TUM Emeritus of Excellence Manfred Kleber

„Wer nichts mehr dazulernt, hat schon verloren“

TUM Alumnus Manfred Kleber ist Physiker mit Leib und Seele. Eine große Auszeichnung war dabei nie sein Antrieb. Aber im Kreis motivierter Kollegen zu forschen und zu lehren, war sein großes Glück.

Auf dem Gymnasium waren Chemie und Physik die Lieblingsfächer von Manfred Kleber. Das Interesse an diesen Fächern wurde damals durch den erfolgreichen, wenn auch bedrohlichen, Schuss des Sputnik-Satelliten auf eine Erdumlaufbahn generell beflügelt. Die Chemikalien zum Eigenbau von Kleinraketen konnte man zu jener Zeit in einigen Münchner Drogerien und im Laborzubehör kaufen. Aber ungefährlich war das Experimentieren nicht. In der Familie von Manfred Kleber gab es keinen Fernseher. So blieb bei Dunkelheit genügend Zeit, einer zweiten Freizeitaktivität nachzugehen; dem Absuchen des Nachthimmels mit einem großen Busch-Fernrohr.

Eigentlich wollte Manfred Kleber nach dem Abitur Chemie studieren. Aber wohl zur Abschreckung berichtete ihm der Berufsberater von gefährlich missglückten Chemieexperimenten in seinem Bekanntenkreis. Schließlich lernte Manfred Kleber einen Physik-Studenten, den späteren Heidelberger Professor Heinz Horner kennen, der ihm Pfeife rauchend geduldig alle Fragen rund um das potentielle Studienfach beantwortete. „Danach wusste ich, dass ich Physik studieren möchte“, so Manfred Kleber im Rückblick und fährt fort „ich dachte mir, wenn der so entspannt ist, kann das Fach nicht schlecht sein“. Zu guter Letzt rät ihm sein Physiklehrer, das Studium an der TUM zu absolvieren und sich die dortige anwendungsorientierte Ausbildung zugutekommen zu lassen. 1961 begann Manfred Kleber sein Studium in München und blieb seiner Alma Mater fast vierzig Jahre lang treu.

Auf der Suche nach Vorbildern

Manfred Klebers Forschungsfelder waren zunächst durch die Themenstellung der Diplomarbeit und danach der Doktorarbeit vorgegeben. Es waren Themen der theoretischen Kernphysik, nicht zuletzt deshalb, weil in Garching der erste westdeutsche Forschungsreaktor in Betrieb war. „Da wollte man schon wissen, was die Nukleonen im Atomkern machen“, so der gebürtige Münchner, der seine Heimatstadt als Stadt der Wissenschaft zu schätzen wusste. Gerade in den 1960er Jahren wurden viele hochkarätige Wissenschaftler an die TUM berufen.

Besonderen Eindruck hinterlassen hat bei Manfred Kleber auch seine Zeit als Praktikant am Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik mit Professor Werner Heisenberg als Direktor. Dessen schwierige, aber begeistert aufgenommene Vorlesung über Quantenfeldtheorie blieb ihm im Gedächtnis, und noch mehr die von Heisenberg eingeladenen Wissenschaftler wie Carl Friedrich von Weizsäcker oder Richard Feynman. „Das waren die wissenschaftlichen Vorbilder, nach denen man als junger Physiker suchte“, so Manfred Kleber. „Ich liebe es, in der Umgebung von schlauen Leuten zu sein, weil man dort immer dazu lernt.“ Aber nicht nur wissenschaftlich, sondern auch menschlich hat Manfred Kleber die Studienzeit an der TUM geprägt. Er denkt gerne zurück an den erfreulich familiären Betrieb am Institut für Theoretische Physik und an die gemeinsamen Betriebsausflüge und Kneipenbesuche mit seinen Kommilitonen.

Ich liebe es, in der Umgebung von schlauen Leuten zu sein, weil man dort immer dazu lernt.

1972 konnte Manfred Kleber seine Forschungen als Postdoc am Lawrence Berkeley Laboratory in Kalifornien fortsetzen. Dort gab es eine internationale Gemeinschaft von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und die Möglichkeit, sich mit der amerikanischen Forschungslandschaft und -kultur vertraut zu machen. Als theoretischer Physiker konnte Manfred Kleber seine Forschung allmählich auf atomphysikalische Fragestellungen neu ausrichten. „Der Weg in die Quantenoptik war dann nicht mehr weit“, so Manfred Kleber zu seinem langjährigen Forschungsgebiet, das ihn knapp dreißig Jahre lang am Garchinger Institut für Theoretische Physik der TUM nicht mehr loslassen sollte.

Für seine  wissenschaftlichen Beiträge zu Tunnelphänomenen in der Mikrophysik erhielt er 2006 den Willis E. Lamb Award for Laser Science and Quantum Optics – gemeinsam mit dem bekannten Nobelpreisträger Roy Jay Glauber. Allerdings musste sich Manfred Kleber gelegentlich die, wohl nicht ganz ernst gemeinte, Frage seiner Ehefrau anhören, wann er denn nun endlich zum Träger dieser höchsten Auszeichnung werden würde. Manfred Kleber schmunzelt darüber; „ich habe ihr dann gesagt, dass ich Physik nicht wegen des Nobelpreises studiert habe, sondern aus Interesse an der Naturwissenschaft“.

Führungen durch die Alma Mater

Seit 2007 ist Manfred Kleber emeritiert, aber alles andere als im Ruhestand. In einer ganzen Reihe von Angeboten der TUM gibt der Emeritus of Excellence nach wie vor sein breit gefächertes Wissen weiter. Seit fast zwanzig Jahren wählt er als Jurymitglied die besten bayerischen Seminararbeiten mit aus, unterstützt Lehramtsstudierende mit seinem Repetitorium in Theoretischer Physik bei der Vorbereitung auf das schriftliche Staatsexamen, und bringt in der alljährlichen Pfingstakademie der TUM interessierten Schülerinnen und Schülern Themen der Physik nahe. Schließlich ist Manfred Kleber als gelegentlicher Studienberater tätig und gibt für Lehrer und Schüler Führungen durch seine Alma Mater. All seinen jungen Schützlingen gibt er den Rat, motivierte Arbeitspartner zu suchen. „An einem Ende der Physik sitzt immer der Mensch. Der richtige Umgang ermöglicht das gegenseitige Verstehen und Anspornen“, so Manfred Kleber.