TUM Emeritus of Excellence Manfred Broy

„Ich möchte digitale Technologie gesellschaftlich verantwortbar umsetzen“

Schon in der Schule ist ihm Mathe leicht gefallen und hat TUM Alumnus Manfred Broy richtig Spaß gemacht. Sein Faible für Formalisierung hat er zum Beruf gemacht und zählt heute zu den meist zitierten Informatikern weltweit.

Als Manfred Broy damit begonnen hat, war Programmierung noch ein Thema für wenige Spezialisten. Heute ist die Informatik im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung zur zentralen Führungs- und Informationsdisziplin geworden. „Fast ein halbes Jahrhundert hinweg durfte ich die Entwicklung in der heute so dominanten Informatik, ihre immer größere Bedeutung, die immer breiter werdenden Anwendungsbereiche erleben.“

Fast vierzig Jahre lang blieb Manfred Broy hierbei seiner Alma Mater treu: er absolvierte Studium, die ausgezeichnete Promotion und Habilitation an der TUM, war Gründungsdekan der dortigen Fakultät für Informatik und schließlich bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2015 ordentlicher Professor für Informatik. Nicht zuletzt mit seiner Forschung an der TUM hat er dazu beigetragen, dass entscheidende Impulse der digitalen Entwicklung Bayerns aus München kamen. In zahlreichen Projekten konnte er seine auf Basis mathematischer und logischer Methoden entwickelten Softwaresysteme erfolgreich in die praktische Anwendung überführen, wie etwa auf dem Gebiet der Telekommunikation, der Avionik, des Automobilbaus und des Bankwesens.

Berufung zum Beruf

Schon in der Schule war Manfred Broy von Mathematik und insbesondere von dem ihres inhärenten Grad an Präzision fasziniert. „Erst viel später ist mir bewusst geworden, dass dieses Faible und meine Fähigkeit, Gegenstände ganz und gar zu durchdringen, also letztlich zu formalisieren, der Kernbereich der Softwareentwicklung ist.“ Manfred Broy hat gleichsam seine Berufung zum Beruf gemacht und kann durch seine Leidenschaft für präzise Begriffsbildung und definitorische Akkuratesse einer der großen Herausforderungen beim Schreiben komplexer Softwareprogramme mit Leichtigkeit begegnen.

Ich habe die Explosion einer Disziplin miterleben und mitgestalten dürfen.

Spannend wird es für Manfred Broy vor allem dann, wenn es gilt, die „wirkliche Welt“ durch entsprechend präzise formulierte Variablen abzubilden, damit Softwaresysteme mit ihr interagieren können. „Diese so genannten eingebetteten Systeme haben Umfänge, die man sich als Normalsterblicher gar nicht vorstellen kann: In einem heutigen Premium-Auto ist Software im Umfang von hundert Millionen Zeilen Programmiercode vorhanden. Das muss man sich erst einmal vorstellen; ein normales Buch mit dreihundert Seiten besteht aus zehntausend Zeilen, dann besteht die Software für ein solches Auto quasi aus zehntausend Büchern.“

Fulltimejob im Ruhestand

Manfred Broys Interesse gilt hierbei nicht nur der Modellierung solcher Systeme, sondern gerade auch den Wechselwirkungen und dramatischen Beeinflussungen, die deren reale Anwendungssituationen für Gesellschaft, Kultur, Bildung und Politik mit sich bringen. „Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es eine Technologie, die so viele Menschen in einem so kurzen Zeitraum erreicht und deren Lebensweise so dramatisch verändert hat.“ Diese bis dato weder bewältigten noch gänzlich absehbaren Auswirkungen der Informatik auf den Menschen, auf wichtige Grundrechte wie Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung, das sind Fragen, die Broy nicht zur Ruhe kommen lassen.

Seit seiner Emeritierung bringt er nun sein Gespür für technologische Trends, die er einerseits „rasch aufspüren und befördern“, andererseits „gesellschaftlich vertretbar machen“ möchte, als Gründungspräsident des Zentrum Digitalisierung.Bayern in Garching ein. Intensiv kann er sich dort eben denjenigen Schlüsselthemen widmen, die ihn so sehr umtreiben: der digitalen Transformation an Hochschulen, Unis, in Unternehmen und deren Ausgestaltung auch im Hinblick auf den konkurrenzfähigen und erfolgreichen Aufbruch Bayerns ins vierte industrielle Zeitalter. „Ich bin nicht im Ruhestand“, so der Emeritus of Excellence, „ich habe einen Fulltimejob. Jetzt kann ich mich auf die wesentlichen Fragen konzentrieren.“