Luft- und Raumfahrtingenieurin Maria Grulich

„Der Weltraum ist meine Leidenschaft“

TUM Alumna Maria Grulich hat erst vor kurzem ihr Studium abgeschlossen, aber schon für die bedeutendsten Weltraumorganisationen gearbeitet. Jüngst hat sie mit einer internationalen Crew eine simulierte Mars-Mission durchgeführt.

Für Maria Grulich stand von Anfang an fest, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinaus will. Die Raumfahrt hat sie schon immer fasziniert, sie hat für sie etwas Magisches an sich. „Ich bin großer Fan von Science-Fiction-Filmen“, sagt Maria Grulich mit leuchtenden Augen. „Am besten finde ich, dass dort immer von ‚der einen Menschheit’ gesprochen wird. Das internationale Arbeitsumfeld in der Raumfahrtindustrie zeigt, dass wir Grenzen überwinden können, um im Weltraum zusammenzuarbeiten.“

Gute Stimmung auf dem Mars

Wie sehr die Raumfahrt Grenzen überwinden kann – geografische, kulturelle und zwischenmenschliche – konnte die junge Raumfahrtingenieurin erst jüngst bei ihrer ersten Mission zum „Mars“, einer sogenannten Analogsimulation erleben. Gemeinsam mit sieben Studierenden und Young Professionals aus Amerika, Spanien, Großbritannien, Kuwait und Deutschland verbrachte sie zwei Wochen lang auf engstem Raum in der Mars Desert Research Station (MDRS) in der Wüste von Utah. In der Forschungsstation der gemeinnützigen Mars Society wird das Leben und Arbeiten auf dem Mars möglichst realitätsgetreu simuliert. Tatsächliche Missionen zum Roten Planeten sollen durch die Feldversuche bestens vorbereitet werden.

Maria Grulich bei einer Extravehicular Activity (EVA) in der Wüste von Utah.

Planetare Erkundungstouren gehören bei den simulierten Marsmissionen zum Programm. Im schweren und unhandlichen Raumanzug Bodenproben zu entnehmen, fand Maria Grulich anstrengender als gedacht (Foto: Natalia Larrea).

Neben den Experimenten zur Geologie, Biologie, Astronomie, Technologie und der Verwendung knapper Ressourcen war der Faktor Mensch in der isolierten und lebensfeindlichen Extremumgebung eines der Hauptforschungsgebiete der Simulation. Mithilfe von Videotelefonaten und Onlineformaten mussten die Teilnehmenden schon im Vorfeld die Grenzen von fünf Kontinenten überwinden, um als Team die Mission und die gemeinsamen Forschungsziele effektiv planen zu können. „Das war am Anfang schon eine Herausforderung, bis jeder sich in seiner Rolle gefunden hat“, räumt Maria Grulich ein. „Aber Teamwork ist essentiell für Weltraummissionen.“

An der TUM habe ich das nötige Durchhaltevermögen gelernt, um mein Ziel zu erreichen.

Im ersten Durchgang ihrer Mission war Maria Grulich als Crew Journalist mit der reibungslosen externen und internen Kommunikation betraut. Bei ihrem nächsten Aufenthalt wird sie als Commander der Crew 221 eine ungleich größere Verantwortung für die Mission und die an ihr beteiligten Mitglieder aus sechs Ländern übernehmen. Sie wird geradestehen für die Sicherheit und das körperliche und seelische Wohlbefinden der Crew sowie für das generelle Gelingen der Mission nebst Einhaltung der wissenschaftlichen, technischen und operativen Ziele. „Ich bin schon sehr aufgeregt“, gesteht sie. „Ich bin gespannt, wie meine fachlichen Entscheidungen, aber auch die von mir geplanten Sporteinheiten und Meditationssessions das Team beeinflussen werden.“

Überflieger auch auf der Erde

Für Maria Grulich ist der menschliche Faktor nicht nur auf dem Mars wichtig. Schon bei ihrem Studium der Luft-und Raumfahrttechnik an der TUM legte sie besonderen Wert auf gutes zwischenmenschliches Miteinander und regen fachlichen Austausch mit den aus aller Herren Länder stammenden Studierenden. Sie brennt darauf, das, was sie an der TUM gelernt hat, auch in die Praxis umzusetzen. In der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt WARR arbeitete sie am mechanischen Design eines 1U CubeSat, eines an der TUM entwickelten Kleinsatelliten, mit. Und noch während ihres Studiums entwickelte sie für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Schwedische Nationale Raumfahrt-Behörde als Teil des REXUS Projektes ein Raketenexperiment, das 2015 in die Thermosphäre flog.

Kaum hatte sie 2016 ihr Studium abgeschlossen, ergatterte Maria Grulich einen der begehrten Traineeplätze im Europäischen Weltraumforschungs- und Technologiezentrum der Europäischen Weltraumorganisation ESA im niederländischen Noordwijk. Aktuell arbeitet sie am DLR in Köln und ist als Betriebsingenieurin für Wartungs- und Experimentiervorgänge der Nutzlasten (BIOLAB und MSL) im Columbus-Raumlabor der ESA zuständig. Es liegt auf der Hand, dass Maria Grulich auch selbst in die Weiten des Weltraums reisen will. 2020 wird sie sich bei der ESA als Astronautin bewerben. In ihrem TUM-Professor Ulrich Hans Walter, einem ehemaligen Wissenschaftsastronaut an Bord des Orbiters Columbia, und mit TUM Alumna und ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti hat Maria Grulich die besten Vorbilder für diese Laufbahn. „Der Weltraum ist meine Leidenschaft“, sagt sie. „An der TUM habe ich das nötige Durchhaltevermögen gelernt, um mein Ziel zu erreichen. Ich gebe niemals auf und gehe meinen eigenen Weg.“