Informatikerin Mariana Avezum

„Die TUM war schon immer meine erste Wahl“

TUM Alumna Mariana Avezum hat auf vier Kontinenten gelebt und spricht drei Sprachen. Für ihre Masterarbeit gründete sie an der TUM ein interdisziplinäres Team, um den Hochgeschwindigkeitszug Hyperloop noch schneller zu machen.

Mit neunzehn Jahren kam Mariana Avezum von Brasilien nach München, um zu studieren. „Die TUM stellte schon immer meine erste Wahl dar“, sagt sie. Sie schrieb sich für TUM-BWL ein, stellte nach zwei Semestern jedoch fest, dass sie der komplizierten juristischen Sprache noch nicht gewachsen war. Die Sprache der Mathematik und Informatik indes stellte keine Hürde dar. 2010 begann sie das Informatikstudium an der TUM. „Sehr schnell habe ich festgestellt, dass Informatik auch inhaltlich genau das Richtige für mich war“, erinnert sich Mariana Avezum.

2014 legte Mariana Avezum den Bachelor ab, 2017 den Master. Seither promoviert sie in Angewandter Softwaretechnik an der Fakultät für Informatik der TUM in Garching. Heute lehrt sie selbst und rät ihren Studierenden stets dazu, viel Wert auf Anwendung und Praxiserfahrung zu legen. „Für mich ist es sehr wichtig, dass das, woran ich arbeite auch tatsächlich den Menschen etwas bringt“, betont sie. Von dieser Devise war und ist auch ihre eigene stets anwendungsorientierte Forschung an der TUM geleitet.

Mobilität der Zukunft

Bereits im Bachelor beschäftigte sich Mariana Avezum mit der Optimierung des Verkehrsflusses, einem Thema, das ihr angesichts der Entwicklung ihrer Heimatstadt São Paulo hin zur Megacity sehr am Herzen liegt. 2013 ging sie für ihre Bachelorarbeit nach Singapur, um beim TUM Create, einem gemeinsamen Forschungsprojekt von TUM und Nanyang Technological University, an Transportsystemen für die Städte der Zukunft zu forschen. Als sie 2015 bei der Recherche nach einem Thema für ihre Masterarbeit eher zufällig auf den von Elon Musk ausgelobten Wettbewerb für Beiträge zum Hochgeschwindigkeitszug Hyperloop stieß, war sie sofort begeistert.

Ich wusste, dass mich die TUM mit den richtigen Fachleuten und Sponsoren zusammenbringen würde.

Der Hyperloop ist das Konzept eines Transportsystems, das die Fortbewegung mit annähernder Schallgeschwindigkeit erlauben soll. Seit 2015 ruft SpaceX-Gründer Elon Musk Studierendenteams aus der ganzen Welt zur Teilnahme an seinem Wettbewerb in Los Angeles auf. Eingereicht werden sollen innovative Konzepte für den sogenannten Pod, der Kapsel, in der Güter und Passagiere durch die Röhre des Hyperloop transportiert werden.

Mit Hochgeschwindigkeit ans Ziel

Dass es sich beim Hyperloop um ein für sie fachfremdes Maschinenbauprojekt handelte, stellte für Mariana Avezum durchaus eine emotionale Herausforderung dar. Ihren Mut hat sie dennoch nicht verloren. „Ich wusste, dass mich die TUM mit den richtigen Fachleuten und Sponsoren zusammenbringen würde“, sagt sie. Die TUM und der Industriepartner Airbus finanzierten das Projekt und ein interdisziplinäres und internationales Team von Studierenden der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR) stand ihr mit Rat und Tat zur Seite. Knappe zwei Jahre später, Anfang 2017, ließ sie die von ihr und dem WARR-Hyperloop-Team entwickelte Transportkabine auf dem Firmengelände von SpaceX in Los Angeles durch die Teströhre rasen – und gewann prompt den Hauptpreis für die schnellste Kapselkabine. „Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke“, sagt Mariana Avezum.

Seit 2017 promoviert Mariana Avezum nun auch zum Zukunftsthema urbaner Mobilität. Die klaren Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung und Verkehrsaufkommen stellt sie in Softwaresystemen dar. Sehr deutlich zeigt ihre Arbeit, wie sinnvoll ein Umstieg auf Fahrgemeinschaften oder ganz weg vom klassischen Auto und hin zu mehr multimodalem Verkehr, also zur Nutzung verschiedener Verkehrsträger wie Elektroautos, Rad und Bahn wäre. Doch leider sei ihr Einfluss hier nur sehr begrenzt. Denn die tatsächliche Anwendung und Umsetzung ihrer Lösungen hin zu effizienter und sauberer Mobilität lägen nicht bei ihr, sondern bei der Gesellschaft. „Das Umdenken muss in den Köpfen der Menschen stattfinden“, sagt sie. Vielleicht gründet sie nach der Promotion eine eigene Firma, mit der sie dem Vorschub leisten kann. „Das ist mein großer Gründungstraum.“