Flugtaxipionier Daniel Wiegand

„Bald werden fliegende Taxis normal sein“

Daniel Wiegand will die Mobilität revolutionieren. Schon in wenigen Jahren soll jeder mit dem weltweit ersten senkrechtstartendenden Elektro-Jet reisen können. Um seine Zukunftsvision umsetzen zu können, holt er die besten TUM-Alumni in sein Start-up.

Daniel Wiegand hat sich schon früh für Luftfahrt interessiert. Mit elf Jahren baute er Modellflieger mit Elektromotor, mit vierzehn Jahren steuerte er zum ersten Mal ein Segelflugzeug. Für die Entwicklung eines adaptiven Tragflügels gewann er bei Jugend forscht den ersten Preis. „Ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik lag also nicht fern“, so der gebürtige Tübinger. „München habe ich ausgewählt, da die TUM zu den Universitäten mit dem besten Ruf zählt und ich die Stadt zum Leben sehr interessant fand.“

An seine Studienzeit an der TUM erinnert sich Daniel Wiegand gerne zurück. „Am meisten schöpfe ich heute noch von den Erfahrungen, wo wir wirklich etwas gebaut haben“, sagt er. Er erinnert sich an solarbetriebene Turboverdichter, Elektrotriebwerke und schmunzelnd an den größten Papierflieger seiner Studienzeit mit einem Meter Spannweite, der leise in Richtung eines überraschten Professors schwebte.

Der Traum vom Fliegen

Auch während seines Auslandssemesters 2013 in Glasgow ließ Daniel Wiegand seine Leidenschaft, das Fliegen und Flugantriebe nicht los. Doch statt eines papiernen Flugobjekts kam ihm dort die Idee eines senkrechtstartenden Elektrojets für den Individualverkehr. Er begann seine Idee durchzurechnen, erst aus Spaß, dann immer ernsthafter. Zurück in München gründete er zuerst ein Team, dann ein Start-up.

Wir wollen kein Luxusprodukt nur für reiche Leute anbieten, sondern ein Problem der Gesellschaft lösen.

Zwar musste Daniel Wiegand zunächst seine Mitstreiter von seiner visionären Idee überzeugen. „Am Anfang hielten sie mich für verrückt“, wie er sich erinnert. Doch dann unterbrachen TUM Alumni Sebastian Born (Master Entwicklung und Konstruktion 2012) und Matthias Meiner (Diplom Mechatronik & Info 2014) sogar ihre Doktorarbeiten, um gemeinsam mit ihm und Patrick Nathen (Master Aerospace Engineering 2012) das Start-up Lilium gründen.

Senkrechtstarter

Seit der Gründung Anfang 2015 starteten die vier jungen Ingenieure mindestens genauso durch wie ihr energieeffizienter Senkrechtstarter. Noch im Gründungsjahr gewann das Unternehmen die Europäische Weltraumorganisation als Unterstützer und schickte den ersten Prototyp in die Luft. Frank Thelen, bekannter Investor der RTL-Show „Die Höhle der Löwen“, Skype-Gründer Niklas Zennström sowie Tencent, LGT und Obvious Ventures stiegen daraufhin in das Unternehmen ein. Selten hat ein Start-up aus Europa so viel Geld eingesammelt. Insgesamt konnte Lilium 100 Millionen Euro Beteiligungskapital akquirieren.

Die Zukunft des Fliegens

Das Wichtigste, so Daniel Wiegand, das er durch die Gründung gelernt habe, sei ein unglaublich positiver Blick auf die Zukunft und das Gefühl, gestalten zu können. Noch 2019 soll der erste voll funktionsfähige Jet abheben. 2025 wird der Lilium Airtaxi Service den Menschen bereits in mehreren Städten weltweit zur Verfügung stehen. Mit einer Geschwindigkeit von 300 Kilometer pro Stunde sollen dann fünf Passagiere bis zu 300 Kilometer weit reisen können – ohne Stau, ohne aufwendige Infrastruktur, im Reiseflug fast lautlos und mit klimafreundlicher Energie. „Wir wollen kein Luxusprodukt nur für reiche Leute anbieten, sondern ein Problem der Gesellschaft lösen“, so Daniel Wiegand zu seiner Vision. „Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt. Der Lilium Jet erweitert den persönlichen Lebensradius um das Fünffache.“

Schneller als Boeing, Airbus und Uber

Auf dem Flugtaxi-Markt herrscht ein harter Wettbewerb. Daniel Wiegand ist ganz vorne mit dabei. Technologisch haben er und sein Team mit ihrem emissionsfreien Senkrechtstarter das anspruchsvollste Produkt. Gegenüber Großkonzernen haben sie einen entscheidenden Vorteil: Schnelligkeit. „Wir haben kurze Entscheidungswege. Ich bin noch Geschäftsführer und leitender Ingenieur zugleich“, so Daniel Wiegand. Zudem holt sich das Münchner Start-up einen Profi nach dem anderen an Bord, ob von Tesla, Airbus, BMW – und nicht zuletzt regelmäßig von der TUM. „Zu sehen, wie so viele hoch motivierte und brillante Menschen aus allen Ecken der Welt zusammen ein Ziel verfolgen, ist unglaublich inspirierend“, so sagt er. „Die Stimmung in unserem Projekt ist einfach mitreißend.“