Mentoring-Tandem Heinz Voggenreiter und Tim Wittmann

„Diese Erfahrungen kann man sich nicht anlesen“

Von seinem Mentor und TUM Alumnus Heinz Voggenreiter erwartete sich TUM Student Tim Wittmann Tipps für Bewerbungsgespräche und Motivationsschreiben. Doch dann konnten beide miteinander grundlegende Lebensfragen klären und wurden Freunde.

Tim Wittmann absolvierte 2015 seinen Bachelor in Luft- und Raumfahrt an der TUM. Nach einem Praktikum bei einem US-amerikanischen Softwarekonzern sollte es mit dem Masterstudiengang weitergehen. Der gebürtige Allgäuer fasste zu diesem Zeitpunkt den Entschluss, sich fortan sehr zielgerichtet auf die Karriere zu konzentrieren. Kommilitonen empfahlen ihm das einjährige Programm TUM Mentoring von Alumni für Studierende. Tim Wittmann erhoffte sich Tipps für Bewerbungsgespräche, Motivationsschreiben und adäquate Kleiderordnung.

Ein Experte in Luft- und Raumfahrt

Nach drei Monaten erhielt Tim Wittmann die Nachricht, dass auf seine Bewerbung hin ein passender Mentor gefunden wurde. Er nahm Kontakt auf und durfte feststellen, dass sich mit Professor Heinz Voggenreiter fortan ein Experte für Luft- und Raumfahrt seiner annahm. Dieser war nach dem Studium des Maschinenbaus mit Schwerpunkt Luft- und Raumfahrttechnik und Werkstoffwissenschaften an der TUM noch zwei Jahre als wissenschaftlicher Assistent an seiner Alma Mater geblieben. 1996 promovierte Heinz Voggenreiter und besetzte daraufhin für vierzehn Jahre bei weltweit agierenden Spitzenkonzernen Posten als Entwicklungsingenieur und im Management. Seit 2005 hat er an der Universität Stuttgart eine Professur für Leichtbauweisen in der Luftfahrt inne.

Schnell wurde Tim Wittmann klar, dass sich der Austausch weit jenseits von Fragen nach dem richtigen Anzug im Bewerbungsgespräch abspielen würde. „Die Fragen, die mir Heinz Voggenreiter gestellt hat, hatte ich mir selbst noch nie zuvor so tiefgründig und präzise gestellt.“ Durch die oft dreistündigen Gespräche mit seinem Mentor lernte Tim Wittmann, wie wichtig neben fachlicher Kompetenz und beruflichem Erfolg die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit ist. Er fand zu seiner fachlichen Ausrichtung, entschied sich für ein Auslandssemester in Moskau, und schließlich für eine Karriere im Hochschulbereich. „Heinz Voggenreiter hat mir Hilfe zur Selbsthilfe gegeben. Alle Entscheidungen habe ich natürlich selbst getroffen, aber durch die Gespräche konnte ich sie deutlich bewusster treffen.“

Mentoring seit mehr als einem Jahr

Seine langjährigen beruflichen und gerade auch menschlichen Erfahrungen gibt Heinz Voggenreiter seit Jahren an junge Menschen im Programm TUM Mentoring von Alumni für Studierende weiter. „Ich selbst hatte keinen Mentor per definitionem“, so Heinz Voggenreiter, „aber in meinen ersten Berufsjahren hatte ich einen sehr guten Chef, der mich mit der richtigen Mischung aus Freiheit und der Übertragung von Verantwortung in meiner Entwicklung geprägt hat.“ Die Denkanstöße, die er heute jungen Mentees gäbe, würden diesen dabei helfen, schnell und stringent ihre Persönlichkeit, Berufsziele und Lebensmodelle zu entwickeln, die sie glücklich und zufrieden machen. „Das ist mein oberstes Ziel“, so Heinz Voggenreiter.

Eigentlich wäre das offizielle Mentoring-Jahr der beiden bereits vor über einem Jahr abgeschlossen gewesen. Doch nach wie vor telefonieren und treffen sie sich noch regelmäßig. „Wenn ich eine dringende Frage habe, bekomme ich immer zügig Rat von Heinz Voggenreiter“, sagt Tim Wittmann. Die beiden Ingenieure haben sich mittlerweile so gut kennengelernt, dass sie sich duzen und nicht mehr nur über Berufliches, sondern auch über Privates und grundlegende Lebensfragen austauschen. „Diese Erfahrungen kann man sich nicht anlesen“, sagt Tim Wittmann. „Meine Erwartungen an das Mentoring Programm wurden weit übertroffen.“

Wechselseitiger Profit

Auch wenn Tim Wittmann bescheiden bezweifelt, dass sein Mentor auch von ihm etwas lernen kann, betont Heinz Voggenreiter gerade den wechselseitigen Lernerfolg. Insbesondere durch die Mentorentätigkeit lerne er die Mentalität der Jugend, die Kultur der Jugend zu verstehen und könne so wiederum seinen Umgang mit jungen Menschen entsprechend anpassen. „Das Beste, was mir passieren kann, ist, junge Menschen zu verstehen und sie auf ihrer Suche nach Glück und Zufriedenheit zu begleiten“, so Heinz Voggenreiter. „Tim Wittmann hat seinen Weg gefunden. Das ist für mich als Mentor sehr befriedigend.“