Schauspielerin Maria Furtwängler

„Ich bin eine spätberufene Feministin“

Für den Beruf der Schauspielerin hat Dr. Maria Furtwängler ihren Arztkittel an den Nagel gehängt. Die Inhalte ihres Medizin-Studiums an der TUM aber prägen sie in ihrem Selbstverständnis bis heute.

Maria Furtwängler ist in einem Künstlerhaushalt groß geworden: die Mutter Schauspielerin, der Onkel Regisseur, der Großonkel Dirigent. Mit sieben Jahren stand sie das erste Mal selbst vor der Kamera. Nach dem Abitur entschied sie sich aber für ein Medizin-Studium – zunächst in Montpellier in Frankreich, danach an der TUM in München. Auf die Wahl des Studiums hatte ihre Mutter ganz entscheidenden Einfluss. „Sie als Schauspielerin weiß nur zu gut, dass das kein zuverlässiger Beruf ist. Ich war als Schülerin recht begabt in Mathematik und Biologie, so hat sie mir die Medizin nahegelegt“, erzählt Maria Furtwängler. „Ich fand das eine spannende Option und habe gerne als Ärztin gearbeitet.“

Das Studium hat mir Erdung gegeben.

Heilsame Medizin

Doch die Faszination für den Beruf ihrer Mutter blieb: Schon während des Studiums nahm Maria Furtwängler eine feste Rolle als Serienschauspielerin an und hängte schließlich nach einigen Jahren als praktizierende Ärztin den Arztkittel an den Nagel. Heute ist sie vor allem für ihre Rolle als Hannoveraner Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm bekannt. Ihre Zeit an der TUM empfindet sie aber trotzdem nicht als Umweg: „Die Inhalte des Studiums haben mich entscheidend geprägt und beschäftigen mich noch heute“, betont Maria Furtwängler. „Wir hatten damals ganz tolle und faszinierende Lehrer in der Psychosomatik.“ Das Studium habe ihr Erdung gegeben und damit ein gutes Gegengewicht zu der sich eher wichtig nehmenden Schauspielwelt geschaffen: „Die Medizin war für mich auf jeden Fall heilsam“, sagt die TUM Alumna.

Jubiläumsgrüße von TUM Alumna Maria Furtwängler

 

 

In ihrer Doktorarbeit an der TUM hat Maria Furtwängler sich mit Fällen von Schwangerschaftsverlusten auseinandergesetzt. „Das Thema Frauen, Frauengesundheit und Sexualität prägt mich seither stark und beeinflusst nicht zuletzt meine Tätigkeit als Produzentin und die Frage, welche Geschichten ich erzähle.“ Darüber hinaus investiert Maria Furtwängler viel Energie in ihr Anliegen, Mädchen und Frauen zu unterstützen. Prägend war dafür ein Einsatz als Ärztin für die German Doctors in Kalkutta in Indien: „Ich erlebte, dass weibliche Babys dort viel weniger wert sind als männliche. Das mag aus heutiger Sicht naiv klingen, aber ich hatte vorher überhaupt kein Bewusstsein dafür, dass mein Geschlecht geringer geachtet sein könnte.“ Unter anderem vor dem Hintergrund dieser Erfahrung gründete sie zusammen mit ihrer Tochter eine Stiftung, die Mädchen und jungen Frauen auf den Philippinen einen Weg aus dem Menschenhandel ermöglicht.

Mädchen gestalten Zukunft

Auch auf vielen weiteren Wegen engagiert sich die Schauspielerin dafür, dass Frauen und Mädchen als gleichberechtigt wahrgenommen werden. In einer Webserie, die Ende des letzten Jahres an der TUM gedreht wurde, spielt sie eine Professorin für Datenverarbeitung. Die Serie soll Frauen und Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren Lust auf die technischen Studienfächer machen und mit einigen Klischees aufräumen. „Gerade die jungen Frauen sollen zu sehen bekommen, dass auch sie es sind, die unsere Zukunft gestalten. Das wollen wir doch nicht nur den Männern überlassen.“