Umweltstiftungs-Vorstand Lutz Spandau

„Umweltschutz soll Spaß machen“

Seinen Job betrachtet TUM Alumnus Lutz Spandau als Berufung. Sein Erfolg als Vorstand der Allianz Umweltstiftung basiert auf seiner tiefen Überzeugung für die Sache und dem Fachwissen und den Managementkompetenzen, die ihm die TUM mit auf den Weg gab.

Seit fast dreißig Jahren ist Lutz Spandau Vorstand der Allianz Umweltstiftung. Das Amt ist für den promovierten Landschaftsökologen kein Beruf, sondern die Berufung schlechthin. Umweltschutz betrachtet er nicht unter dem Vorzeichen einer unausweichlichen Katastrophe wie es manche mediale Berichterstattung nahelegt. Lutz Spandau freut sich lieber über das bereits Geschaffte: etwa über die zunehmende Population freilebender Wildtiere in Deutschland, von den Steinadlern in Bayern über Elche und Wölfe in Brandenburg bis hin zu Luchsen in Sachsen-Anhalt. Seine Begeisterung für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz ist so ansteckend wie bewundernswert.

Als Vorstand der Allianz Umweltstiftung kann er nicht nur das machen, wofür er so sehr brennt, die Schöpfung bewahren, sondern auch das, was er so gut kann: Managen. Den großen Überblick behalten, Themen, Menschen, Meinungen zusammenführen, Entscheidungen treffen, das macht Lutz Spandau richtig Spaß. Neben dem Fachwissen lernte er auch diese Fähigkeiten bei seinem Studium an der TUM. „Noch heute bin ich froh, glücklich und dankbar, hier studiert zu haben.“

Traumstudium

Eigentlich wollte Lutz Spandau Landschaftsgärtner werden. Doch wie sich schon nach kurzer Zeit herausstellte, sah er sich mehr deren Denken verpflichtet als er dem knietiefen Stehen im Schlamm beim Pflanzen von Bäumen zugetan war. Das Studium der Landschaftspflege – wie der Studiengang damals hieß – bot die matschfreie Variante für eine Beschäftigung mit der Thematik. „Die TUM hatte schon damals einen legendären Ruf“, erläutert Lutz Spandau seine Entscheidung für den Campus Weihenstephan. „Es hieß, dort bekäme man mit Abstand die beste Ausbildung in ganz Deutschland vermittelt.“

Lutz Spandau rechnete damit, sein Wissen im Studium primär zu vertiefen. Stattdessen konnte er es enorm in die Breite führen. Er war begeistert von der synergistisch und generalistisch ausgerichteten Forschung und Lehre am Wissenschaftszentrum Weihenstephan. Ob in Landschaftsökologie oder Landschaftsplanung, stets wurde sein Blick für die übergeordneten großen Zusammenhänge geschult, seine Fähigkeit, verschiedene Forschungsansätze und Disziplinen zu integrieren und in ihrem Zusammenwirken abzuschätzen. „Meine Zeit an der TUM war höchst erfüllend“, sagt er mit Nachdruck. „Das, was ich hier methodisch lernte, war nicht ausschließlich die Landschaftsplanung, sondern waren im Grunde die klassischen Managementkompetenzen.“

Traumjob

1991 wurde Lutz Spandau der erste Projektmanager der Allianz Umweltstiftung. Fünf Jahre lang wollte er die Stiftung aufbauen und sich dann als Landschaftsarchitekt selbstständig machen. „Der Job des Managers war wie auf mich zugeschnitten“, erinnert er sich an seine Anfangszeit. „Ich habe schnell gemerkt, dass diese Arbeit im Stiftungswesen mein Traumjob ist. Daher konnte ich die Umweltstiftung bis heute nicht verlassen.“

Nur im Schulterschluss mit den richtigen Partnern werden wir Antworten auf die komplexen und drängenden Fragen im Umweltbereich geben können.

Hunderte Experten verschiedener Disziplinen brachte er seither zusammen und holte nicht selten auch andere Stiftungen an Bord, um den Erfolg der Zukunftsprojekte sicherzustellen: Vom Bau des Mauerparks auf dem ehemaligen Grenzstreifen in Berlin über die Renaturierung des Neckarufers bei Stuttgart bis hin zum Schutz der Steinadler in Berchtesgaden. „Nur im Schulterschluss mit den richtigen Partnern werden wir Antworten auf die komplexen und drängenden Fragen im Umweltbereich geben können“, betont er. „Statt sektoraler Aktivitäten setze ich auf Interdisziplinarität und Kooperationen.“

Optimismus ist gefragt

Als 2006 der Studiengang Landschaftsarchitektur der TUM im Rahmen von Umstrukturierungsmaßnahmen eingestellt und ausschließlich an Fachhochschulen weitergeführt werden sollte, ergriff Lutz Spandau sofort die Initiative. Die Allianz Umweltstiftung rief die Stiftungsprofessur Strategie und Management der Landschaftsentwicklung ins Leben. „Es sind ja gerade die spezialisierten Generalisten, die dringend gebraucht werden“, sagt er. „Hierzu war der Lehrstuhl grundlegend wichtig. Ich gehe davon aus, dass dieser schon bald überrannt werden wird.“ Als Grund hierfür sieht Lutz Spandau das zunehmende Interesse und Engagement für Umwelt- und Klimaschutz vor allem unter jungen Menschen. „Ich finde, dass Bewegungen wie Fridays for Future eine sensationelle Entwicklung sind“, sagt er. „Sich losgelöst von Parteien für Umwelt- und Klimaschutz einzusetzen, ist toll!“

Pessimismus, Fatalismus und Weltuntergangstimmung hält Lutz Spandau bei diesen Themen aber nicht angebracht. „Ich empfehle trotz aller weltweiter Krisen jeden Tag die kleinen Erfolge zu sehen!“, bekräftigt er. Wenn sich junge Menschen für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen, dann sollen sie das mit Lebensfreude, mit Spaß und mit Begeisterung tun. „Umweltschutz soll Spaß machen!“