Architekt Werner Grützner

„Verantwortliches Dienen war der Schlüssel zum Erfolg“

TUM Alumnus Werner Grützner blickt auf ein erfolgreiches Berufsleben als Architekt zurück. Grundlage für diesen Erfolg bildete sein Studium an der TUM. Einen Teil seiner Studienunterlagen vermachte er kürzlich als Vorlass dem TUM.Archiv.

Architekt Werner Grützner kann auf ein halbes Jahrhundert Planen, Bauen und Beraten zurückblicken. Zu seiner bemerkenswerten Erfolgsbilanz trug vor allem seine Gewissenhaftigkeit bei der Projektvorbereitung, aber auch im Nachgang der Projekte bei der Dokumentation bei. Seine Studienunterlagen vermachte er erst kürzlich als Vorlass dem TUM.Archiv. Über 60 Pläne mit Zeichnungen zeugen nun neben anderen Dokumenten von der ersten Station seines erfolgreichen Lebens als Architekt. „Meine Karriere als Architekt hatte ich nicht geplant“, sagt Werner Grützner. „Aber bei meinem Studium an der TUM wurde mir bewusst, wie viel Freude mir das Metier bereitet.“

Garant guten Gelingens

Großen Wert legt Werner Grützner darauf, hervorzuheben, dass er nie der alleinige Verantwortliche war, der die vielen internationalen Projekte zum Erfolg führte. Stets betont er, dass er nur einer unter vielen Architekten war, ein Rädchen in einem großen Getriebe von dutzenden, oftmals hunderten Teammitgliedern aus unterschiedlichen Bereichen. „Zum Erfolg trugen immer Teamwork und interdisziplinäres Denken bei“, sagt er. „Verantwortliches Dienen war nicht irgendeine Philosophie, sondern der Schlüssel zum Erfolg.“

Technologien und Arbeitsweisen ändern sich. Die Denkart dahinter nicht.

Nach zwei Stationen in kleineren Architekturbüros trat Werner Grützner 1972 bei Siemens seine Stelle als Architekt in der Zentralen Abteilung für Bauten und Anlagen an. Fast ein Vierteljahrhundert blieb er dem Konzern treu. Teamwork und interdisziplinäres Arbeiten wurden dort schon in den frühen 1970er Jahren groß geschrieben. Bei all seinen Projekten arbeitete Werner Grützner stets mit sämtlichen für das jeweilige Projekt erforderlichen Fachbereichen eng zusammen, bei Technikfragen etwa mit TUM Alumnus Camile Zaouchi (Diplom Verfahrenstechnik 1983).

Alle Fragen und Eventualitäten wurden in regem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen bereits in der kritischen Vorbereitungsphase der Projekte abgeklärt. Systematisches Hinterfragen, sorgfältige Risikoanalysen und Machbarkeitsstudien waren an der Tagesordnung und trugen dazu bei, die Budgetvorgaben einzuhalten. „Das wirtschaftliche Arbeiten für das eigene Haus war ein ganz spezielles Highlight“, erinnert sich Werner Grützner. „Keines unserer Projekte hat sein Ziel verfehlt.“

Wertvolles Erbe

Auch nach seinem Ausscheiden bei Siemens war es Werner Grützners Anliegen, seine dort gewonnenen Erkenntnisse zu bewahren und weiterzugeben. Als selbstständiger Berater und Projektmanager teilte er zehn Jahre lang sein spezielles Wissen um die heiße Phase der Projektplanung in Seminaren. Bis nach Ulan Bator in die Mongolei führte ihn seine Mission. Aber auch in München und Niederbayern legte er Interessierten die Vorteile einer intensiven Projektvorbereitung ans Herz. Jahrelang war seine Expertise als Trainer und Juror beim Internationalen Project Management Award der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement und beim Münchner Businessplanwettbewerb gefragt.

Eigentlich könnte Werner Grützner auf seinem schönen Bauernhof im Niederbayerischen Rottal-Inn-Kreis die Aussicht und den Ruhestand genießen. Der ehemals ruinöse Bauernhof stellte mit vierzig Jahren Bauzeit sein längstes und arbeitsreichstes privates Projekt dar. Doch noch heute möchte der über 80-Jährige seine wertvollen Erfahrungen weitergeben. „Es hat sich so viel Fachwissen angehäuft, dass ich hoffe, das eine oder andere noch weitergeben oder festhalten zu können“, sagt er. „Technologien und Arbeitsweisen ändern sich. Aber die Denkart dahinter ist heute genauso aktuell und nötig wie damals.“