Pianistin und Ingenieurin Sylvia Dankesreiter

„Ich genieße den Auftritt mit großem Orchester“

Vormittags Ingenieurin, nachmittags Familie, abends Konzertauftritt. TUM Alumna Sylvia Dankesreiter ist seit Kindestagen begeisterte Musikerin und doch entschied sie sich als junge Klaviervirtuosin für ein Studium an der TUM.

1995: Sylvia Dankesreiter setzt sich an den Flügel und beginnt Bartók zu spielen. Es wird mucksmäuschenstill im Saal. Ihre Eltern im Publikum fiebern mit und drücken feste die Daumen. Wenige Minuten später gibt die Jury bekannt: „1. Preis Sylvia Dankesreiter“. Zum siebten Mal hat sie bei „Jugend musiziert“ gewonnen. Die musikalische Karriere scheint eigentlich vorgezeichnet.

Dennoch, wenn man sich mit Sylvia Dankesreiter unterhält, wird schnell deutlich, ein ganz anderer Wettbewerb hat sie mindestens genauso maßgeblich geprägt: Der Bundeswettbewerb Mathematik, bei dem sie – anders als bei den „Jugend musiziert“ Wettbewerben – nur einmal teilnahm, aber direkt den dritten Preis gewann. Sie erinnert sich: „Ich habe einfach so gewonnen, ohne etwas ganz Ausgefallenes geleistet zu haben.“

Das sachlich objektive Bewertungsverfahren imponierte der Schülerin damals, und wenn sie heute daran denkt, ist sie sich sicher: „Dieses Erlebnis hat dazu beigetragen, eine technische Studienrichtung zu wählen: ein Studium, bei dem in Prüfungen die erreichten Punkte einfach zusammengezählt werden.“ Der Weg an die TUM war damit geebnet. Eine andere Universität kam auch gar nicht in Frage für die gebürtige Münchnerin. Bereits ihr Vater hatte sein Diplom an der TUM erhalten, und auch ihr Bruder sein Mathematikstudium an der TUM begonnen. Das Interesse an Zahlen und Funktionen liegt offensichtlich in der Familie.

Musik und Technik

Die Musik wollte Sylvia Dankesreiter aber auf keinen Fall aufgeben. So bewarb sie sich drei Jahre später zusätzlich an der Hochschule für Musik und Theater in München und wurde angenommen. Dort musste sie es sich allerdings erst einmal genehmigen lassen, dass sie parallel an der TUM weiter studierte und sich somit nicht ausschließlich auf die Musik konzentrierte.

An der TUM war man immer schon offen für alles, auch für Musik. Das war für mich ein großer Glücksfall und hat mich früh begeistert. 

Ab diesem Zeitpunkt fuhr sie zweigleisig. Ingenieurin und Pianistin. Ein Duett, das ihr bis heute gelingt. Vormittags ist ihre Expertise als Diplomingenieurin bei einem Hersteller für elektrische Bootsantriebe gefragt, die übrigen Stunden gehören der Familie und dem Klavier, an dem sie altes Repertoire übt und neue Stücke  erarbeitet. „In die Vorbereitung eines Konzertes muss ich schon viel Zeit investieren“, sagt sie. Aber sie sei auch dankbar, dass sie den Druck nicht habe, von der Musik leben zu müssen.

Lampenfieber und die große Bühne

Unzählige Preise und Auszeichnungen – national wie international – hat Sylvia Dankesreiter in den letzten Jahren erhalten. Vor allem ihre Chopin-Interpretationen führten zu großer Anerkennung und einer speziellen Ehrung durch den polnischen Kulturminister. Im Pianistenclub München ist sie stolzes Mitglied und mittlerweile auch Vorstandsmitglied. Sie gesteht: „Es war gar nicht so einfach, dort aufgenommen zu werden.“

Aufregung vor Auftritten? Das kennt Sylvia Dankesreiter immer noch trotz ihrer langen Bühnenerfahrung und einem Job, in dem sie oft vor versammelter Mannschaft präsentiert. Wieso ist das so? „Ein Konzert ist für mich schwieriger als ein Vortrag oder eine Präsentation, weil von uns Pianisten immer erwartet wird, dass wir auswendig spielen.“

Verbunden mit der TUM

Ob auswendig oder nicht. Ein Glücksfall ist Sylvia Dankesreiter für die TUM-Familie in jedem Fall. Es ist nicht nur die Elektrotechnik, sondern auch die Musik, die sie regelmäßig an die TUM zurück bringt. So tritt sie immer wieder als Solistin bei den TUM-Adventskonzerten auf. „Diese Konzerte sind herrlich. Tolle Kolleginnen und Kollegen und der feierliche Rahmen sorgen für eine wunderbare Stimmung.“

Selbstverständlich lässt sie es sich deshalb auch im Jubiläumsjahr nicht nehmen, ihre Zuhörerinnen und Zuhörer in der Adventszeit musikalisch zu verzaubern. Sie schwärmt schon jetzt: „Als Solistin habe ich die Gelegenheit, mit dem großen TUM-Chor und -Orchester in der Philharmonie zu spielen.“ Denn ein Auftritt mit so vielen Beteiligten ist auch für die erfahrene Pianistin ein Genussmoment. „Auf Beethovens ‚Fantasie für Klavier, Chor und Orchester‘ freue ich mich diesmal ganz besonders. Das wird sicher ein beeindruckendes Klangerlebnis!“