TUM Emeritus of Excellence Winfried Petry

„Ich bin jetzt Di-Mi-Do Professor“

Wer an Neutronen denkt, kommt an einem Namen nicht vorbei: Winfried Petry. Im Oktober 2018 wurde der Alumnus und emeritierte Professor zum TUM Emeritus of Excellence ernannt, eine Auszeichnung, die sein Lebenswerk an der TUM ehrt.

23 Jahre ist es her, seitdem TUM Alumnus Winfried Petry begann, sich um den Forschungsreaktor an der TUM als Direktor zu kümmern. Spätestens seit der Eröffnung des Forschungsreaktors II (FRM II), der einzigen Hochflussneutronenquelle in Deutschland, wurde er auch in der Öffentlichkeit bekannt. Denn „so mancher in der deutschen Presse liebt es, sich am Wort „Kern“-technik zu reiben. Es hat mir immer Spaß gemacht, das Schmirgelpapier für dieses Bedürfnis der Reibung zu sein“, sagt er. In den Medien erklärte er die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten und wurde nicht müde, den großen gesellschaftlichen Nutzen der Forschung mit Neutronen für nachhaltige Energieversorgung, zukünftige Informationsspeichermaterialien oder völlig neue Anwendungen in der Nuklearmedizin, aufzuzeigen. Es erfülle ihn heute mit Stolz, erreicht zu haben, dass mittlerweile selbst im kritischen Umfeld der „Grünen“ Zweck und Nutzen der Neutronenquelle nicht mehr angezweifelt werden.

 

FRM II – Magnet für Spitzenforscher und Gäste

Noch während der Bauphase initiierte Winfried Petry Führungen für interessierte Besucher. Mittlerweile sind es rund 3.500 Personen jährlich, die sich die Funktion des FRM II erklären lassen. Die Öffnung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt stand für ihn auch von Anfang an fest. Er ist davon überzeugt: „Eine Hochflussneutronenquelle muss die attraktivste Wissenschaft anziehen, denn Exzellenz in der Wissenschaft lebt vom Wettbewerb. Dieser ist nicht nur Konkurrenz, sondern auch Zusammenarbeit und gegenseitige Stimulation.“

Exzellenz in der Wissenschaft lebt vom Wettbewerb.

Für Winfried Petry waren die Realisierung der Neutronenquelle und deren Leitung eine Zeit größter Freude. „Ich habe die Freiheit genossen, die wissenschaftliche Nutzung einer Großforschungseinrichtung gestalten zu dürfen.“ Seine Mitarbeitenden und er haben in den vielen Jahren etwas Herausragendes in Europa geschaffen. Er erinnert sich noch sehr gut an die Einweihung am 9. Juni 2004 mit vielen Ehrengästen. Darunter auch Karin Stoiber. „Frau Stoiber war enorm interessiert an allem. Im Inneren des FRM II gibt es Wege auf Gitterrosten, die tödlich für ihre Absätze gewesen wären. Ohne mit der Wimper zu zucken, zog sie ihre Schuhe aus und folgte in Nylonstrümpfen meiner Führung durch die Experimentierhalle.“

 

Work Life Balance als Emeritus

Auf die Frage, ob er nach der langen Dienstzeit seinen alten Job nicht vermisse, antwortet er fast schon erwartungsgemäß: „Ein bisschen ja, aber ich halte mich wirklich zurück.“ Er freue sich genauso über die neugewonnene freie Zeit. Vier Wochentage gehören inzwischen seiner Familie – ganz besonders seinen vier Enkelkindern.

So ganz kann und will er aber doch nicht loslassen. Er sei jetzt ein „Di-Mi-Do-Professor“, ein Professor, der nur dienstags, mittwochs und donnerstags am Institutsort erscheint, schmunzelt er, „Eigentlich ist das etwas negativ behaftet. Aber ich hoffe, nicht bei mir. Als Emeritus erfreue ich mich der neuen Freiheit, nur drei Tage am FRM II zu sein. Für meine noch neun Doktoranden habe ich aber trotzdem deutlich mehr Zeit.“