Gründerin Maria Sievert

„Unsere Lösung wird von globaler Bedeutung sein“

Die TUM Alumni Maria und Dominik Sievert haben das weltweit erste Automatisierungssystem für den Gewebeproben-Eingang in Laboren entwickelt – und lösen damit ein jahrzehntealtes und weltweites Problem in der Pathologie.

Schon immer war Maria Sievert derart breitgefächert interessiert, dass sie selbst augenzwinkernd fast schon von einer „buntgemischten Vielseitigkeit“ spricht. Nach ihrem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der TUM zieht es sie nach Arkansas, wo sie im Rahmen ihres Masterstudiums an einem Austauschprogramm teilnimmt. Bei einem zufälligen Gespräch im Café traut sie ihren Ohren nicht, als ihr ein Pathologe davon erzählt, wie häufig Laborproben versehentlich vertauscht werden. Marias Neugier an einer Lösungsfindung war natürlich sofort geweckt.

Die Digitalisierung der manuell und analog ablaufenden Prozesse wird die Lösung sein, die die angehende Unternehmerin mit ihren Mentoren des Manage&More-Programms der UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der TUM, bespricht. „Ich habe nicht schlecht gestaunt, als meine Mentorin mir von einem angehenden Molekular-Biotechnologen an der TUM erzählte, der seinerseits an Automatisierungslösungen arbeitete“. Auch Dominik Sievert hatte in der Jugend durch die Krebserkrankung seines Großvaters erfahren müssen, wie schnell Unregelmäßigkeiten während des Laborprozesses zu nicht optimalen Therapien führen können.

TUM Alumni Maria Driesel und Dominik Sievert.

Die Alumni Maria und Dominik Sievert haben sich an der TUM kennengelernt und ein gemeinsames Unternehmen gegründet, das mittlerweile sehr erfolgreich ist. Seit kurzem sind sie auch verheiratet. (Foto: Astrid Eckert/TUM).

Der Chancenblick

Das smarte Labor wurde zur gemeinsamen Vision und – gewappnet durch das unternehmerische Knowhow des Förderprogramms KICKSTART der UnternehmerTUM – gründeten die beiden knapp zwei Jahre später ihr Startup inveox in Garching bei München. Die dort entwickelte automatisierte und digitale Komplettlösung für den Aus- und Eingang von Gewebeproben und die Probenvorbereitung ermöglicht Ärzten und Laboren den Informationsaustausch in Echtzeit und macht Fehler, die Zuordnung in der Histopathologie betreffend, praktisch unmöglich.

Mittlerweile wächst das Unternehmen rasant, der Prototyp geht bald in Serie. Investoren und Branchenexperten aus dem In- und Ausland sind begeistert und von der Relevanz freilich überzeugt. „Innovationspotential zu erkennen und Innovation zu betreiben sind zwei verschiedene Dinge“ – Maria und Dominik Sievert haben beides geschafft: Binnen kurzer Zeit konnten die jungen Gründer ein Millionen-Investment einholen, das es ihnen nun möglich macht, noch in 2018 ihr revolutionäres Laborsystem an die ersten Kunden aus Deutschland, darunter mehrere Unikliniken auszuliefern. Maria Sievert hat nicht weniger als einen globalen Impact zum Ziel. Sie hat zusammen mit ihrem Partner den perfekten Zeitpunkt für den Markteintritt und die umfassende Patentstrategie stets im Blick – und möchte dabei die Lebensrealität von so vielen Menschen wie möglich verbessern.

Wirklich gute Ideen haben oftmals eines gemeinsam: sie sind so genial wie einfach.

Die Jungunternehmer wollen zur Möglichkeit einer fehlerfreien Diagnostik beitragen, sie wollen, dass Labormitarbeitende nicht länger mit dem krebserregenden Stoff Formalin in Berührung kommen, und sie wollen, dass ihr Team glücklich ist. „Unser Team ist das Rückgrat und der lebendige Puls unseres Unternehmens.“ Dass in einem Team mit über zwanzig klugen Köpfen aus den unterschiedlichsten Disziplinen und aus elf Nationen eine Atmosphäre des Pioniergeistes und der Innovationskraft gut gedeiht, daran glauben die Gründer. „Wir sehen Interdisziplinarität und Diversität als den grundlegendsten und gleichzeitig stärksten Trigger für Innovation.“

Optimismus, innerer Drive und jede Menge Ausdauer

Selbstverständlich war die Unternehmensgründung auch für Maria Sievert nicht immer leicht: „Ob wir Bedenken haben und Mut brauchen? Ja, und wie! Wöchentlich, täglich, stündlich und minütlich gibt es Auf und Abs.“ Doch die junge Pionierin hinterfragt vielleicht ihr Handeln, ihren Weg – niemals jedoch ihr Ziel. Tage- und Nächtelang sucht sie mit ihrem Team beharrlich nach immer neuen Lösungen. „Ich will es richtig machen: Mein Unternehmen ist nicht nur ein Projekt, sondern meine derzeitige Lebens-Aufgabe, der ich mich mit all meiner Kraft und Leidenschaft verschreibe.“