TUM Emeritus of Excellence Udo Lindemann

„Entscheiden lernt man in der Industrie“

Nach seiner Promotion an der TUM war Udo Lindemann in leitenden Funktionen in der Industrie tätig. An die Uni zurückgehen? Nur für den richtigen Lehrstuhl. Dann kam das Angebot von der TUM.

Schon in der Schule waren Udo Lindemanns Lieblingsfächer Mathe und die Naturwissenschaften. In seiner Zeit bei der Bundeswehr kam dann die Faszination für Technik hinzu. „Es reizte mich, dass ich mehr von Technik verstand, als einige meiner Ausbilder.“ Das Studium des Maschinenbaus an der Universität Hannover lag für den jungen Ostwestfalen also auf der Hand. Als Klaus Ehrlenspiel, sein Doktorvater an der Universität Hannover, dem Ruf als Lehrstuhlleiter für Konstruktionstechnik an die TUM folgt, geht er mit ihm. „Ehrenspiel hatte mir immer wertvolle Impulse gegeben“, so Udo Lindemann zu seiner Entscheidung.

Von der Uni in die Industrie

Nach der Promotion im Bereich Konstruktionstechnik an der TUM zieht es ihn dann zunächst in die Industrie. Fünfzehn Jahre lang war er in leitenden Funktionen bei Renk und MAN tätig und verlor gleichwohl seine „Langzeitvision Universität“ nicht aus den Augen. Allerdings mussten es „die richtige Uni und der richtige Lehrstuhl“ sein, sollte er seine spannenden Industrieprojekte durch Forschung und Lehre ersetzen. Als ihn Joachim Milberg, damaliger Ordinarius an der Fakultät für Maschinenwesen der TUM zur Bewerbung als Nachfolger seines Doktorvaters auffordert, zögert Lindemann nicht – „Entscheiden lernt man in der Industrie“ – und tritt zeitgleich mit dem neuen Präsidenten Wolfgang A. Herrmann seinen Dienst an der TUM an.

Die Leute wollen interdisziplinär und höchst agil arbeiten, man muss sie nur lassen.

Seine nunmehr über zwanzig Jahre währende Zeit an Bayerns einziger technischer Universität nennt Udo Lindemann eine „riesige Chance“. So konnte er die Tätigkeitsfelder des Lehrstuhls in den äußerst wichtigen Bereichen der Innovations-, Änderungs- und agilen Prozesse erweitern und vertiefen, die ihm durch seine Industrietätigkeit vertraut waren. Er konnte sich an der TUM aber auch dort engagieren, wo sein größtes Interesse lag: bei den Ingenieuren und ihrer Aus- und Weiterbildung jenseits rein fachlicher Kompetenzen in den so genannten Soft Skills. „Die Leute wollen interdisziplinär und höchst agil arbeiten, man muss sie nur lassen“, so Lindemann.

Schlüsselkompetenzen lehren

„Ich selbst hätte früher eine solche Ausbildung gut gebrauchen können und so habe ich gemeinsam mit Kollegen an der Fakultät für Maschinenwesen die Basis für das spätere Zentrum für Schlüsselkompetenzen (ZSK) ins Leben gerufen und über fünfzehn Jahre lang betreut.“ Die Ausbildung der Persönlichkeitsentwicklung in überfachlichen Kompetenzen sei heutzutage kaum hoch genug zu bewerten, so Lindemann, betrachte man die wachsende Kooperationsnotwendigkeit zwischen Fachkräften und Abteilungen in den Unternehmen. Die Fähigkeit zum gemeinsamen Arbeiten sei hier der Dreh- und Angelpunkt nicht zuletzt für Innovation.

Schon bei Renk und MAN hatten die jungen Entwicklungsteams unter der Ägide von Udo Lindemann von dessen regelmäßig durchgeführten Teambuilding-Maßnahmen profitiert und konnten ihr Können über Abteilungsgrenzen hinweg effizienter bündeln als in so manchem anderen Großkonzern. An der TUM sieht Lindemann derlei zukunftsweisende Arbeitsweisen insbesondere beim Praxiskurs THINK.MAKE.START. wie auch den Vorläuferveranstaltungen verwirklicht. Binnen zweier Wochen müssen die teilnehmenden Masterstudierenden dort in Teamarbeit innovative Produkte entwickeln, die im besten Fall über eigens gegründete Start-ups sofort vermarktet werden können. „Über mehrere Jahre habe ich Studierende als Gründungsbotschafter begleitet, und es macht richtig Spaß, weil hier immer was dabei herauskommt.“

Noch immer aktiv an der TUM

Seit 2016 ist Udo Lindemann nun emeritiert und genießt seine neuen Freiräume bei Städtereisen und Bergwanderungen mit seiner Frau. Gleichwohl freut er sich, dass der Übergang in den Ruhestand nicht allzu abrupt vonstatten geht. Noch immer betreut er Doktoranden, ist in einem Sonderforschungsbereich und einigen Drittmittelprojekten verankert und ist vor allem gerne bei den Treffen und interdisziplinären Tagungen der Emeriti of Excellence der TUM dabei. „Das ist immer eine tolle Horizonterweiterung.“