Nachhaltigkeits- und Beteiligungsexpertin Marianne Pfaffinger

„Man braucht Mut zum Träumen – und Mut, sich zu verpflichten“

TUM Alumna Marianne Pfaffinger kann sich Besseres vorstellen für Mensch und Natur. Die Umsetzung mitzugestalten, ist für sie viel mehr als ein Job. Die Weichen für ihr unermüdliches Engagement hat die TUM gestellt.

Durch ihre bayerisch-kanadischen Wurzeln hat Marianne Pfaffinger schon früh die Schönheit der Alpen und der weiten Prärielandschaft im kanadischen Manitoba lieben und schätzen gelernt. Sie war fasziniert vom Artenreichtum, vom Feuersalamander bis zum Schwarzbären, die sie dort erleben durfte. Schon als Kind sammelte sie mit ihren Eltern bei Spaziergängen den Müll ein. „Von meiner Familie habe ich das Staunen über die Natur gelernt – und, dass man Negatives nicht einfach hinnehmen muss“, so Marianne Pfaffinger über die bereits im Elternhaus vorgelebte Wertschätzung für die Umwelt.

Als Marianne Pfaffinger auf dem neusprachlichen Gymnasium in Markt Schwaben Biologie als Fach hinzubekam, nahm das weiteren entscheidenden Einfluss auf ihren Lebensweg. „Es war wie ein Erwachen. Ich wusste sofort, dass ich mich damit fortan beschäftigen will“, erinnert sie sich. Nach Abschluss des Abiturs ging sie nach Kanada, um Biologie mit Schwerpunkt Ökologie zu studieren. Die vielfältigen Details und komplexen Zusammenhänge der Natur, über die sie im Studium erfuhr, motivierten sie immer weiter. Sie wollte etwas gegen die zahlreichen menschengemachten Gefahren tun, denen die „sagenhafte Schönheit unseres Planeten“ ausgesetzt ist; „ich konnte das nicht hinnehmen, dass diese wundervolle und komplexe Vielfalt von uns Menschen zerstört wird, zumal sie auch existenzielle Lebensgrundlage ist.“

Wegweisende Studienzeit an der TUM

Noch in Vancouver recherchierte Marianne Pfaffinger einen geeigneten Masterstudiengang, der ihr zur eher theoretischen Ökologie noch das nötige anwendungsorientiere Wissen vermitteln konnte. Nicht viele Universitäten boten an, wodurch sie sich für ein zukünftiges berufliches Engagement für die Natur und den Umweltschutz gut genug gewappnet gefühlt hätte. Schließlich überzeugte sie das Lehrangebot der TUM, an der sie 2006 ihr Studium des nachhaltigen Ressourcenmanagements begann.

An der TUM fühlte sich Marianne Pfaffinger gut aufgehoben. Sie genoss die Freiheit bei der Wahl eigener Forschungsschwerpunkte und Fragestellungen, und gerade auch von der Internationalität des Studienganges: „Ich habe mit Studierenden aus aller Welt, aus Nepal, Kolumbien, Äthiopien zusammengearbeitet“, so Marianne Pfaffinger. „Ich habe dabei gelernt, mich in andere hineinzuversetzen und die Perspektive zu wechseln. Das hilft mir bis heute – etwa im Umgang mit Bürgern, Politikern und Lobbyisten, die andere Meinungen haben.“

Ich bin nicht da, um die Welt zu retten. Ich möchte einfach dazu beitragen, dass sie besser wird.

Nachhaltig geprägt wurde Marianne Pfaffinger auch von ihrer Professorin für Ökoklimatologie, Annette Menzel. Die kam beispielsweise von den Sitzungen des Weltklimarates IPCC mit dem Nachtzug direkt in den Seminarraum, um von der Arbeit des zwischenstaatlichen Ausschusses zu berichten. „Das war so spannend“, so Marianne Pfaffinger, „und verdeutlichte eindrücklich, wie sehr Klimaschutz von engagierten VerhandlerInnen abhängt, die sich von Einzelinteressen lösen und auf wissenschaftlicher Basis auf das große Ganze schauen“.

Entscheidenden Einfluss auf Marianne Pfaffingers weitere Karriere hatte auch Christian Ganzert vom Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaus. Mit ihm entwickelte sie die Klima-Werkstätten der TUM, und mit ihm und Dr. Christine Krämer vom selben Lehrstuhl machte sie sich schließlich selbstständig. Geplant hatte Marianne Pfaffinger das nicht. Da sie aber die Aussicht hatte, mit ihrem langjährigen Mentor die gemeinsame Vision der Bürgerpartizipation und Bewusstseinsbildung in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit voranzutreiben, ging sie eben diesen Weg der Selbstständigkeit. „Ich will einfach wirklich etwas verändern und nicht nur Kompromisse für ein schönes Gehalt eingehen“, schildert sie ihre damalige zielbewusste Entscheidung. Drei Jahre lang arbeitete sie daraufhin oft unter Einbindung ihrer Alma Mater als selbstständige Nachhaltigkeitsberaterin. So entwickelte sie in dieser Zeit einen Leitfaden für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und das Klimaschutzheft der Stadt München.

Mut zum Engagement

Mittlerweile setzt sich Marianne Pfaffinger bei einer großen Münchner Agentur für nachhaltige Entwicklung ein. Aber nicht nur dort, sondern auch ehrenamtlich nach Feierabend kämpft sie unermüdlich für ihre Ziele. Sie engagiert sich im Vorstand des Münchner Klimaherbst, gibt Kurse über die biblische Perspektive auf globale Gerechtigkeit beim Verein Micha Deutschland, oder moderiert internationale Nachhaltigkeitspodien für den Christlichen Verein Junger Menschen München.

„Ich bin nicht da, um die Welt zu retten und erwarte das auch nicht von anderen. Ich möchte einfach dazu beitragen, dass sie besser wird“, sagt Marianne Pfaffinger zu ihrem bemerkenswerten Engagement. „Ich bin dabei sehr glücklich. Ich kann ausleben, was in mir lebt, ich kann voranbringen, was mir wichtig ist“. Genau das rät sie auch den Studierenden an der TUM. Im Grunde könnten junge Menschen schlichtweg die Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) der Vereinten Nationen durchgehen, sich ein Interessensgebiet aussuchen und dann mit dem entsprechenden Studium und Beruf dazu beitragen: „Habt Mut zum Träumen, aber habt auch den Mut, Euch einer guten Sache zu verpflichten! Am Ende des Arbeitslebens könnt Ihr dann darauf zurückblicken, was Ihr zum Guten hin verändert habt. Ist es das nicht wert?“, appelliert Marianne Pfaffinger.