Informatikerin Lachana Hada

„Ich konnte selbst entscheiden, was ich will“

In Deutschland ist TUM Alumna Lachana Hada Softwareingenieurin bei einem Start-up. In Nepal bringt sie Frauen das Programmieren bei. In beiden Ländern will sie beweisen, dass das Geschlecht nichts damit zu tun hat, was man kann und was nicht.

Lachana Hada liebt Informatik. Dementsprechend erfolgreich ist sie auch. Schon als Werkstudentin programmierte sie für die Intel Corporation und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Heute entwickelt die TUM Alumna für das TUM-Spin-off Laralab zukunftsweisende Software für die Herzchirurgie.

Im eher männerdominierten Bereich der Informatik hat es die gebürtige Nepalesin selbst in Deutschland nicht immer leicht. Manchmal wird sie gefragt, ob sie die Quotenfrau im Team sei. „Es ist mir egal, was die Leute denken“, sagt sie. „Wenn jemand meint, dass ich aufgrund meines Geschlechts nicht gut in meinem Job bin, dann ist das für mich nur eine weitere Gelegenheit dazu, das Gegenteil zu beweisen.“

Das Ziel vor Augen

In ihrer Heimat Nepal sieht die Situation für Frauen dagegen anders aus. Bildung ist dort für arme Familien eine untragbare finanzielle Belastung. Wenn Mädchen überhaupt zur Schule geschickt werden, dann haben sie Glück. Lachana Hada hatte großes Glück. Ihre Eltern setzten alles daran, dass sie Zugang zu guter Bildung erhielt. An der SOS-Schule Hermann Gmeiner konnte sie lernen und war eine so gute Schülerin, dass das SOS-Kinderdorf entschied, sie während ihres Studiums in Deutschland mit einem Stipendium weiter zu unterstützen. 2011 hatte sie ihren Bachelor in Elektrotechnik und Informatik von der Jacobs Universität in Bremen in der Tasche. Dann ging sie für ihren Master nach München an die TUM.

Ich habe Informatik studiert, weil ich mit diesem Wissen Nepal und seinen Menschen helfen kann.

„Das Wachstumspotenzial und die Innovationsmöglichkeiten in den Bereichen der Elektrotechnik und Informatik sind schier endlos“, sagt Lachana Hada. „Ich habe Informatik studiert, weil ich mit diesem Wissen insbesondere in einem unterentwickelten Land wie Nepal etwas bewirken und dem Land und seinen Menschen helfen kann.“

Viel mehr als Informatik

Noch im Jahr ihres Masterabschlusses rief Lachana Hada gemeinsam mit der Women Development Society und dem Software-Unternehmen Naya Yatra in Nepal die Initiative der Coder Girls – mittlerweile Impacters – ins Leben. In mehrtägigen Workshops erhalten Schülerinnen und Studentinnen von der selbstbewussten Softwareingenieurin Einblicke in die vielfältigen Anwendungsgebiete der Informatik. Gemeinsam überlegen sie sich unter anderem, wie künstliche Intelligenz das Verkehrsproblem in Kathmandu lösen oder mithilfe biometrischer Verfahren verschiedene Tiere unterscheiden und kategorisieren kann. Gebastelt wird aber auch an kleinen Mini-Robotern, die Fußball spielen.

Lachana Hadas Anliegen ist keineswegs damit beendet, jungen Frauen das Programmieren beizubringen. Ihre Vision ist es nicht nur, das Schulsystem in Nepal zu verbessern. Sie möchte vielmehr das gesamte Gesellschaftssystem verändern. Sie will alte Rollenmuster aufbrechen und den Frauen ein ganz neues Selbstwertgefühl mit auf den Weg geben. „Ich selbst hatte die Chance, meine Karriere an meinen Interessen auszurichten. Ich konnte entscheiden, was ich will und was nicht“, sagt sie. „Für junge Frauen in Nepal gilt das meist nicht. Dort redet man ihnen ein, dass sie besser für Hausarbeit und Care-Tätigkeiten geeignet sind als für die Mathematik und die Ingenieurwissenschaften.“ Lachana Hada ist davon überzeugt, dass die jungen Mädchen in ihrer Heimat die Möglichkeit und das Selbstbewusstsein brauchen, um neue Dinge auszuprobieren und vor allem Vorbilder benötigen, die ihnen vorleben, wie sie sich von den stereotypen Rollenklischees befreien können. Sie selbst gibt dafür das beste Beispiel ab.