Gründer Thomas Maier-Eschenlohr

„Mit Stroh und Hanf revolutionieren wir den Versandhandel“

Wein, Wurst, Werkzeug: Mit Boxen aus Hanf und Stroh kann man alles sicher versenden. Mehr aber noch: Verpackung wird damit umweltfreundlich, weil kompostierbar. Wie das Start-up eines TUM-Alumnus den Versandhandel auf den Kopf stellt.

Rund 18 Millionen Tonnen Verpackungsmüll entstehen in Deutschland jährlich. Das sind viele Müllberge aus Kunststoff, Glas und Holz. Jeder Deutsche produziert durchschnittlich allein 37 Kilo Plastikmüll im Jahr. „Wir tun etwas dagegen“, sagt TUM-Alumnus Dr. Thomas Maier-Eschenlohr, der zusammen mit seiner Frau Patricia 2013 das Start-up Landpack gegründet hat.

Unsere Landbox übertrifft Styropor sogar in vielen Eigenschaften.

Bis 2013 habe es weltweit keine einzige ökologische Alternative zu Styropor gegeben – überhaupt keine einzige nicht-kunststoffbasierte Isolierverpackung. Das hat Landpack geändert: Die Gründer haben eine umweltfreundliche Verpackung zunächst aus Stroh entwickelt, die den oft ungenutzten Naturrohstoff als Material verwendet. Ihre Landboxen aus Stroh und mittlerweile auch Hanf sichern und isolieren die Inhalte ebenso wie Kunststoffverpackungen, können aber gleichzeitig auch ökologisch abgebaut werden. „Alle Produkte, die bislang in Styroporboxen oder mit Formteilen aus Kunststoff oder Wellpappe verschickt wurden, können sicher und umweltfreundlich in unseren Landboxen verpackt werden: Von gekühlten Lebensmitteln, Wein, Medikamenten über Möbel, Klebstoffe, Maschinenteile bis hin zu Pflanzen und Elektronik“, zählen die Gründer auf. „Dass unsere Landbox Styropor in vielen Eigenschaften sogar übertreffen würde, war nicht der Plan und hat sich erfreulicherweise einfach ergeben.“

Regionale Rohstoffe

Weil Stroh ein guter Dämmstoff ist, eignet er sich perfekt für Verpackungen. Das Material für die Landboxen bezieht Landpack von Vertragslandwirten aus ihrer unmittelbaren Umgebung. „Die Mengen an ungenutztem Stroh sind unvorstellbar“, sagt Maier-Eschenlohr. „Wir werden noch lange nicht die Ortsgrenzen überschreiten müssen, um uns nach Rohstoff-Lieferanten umzusehen. Der Hanfanbau jedoch ist stark reguliert. Trotzdem achten wir auch hier auf Nähe und enge Beziehungen zu unseren Lieferanten.“ Vor der Verarbeitung wird das Stroh mikrobiologisch untersucht und nur in bestem Zustand verwendet, damit die Landboxen hygienisch rein sind.

 

Das Team von Landpack im Strohlager.

Im Stroh tollt das Team von Landpack nur für Fototermine. Jeder Strohballen ist ein wertvoller Rohstoff und wird mit eindeutiger ID Nummer streng überwacht (Foto: Landpack).

Ausgezeichnetes Start-up

Für sein nachhaltiges Unternehmenskonzept räumte Landpack etliche Gründerpreise ab, darunter den Deutschen Verpackungspreis 2016 in der Kategorie Nachhaltigkeit, den Neumacher Gründerpreis 2016 der WirtschaftsWoche und den Next Economy Award 2016 in der Kategorie „Nature“. Es wurde von der Start-up Plattform Für-Gründer.de als drittbestes Start-up 2016 gelistet, und wurde von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ in den Reigen der 100 „Ausgezeichneten Orte 2017“ aufgenommen.

Firmen wie Käfer, Alnatura oder Andechser Natur nutzen mittlerweile die Produkte von Landpack und verpacken frisches Obst, gekühlten Käse oder tiefgefrorene Garnelen. Und Kunden wie MyCow.de geben in ihrem Newsletter sogar Tipps, wie man die Verpackungsbestandteile weiterverwerten kann, bevor sie auf den Komposthaufen oder in der Biotonne landen: als Sitzkissen auf einer Holzbank zum Beispiel oder als Zielscheibe bei den Bogenschießübungen, die der Opa mit seinem Enkelsohn macht. Aber die Landboxen machen nicht nur kreativ – sie sorgen auch dafür, dass die Plastikmüllberge ein kleines Stück weniger wachsen.