Astronautin Samantha Cristoforetti

„Danke für die exzellente Ingenieursausbildung“

Das Ingenieurstudium an der TUM hat Samantha Cristoforetti die entscheidenden Vorteile bei der Bewerbung um die Astronautenausbildung bei der ESA gebracht. Mit ihrem Flug zur Internationalen Raumstation hat sie ihren Kindheitstraum verwirklicht.

Seit ihrer Kindheit wollte Samantha Cristoforetti Astronautin werden. Ihr Zimmer war mit Postern tapeziert und sie war begeisterte Leserin von Science-Fiction-Romanen, aber auch schon von Sachbüchern zu diesem Thema. Um die Chancen auf die Verwirklichung ihres Traumes zu erhöhen, ging die gebürtige Mailänderin zunächst für ein Studium des Maschinenbaus an die TUM und nach ihrem Diplom zur italienischen Luftwaffe. Dort wurde sie als eine der ersten Frauen zur Kampfpilotin ausgebildet.

Obwohl sie noch in der anspruchsvollen Ausbildung der Luftwaffenakademie steckte, zögerte Samantha Cristoforetti keinen Augenblick, als die Europäische Raumfahrtbehörde ein Auswahlverfahren für Nachwuchsastronauten bekannt gab. Über ein Jahr dauerte der harte Bewerbungsprozess, der ihr viel Geduld, Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen abverlangte. In umfangreicher Weise, fachlich, medizinisch, psychologisch, wurde ihre Eignung zur Verwirklichung ihres so zielstrebig verfolgten Karriereziels geprüft.

Ingenieurwissen für den Weltraum

Wie sich Samantha Cristoforetti erinnert, war es für sie als damals Dreißigjährige sehr von Vorteil, dass sie fünf Sprachen fließend sprechen und durch ihre Erfahrung als Pilotin bereits auf über fünfhundert Flugstunden in sechs verschiedenen Kampfflugzeugen zurückblicken konnte. Einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Mitbewerbern hat ihr vor allem auch die von der TUM mit auf den Weg gegebene fachliche Expertise in der Luft- und Raumfahrttechnik gebracht. Durch die Perspektive der ausgebildeten Ingenieurin war die intensive Beschäftigung mit den technischen Systemen der internationalen Raumstation und der Raumschiffe für Samantha Cristoforetti gewissermaßen ein Heimspiel. Ohnehin habe sie nur positive Erinnerungen an ihre Studienzeit an der TUM, an ihre langjährige Tätigkeit in der Fachschaft, ihr gemütliches Zimmer im Garchinger Studentenwohnheim und den schönen Englischen Garten.

Schließlich konnte sich Samantha Cristoforetti gegen mehr als 8.400 Bewerber durchsetzen und wurde 2009 mit fünf anderen Europäern für das Europäische Astronautenkorps ausgewählt. Kaum hatte sie ihre Grundausbildung am Europäischen Astronautenzentrum in Köln absolviert, wurde sie von der italienischen Raumfahrtagentur ASI für die Mission Futura als Bordingenieurin für die 42. Langzeitbesatzung der ISS vorgeschlagen.

Jubiläumsgrüße von TUM Alumna Samantha Cristoforetti

 

Rekord beim ersten Flug ins All

Insgesamt fünf Jahre lang bereitete sie sich auf ihre erste Raumfahrtmission vor. Sie lernte die Sojus-Raumfahrzeuge fliegen, arbeitete sich in die Raumstationssysteme, die Robotersteuerung und die Außenbordeinsätze ein. Nach einer zweiwöchigen Quarantäne startete sie schließlich vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan aus ihren Flug zum internationalen Weltraumlabor. Damit, dass sie mit ihrem ersten Flug ins All gleich mehrere Rekorde brechen würde, hat Samantha Cristoforetti nicht gerechnet. Da sich nach dem Absturz eines russischen Raumfrachters unvorhergesehen ihr Heimflug verschob, hat sich ihr Aufenthalt in 400 Kilometer Höhe auf knapp 200 Tage ausgedehnt. Samantha Cristoforetti wurde somit Rekordhalterin für Langzeitflüge von Frauen im Weltall und für den längsten ununterbrochenen Weltraumflug europäischer Astronauten.

Samantha Cristoforetti war darüber hinaus nicht nur die erste Italienerin, sondern auch die erste TUM-Alumna im All. Den jungen Studierenden ihrer Alma Mater rät sie das, was sie mit der Verwirklichung ihres Kindheitstraumes bewiesen hat: sich auf ein großes Ziel fokussieren zu können – auch, wenn dieses noch in der fernen Zukunft liegt. „Das ist eigentlich das Beste, was junge Menschen für sich selbst tun können“, so Cristoforetti; „dass sie sich ein bisschen Zeit nehmen und eine Vision finden, auf die sie hinarbeiten“.