Olympiasieger Klaus Wolfermann

„Der liebe Gott hat mir einen unheimlichen Ehrgeiz gegeben“

Nur zwei Zentimeter. Mehr brauchte TUM Alumnus Klaus Wolfermann nicht zum Sieg. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München bezwang der Speerwerfer den lettischen Favoriten, durfte mit Gold nach Hause gehen und schrieb Sportgeschichte.

Schon von Kindesbeinen an war Klaus Wolfermann vom Sport fasziniert. Sein Vater, ein Schmied, war gleichzeitig ein erfolgreicher Turner, der seinen Sohn immer zum Training mitnahm. „Von da an war Sport mein Lebenselixier“, so Klaus Wolfermann. „Ich wollte herausfinden, welche Fähigkeiten mir mitgegeben wurden und wie weit ich gehen kann.“ Vom Turnen kam Klaus Wolfermann über den Handball zum Fünf- und Zehnkampf und damit zum Speerwurf.

Studium in München

Nach seiner Ausbildung als Werkzeugmacher in Nürnberg setzte er sich das Ziel zum Sportlehrer-Studium nach München zu gehen. 1965 kam er an die Bayerische Sportakademie, die 1972 in die TUM integriert wurde. Seit seiner Jugend und auch im Sport-Studium ging Klaus Wolfermann gerne bis an die Grenzen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit und darüber hinaus. Nach dem Studium nahm der Speerwerfer eine Anstellung als Sportlehrer beim SV Gendorf an. Dort konnte er neben dem Beruf sein Hobby, den Leistungssport, weiter betreiben. „Mein Training konnte ich zweimal pro Tag durchführen: vor der Arbeit zwei Stunden, nach der Arbeit zwei oder zweieinhalb Stunden.“ Dank dieses ehrgeizigen Programms und seiner sehr guten Leistungen konnte Klaus Wolfermann bereits 1968 an der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Mexiko teilnehmen: „Leider bin ich da drüben als Dreizehnter ausgeschieden – die ersten 12 kommen weiter.“

Ich bin da durchmarschiert wie ein Verrückter.

Vier Jahre später war das anders: Bei den Olympischen Spielen 1972 in seiner Studienstadt München, durfte Klaus Wolfermann werfen. Mit nur zwei Zentimetern Vorsprung besiegte er seinen größten Rivalen, den Letten Jānis Lūsis. „Ich war an dem Tag sowas von motiviert, unheimlich konzentriert. Ich habe die Klappen runter gehabt und bin da durchmarschiert wie ein Verrückter“, erinnert sich Klaus Wolfermann an die entscheidenden Minuten. Nach seinem Sieg sei er zuerst zu Jānis Lūsis gegangen und habe sich dafür entschuldigt, dass er gewonnen habe. „Man hat gemerkt, dass er enttäuscht war, keine Frage, aber er hat es mit Würde getragen wie ein ganz großer Wettkämpfer. Seitdem sind wir Freunde.“

Einsatz für Kinderorganspende

Nach seiner aktiven Sportlerkarriere war Klaus Wolfermann 13 Jahre lang sehr erfolgreich bei Puma als Promotionsleiter tätig. Danach hat er eine eigene Agentur gegründet. Mit dieser organisiert er bis heute Veranstaltungen, vor allem für die KiO-Kinderhilfe Organtransplantation. Durch seine leidenschaftliche Art schafft er es prominente Medaillengewinner wie den ehemaligen Handballprofi Heiner Brand und die Hochspringerin Ulrike Nasse-Meyfahrt für den guten Zweck zu begeistern. „Ich profitiere von einer Gemeinschaft ehemaliger Sportler, die sich sehr engagieren. Bei jeder Veranstaltung habe ich zwischen acht und 15 dieser prominenten Zeitgenossen, die mich unterstützen“, so Klaus Wolfermann stolz. Er freut sich, mit seiner Tätigkeit anderen helfen zu können. „Wenn man sieht, wie Kinder nach einer erfolgreichen Organtransplantation wieder alles machen können, auch Sport, mit glänzenden Augen, das ist fantastisch.“