Nobelpreisträger Robert Huber

„Ich bin in das Innere der Moleküle gestiegen“

An der TUM hat Robert Huber die Passion seines Lebens gefunden: die Kristallografie. Für seine Forschungen erhielt er den Nobelpreis. Sie sind unter anderem von zentraler Bedeutung für die Entwicklung lebenswichtiger Medikamente.

Als Schüler führte Professor Dr. Robert Huber im Speicher seiner Eltern erste Chemieexperimente durch. Damals ahnte er noch nicht, dass er für seine Forscherneugier mit dem bedeutendsten Wissenschaftspreis der Welt ausgezeichnet werden sollte. 1988 erhielt er gemeinsam mit seinem ehemaligen Doktoranden TUM Alumnus Professor Dr. Johann Deisenhofer (Promotion Physik 1974) und mit Hartmut Michel den Nobelpreis für Chemie. „Ohne meinen Mentor, TUM-Professor Walter Hoppe, wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Robert Huber dankbar. „Ich habe an der TUM die Wissenschaft im wahrsten Sinn des Wortes aufgesogen.“

Die Bestimmung gefunden

War Robert Hubers Faszination für die Chemie in der Schulzeit noch eine allgemeine gewesen, so hatte er im Studium sein konkretes Forschungsinteresse gefunden: die Kristallografie, die zur lebenslangen Passion werden sollte. „Professor Walter Hoppe hat mich mit seiner Begeisterung für diesen Zweig der Chemie und mit seiner Lust am Abenteuer der Forschung angesteckt“, erinnert sich Robert Huber. „Von da an wusste ich, dass ich das Leben mit der Chemie und Physik erklären wollte.“

An der TUM wurde ich mit der Lust am Abenteuer der Forschung angesteckt.

In seiner Diplom- und Doktorarbeit, dann als Post-Doktorand an TUM und am Max-Planck-Institut für Biochemie forschte Robert Huber mit Verve und Engagement. Mithilfe der Kristallografie wollte er die Struktur von Molekülen und Proteinen sichtbar machen und damit die Grundvoraussetzung zu deren Verständnis liefern. Beflügelt und gefördert wurde er hierbei von seinen Professoren an der TUM, die alle einen großen Namen in der Fachwelt hatten; von Professor Dr. Walter Otto Hieber, Professor Dr. Friedrich Weygand, und von Professor Dr. Ernst Otto Fischer, selbst Nobelpreisträger für Chemie. „Ich bin in das Innere der Moleküle gestiegen“, sagt Robert Huber zu seiner ambitionierten Forschung. „Wir können das Leben nur verstehen, wenn wir die Bausteine sehen. Ohne Sehen gibt es kein Verstehen.“

Die Bausteine des Lebens sichtbar gemacht

Bereits Ende der 1960er Jahre war es Robert Huber möglich, Insektenproteine mit atomarer Auflösung zu analysieren und damit einen molekularen Einblick in das Evolutionsgeschehen zu geben. Am Max-Planck-Institut für Biochemie baute er ein proteinkristallografisches Labor auf. Schon kurze Zeit darauf, 1972, folgte er seinem Mentor Walter Hoppe auf den Direktorenstuhl des Instituts, 1976 berief ihn die TUM als Professor an die Fakultät für Chemie. Im Laufe der Jahre konnte Robert Huber und seine Forschergruppe mithilfe der Kristallografie und der Röntgenkristallografie, nicht zuletzt mit hierfür selbst entwickelten Methoden und Instrumenten, die Struktur zahlreicher Proteine und Proteinkomplexe aufklären.

1985 veröffentlichte er gemeinsam mit seinem ehemaligen Doktoranden TUM Alumnus Professor Dr. Johann Deisenhofer und mit Hartmut Michel die faszinierenden Ergebnisse ihrer gemeinsam durchgeführten Untersuchungen. Schon drei Jahre später wurden Robert Huber und seine Mitstreiter dafür mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet. Mit ihrer Forschung wollten die Wissenschaftler aufklären, wie Bakterienzellen die Energie der Sonne speichern. Das ist ihnen gelungen, und die Ergebnisse konnten gar auf höhere Pflanzen übertragen werden. Damit hatten sie grundlegende Erkenntnisse über die Photosynthese, den Prozess, der die Voraussetzung für Leben auf der Erde bildet, gewonnen.

Lebenslanger Forscher

Auch heute noch ist die Röntgenstrukturanalyse von Proteinkristallen eine wichtige Methode mehrerer Arbeitsgruppen an der TUM. Und noch heute forscht Robert Huber, der ja eigentlich seit 2005 Direktor Emeritus ist, mit ungebrochener Faszination und Neugierde an konkreten biochemischen Problemen. Mit den internationalen Größen der Wissenschaft und mit den besten Laboratorien und Pharmafirmen weltweit widmet er sich insbesondere den medizinischen Aspekten von Molekülen und Proteinen. „Ferne Inseln und dort vergrabene Schätze sind wohl nicht mehr zu entdecken“, schmunzelt er. „Aber ungezählte Proteinmoleküle warten noch auf den neugierigen Forscher.“

Robert Hubers Erkenntnisse helfen weltweit bei der Entwicklung neuer Medikamente, etwa gegen Krebs oder zur Regulierung von Überfunktionen des Immunsystems gegen körpereigene Proteine. Seine Forschungen auf Eis zu legen und den Ruhestand zu genießen, das kommt für Robert Huber noch lange nicht in Frage: „Ich hoffe nicht, dass mich die TUM irgendwann rauswirft“, scherzt er. „Meine Forschungstätigkeit bedeutet mir nach wie vor unendlich viel.“