Architekten Christine Nickl-Weller und Hans Nickl

„Unsere Gebäude sind Heilmittel“

Die TUM Alumni Christine Nickl-Weller und Hans Nickl gelten als Revolutionäre der Krankenhausarchitektur. Mit einem multifunktionalen Forschungsgebäude am TUM Campus Garching haben sie nun auch beste Rahmenbedingungen für Spitzenforschung geschaffen.

Für Professorin Christine Nickl-Weller und für Professor Hans Nickl stand von Anfang an fest, dass sie Architektur studieren werden. Beide entschieden sich für das Studium an die TUM zu gehen. Hier haben sie, noch ohne voneinander zu wissen, die Ausbildung erhalten, die sie letztlich zusammengebracht – und der Welt einige der schönsten und besten Gesundheitsbauten geschenkt hat.

Hans Nickl hatte 1969 sein Studium an der TUM bereits abgeschlossen und in einem Münchner Architekturbüro zu arbeiten begonnen. Eben dieses Büro suchte sich auch Christine Nickl-Weller aus, um studienbegleitend erste praktische Erfahrungen zu sammeln. Dass aus der kollegialen Zusammenarbeit ein Bund fürs Leben – als Eheleute und preisgekröntes Architektenpaar – erwachsen würde, haben sich die beiden damals noch nicht träumen lassen.

Der Mensch im Mittelpunkt

Hans Nickl war von Anfang an von seinen Aufgaben im Münchner Architekturbüro begeistert. Schon an der TUM hatten sich sein Gespür und Können im Bereich großer Bauten herauskristallisiert, die er nun in die Planung von Krankenhausbauten einbringen konnte. Dort störte ihn die einseitige Berücksichtigung rein funktioneller Kriterien. „Ich wollte es anders machen“, sagt er. „Der Mensch sollte im Mittelpunkt stehen.“ 1979 gründete er sein eigenes Architekturbüro und richtete sich mit seinen Entwürfe stark an den wissenschaftlich erwiesenen Wechselwirkungen zwischen gebauter Umgebung und physischem und psychischem Wohlbefinden aus.

Wir waren immer schon sehr darauf bedacht, der Welt etwas zurückzugeben.

Auch Christine Nickl-Weller hatte zu diesem Zeitpunkt, bereits im Jahr 1975, ihr Studium an der TUM abgeschlossen und war mittlerweile im Staatsdienst tätig. Krankenhäuser entwerfen, wie dies ihr Ehemann mit seinem neuen und bahnbrechenden Ansatz voller Leidenschaft tat, wollte Christine Nickl-Weller nicht. Doch über die Jahre wurde sie von der Passion ihres Mannes angesteckt. Sie entschied sich, ihr Beschäftigungsverhältnis im öffentlichen Dienst zu kündigen und stieg in das Architekturbüro ihres Ehemannes mit ein.

Heilende Räume

Seit 1989 führen sie nun schon gemeinsam das Büro Nickl & Partner Architekten und gelten beide gleichermaßen als international anerkannte Spezialisten für Heilende Architektur (Healing Architecture). Bei ihren preisgekrönten Architekturkonzepten ergänzen sich die Eheleute in ihrer Herangehensweise und in ihrem Wissen. Gleich, ob sie am gemeinsamen Schreibtisch Altenheime, Einrichtungen für betreutes Wohnen oder für psychiatrische Betreuung konzipieren – das ganze Spektrum ihres Schaffens ist auf die Menschen gerichtet, die in diesen Gebäuden leben, arbeiten, gesunden und sich wohlfühlen sollen. „Unsere Gebäude sollen Heilmittel sein“, sagt Hans Nickl. „Wir waren immer schon sehr darauf bedacht, der Welt etwas zurückzugeben“, ergänzt Christine Nickl-Weller.

Wissenschaftsquartier der Zukunft

Ihren wissenschaftlich fundierten Planungsansatz für Gesundheitsbauten übertragen Christine Nickl-Weller und Hans Nickl auch auf ihre Forschungsbauten. Mit ihrer für Mensch und Umwelt nachhaltigen Gestaltung für ein neues Zentrum für Lehre, Leben und Lifestyle am TUM Campus Garching konnten sie im Architekturwettbewerb überzeugen. Besser hätte es für die Studierenden und Forschenden am größten Standort der TUM nicht laufen können: Für sie wird im Sommer 2019 der multifunktionale Hybridbau Galileo eröffnet, der für eine völlig neue Lebensqualität auf dem Campus sorgen wird.

Das Gebäude GALILEO auf dem Campus in Garching.

Die neue Mitte des Garchinger Forschungscampus: Das rund 200 Meter lange GALILEO erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung parallel zum U-Bahnhof (Foto: Uli Benz/TUM).

Das geradlinige und transparent gestaltete Gebäude beherbergt das neue Audimax der TUM, ein Kongress-, Business-, Meditations-, Freizeit-, Fitness- und Einkaufszentrum inklusive Hotel und Gästehaus sowie internationales Kulinarik-Angebot. „Mit unserem Konzept schaffen wir ein zukunftsorientiertes Wissenschaftsquartier“, sagt Christine Nickl-Weller. „Dass wir für unsere Heimatuniversität dieses Gebäude realisieren durften, ist ein cooles Gefühl“, fügt Hans Nickl lachend hinzu.