während seiner Studienzeit kann sich Wolfgang Domcke noch heute gut erinnern: „Ich habe mich dabei durchaus wohl gefühlt, da ich das leistungsorientierte Studium als Sport betrachtet habe.“

Wissenschaft und Bergsteigen sind Sportarten, die man ernst nehmen muss.

Nachdem er ein Jahr wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TUM war, wechselte Wolfgang Domcke als wissenschaftlicher Assistent an die Universität Freiburg, an der er 1979 in Theoretischer Physik habilitierte. Nach einem DFG-Forschungsstipendiat am renommierten Caltech, dem California Institute of Technology in Pasadena, lehrte und forschte Wolfgang Domcke in Heidelberg und Düsseldorf. 1999 erfolgte schließlich der Ruf auf den Lehrstuhl für Theoretische Chemie an die TUM, an der er bereits zuvor zehn Jahre lang als Extraordinarius der Physikalischen und Theoretischen Chemie Bahnbrechendes geleistet hatte. Mit seinen Arbeiten zur theoretischen Beschreibung der Dynamik ultraschneller photoinduzierter Prozesse in mehratomigen Molekülen wurde er an der TUM zu einem der Pioniere der damals gerade aufkommenden Femtochemie und trug entscheidend zu einem Paradigmenwechsel in diesem Forschungsfeld an der Grenze zwischen Theoretischer Physik und Chemie bei.

Sport als Ausgleich zur Wissenschaft

Neben der Wissenschaft hatte für Wolfgang Domcke immer auch der Bergsport einen hohen Stellenwert. Gerade während seiner langen Zeit an der TUM vermittelte Wolfgang Domcke seinen internationalen Studierenden, Post-docs und Gastwissenschaftlern nicht nur Theoretische Physik und Chemie, sondern als TUM-diplomierter Bergführer auch seine Leidenschaft für das Bergsteigen. Regelmäßig nahm er seine Arbeitsgruppen mit in die bayerischen Alpen – auch wenn dem anspruchsvolle Touren gewohnten Extrembergsteiger nicht immer alle Mitglieder auf den Gipfel folgen konnten.

Seit 2013 ist Wolfgang Domcke emeritiert. Außer dass neben dem Bergsteigen nun auch noch Mountainbiking als sportlicher Ausgleich zur Wissenschaft hinzugekommen ist, hat sich allerdings kaum etwas geändert. Nach wie vor widmet er sich Vollzeit mit seiner Arbeitsgruppe in Garching den beiden wesentlichen Fragestellungen, denen er mit ungebrochenem Interesse treu geblieben ist: dem Verständnis ultraschneller Prozesse in der Chemie und dem hoch aktuellen Thema molekularer Wasserspaltung durch Sonnenlicht zur Entwicklung Erneuerbarer Energie. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich die Chance habe, als Theoretiker nach wie vor an der TUM zu forschen und auch als Gutachter, etwa für das Post-doc Programm der TUM tätig zu sein. Ich finde es gut, dass die TUM Emeriti of Excellence dazu ermutigt, ihre Arbeitskraft weiterhin zur Verfügung zu stellen und damit den jungen Kolleginnen und Kollegen Impulse zu geben und sie zu entlasten.“