Umweltschutzexpertin Lilian Busse

„Seit dem Studium fasziniert mich das Thema Wasser“

Dr. Lilian Busse will das größte Ökosystem der Erde schützen: das Wasser. Das Rüstzeug dafür eignete sich die Biologin während ihres Studiums an der TUM an. Nach vielen Jahren Engagement im Wasserschutz in den USA ist sie heute in leitender Position am deutschen Umweltbundesamt tätig.

An jede einzelne Exkursion erinnert sie sich gerne. Nach Griechenland, in die Bayerischen Berge, in die Toskana oder an den Vierwaldstätter See führten Lilian Busse ihre Seminare im Rahmen ihres Biologiestudiums an der TUM und jedes Mal sei es sehr lehrreich gewesen. Im vierten Semester schließlich entdeckte sie die Limnologische Forschungsstation in Iffeldorf an den Osterseen. Hier werden Studierende seit über 30 Jahren zu Forschungstauchern ausgebildet und international beachtete Forschungsprojekte durchgeführt. Lilian Busse half in den neunziger Jahren beim Ausbau der Station mit, absolvierte Praktika und schrieb dort ihre Diplomarbeit. „Die Osterseen haben mich seitdem nicht mehr losgelassen, noch heute besuche ich sie regelmäßig“, erzählt Lilian Busse. Umso mehr freut sie sich, dass sie in diesem Semester mit einem Lehrauftrag an die TUM und an die Forschungsstation zurückkehren kann.

Von Iffeldorf in die USA

Doch nicht nur die Osterseen begleiten Lilian Busse seit ihrem Studium. Auch das Thema Wasser und Wasserschutz ist seit ihrer Zeit an der TUM eine Konstante im Leben der promovierten Biologin. „Was gibt es Schöneres als auf einen bayerischen Voralpensee, einen schönen Bergbach oder das kalifornische Meer bei Sonnenuntergang zu schauen?“, fragt Lilian Busse und ist sich sicher: „Wasser ist unser wichtigstes Gut. Das gilt es zu schützen.“

Für den Wasserschutz hat sich Lilian Busse mittlerweile an vielen Stellen eingesetzt: Nach ihrem Studium an der TUM promovierte sie in Berlin und kam mit einem Postdoc-Stipendium an die University of California in Santa Barbara. Von 2002 bis 2006 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Scripps Institution of Oceanography in San Diego tätig, einem der ältesten, größten und bedeutendsten Zentren für Meeresforschung auf der Welt. Danach bekam sie ein interessantes Angebot der kalifornischen Umweltbehörde. Im Mittelpunkt ihrer Aufgaben stand hier wieder der Wasserschutz.

Ich habe erlebt, was es heißt, mit wenig Wasser zu leben.

Durch die jahrelange Dürre in Südkalifornien konnte sie selbst miterleben, was es heißt, mit wenig Wasser zu leben. „Wir haben Fließgewässer untersucht, die monatelang ausgetrocknet waren“, erzählt Lilian Busse. Während in Deutschland das Vorsorgeprinzip im Umweltschutz gelte, sei in den USA nach wie vor das ‚Nachsorgeprinzip‘ verankert. Um Umweltprobleme kümmere man sich dort meist erst nachdem sie entstanden seien. Aufregend sei gewesen, dass sie bei ihrer Arbeit in den USA immer wieder verschiedene Interessengruppen und auch die starke Landwirtschaftslobby in die Entscheidungsprozesse einbinden und gekonnt vermitteln musste.

„Ich hatte geplant, nur ein Jahr in den USA zu bleiben, aber die Aufgaben waren so vielfältig, die Herausforderungen so spannend und der oft ungebremste Optimismus der Amerikaner unheimlich ansteckend“, erzählt Busse. So kam es, dass aus einem schließlich 17 Jahre in den Vereinigten Staaten wurden. Mittlerweile besitzen Lilian Busse und ihr Mann beide die doppelte Staatsbürgerschaft, die beiden Kinder des Paares sind größtenteils in den USA aufgewachsen.

Zurück in die Heimat

Trotzdem erwachte in Lilian Busse irgendwann der Wunsch, wieder in die Heimat zurückzukehren. „Wir haben die europäischen Kultur vermisst, und wir wollten wieder näher bei unseren Familien sein“, erklärt die Biologin. Eine ausgeschriebene Stelle in Deutschland bot sich förmlich an: Seit 2015 leitet Lilian Busse einen Fachbereich am Umweltbundesamt in Dessau. Dort ist sie für den Schutz von Gewässern und Böden sowie saubere Luft und sauberes Trinkwasser zuständig. Mit ihren wissenschaftlich gewonnen Kenntnissen berät sie die Politik bei wichtigen Entscheidungen. „Eigentlich bin ich der Wissenschaft also immer treu geblieben, nur halt nicht an der Universität“, so Busse. Sie wünscht sich, dass die Gesellschaft es schafft, in den nächsten Jahrzehnten die Gewässer in einen guten Zustand zu bringen und dass sie alles daran setzt, die Ressource Wasser auch für den Menschen zu schützen. „Und ich würde mich freuen, wenn meine Kinder auf ihrem Lebensweg etwas finden, das sie so begeistert, wie mich das Wasser.“