Klimaresilienzmanagerin Katharina Schätz

„Ich lasse mich von meinen Fragen leiten“

Wie kann die Lebensqualität in Städten trotz immer extremerer Klimaereignisse erhalten werden? Diese Frage treibt Katharina Schätz seit ihrem Landschaftsplanung-Studium an der TUM um. Als Klimaresilienzmanagerin von Regensburg will sie Antworten finden.  

Regensburg ist sichtlich stolz auf seine neue Klimaresilienzmanagerin. In einer eigens einberufenen Pressekonferenz  stellt der dritte Bürgermeister Jürgen Huber Katharina Schätz im November 2018  der interessierten Öffentlichkeit vor. „Was da los war, hat mich echt überrascht“ erzählt die 30-Jährige drei Monate später. Doch zeigt es, für wie wichtig ihre neue Aufgabe erachtet wird. Als Klimaresilienzmanagerin – Regensburg hat als erste Stadt diesen Titel gewählt, in anderen Städten wird von Klimaanpassungsmanager/in gesprochen – soll Katharina Schätz die Stadt an der Donau gegen die Auswirkungen des Klimawandels wappnen. Eine dringliche und komplexe Aufgabe, gerade vor dem Hintergrund der extremen Wetterereignisse des Jahres 2018.

Das Gefühl von Pionierarbeit

Doch genau diese Herausforderung ist es, die Katharina Schätz reizt. „Für mich ist es meine Traumstelle“, erzählt sie. „Denn hier darf ich das tun, was ich schon immer am liebsten getan habe: Antworten auf Fragen finden, auf die es bisher keine oder keine eindeutigen Antworten gibt. Davon habe ich mich schon seit meiner Schulzeit leiten lassen.“

Finden muss Katharina Schätz nun eine Strategie, wie die Stadt Regensburg sich vor den Auswirkungen des Klimawandels, etwa in Form von Starkregen oder extremer Hitze, am besten schützen kann. „Es fühlt sich für mich an, als könne ich hier Pionierarbeit leisten. Es gibt keine vorgefertigten Muster und es liegt in meiner Hand, die Dinge in die richtige Richtung zu lenken“, sagt die junge Frau. Die Komplexität der Aufgabe – angefangen davon, dass jede Stadt individuell ist, bis zu der Tatsache, dass eine Vielzahl von Akteuren berücksichtigt und einbezogen werden muss – schreckt sie nicht.

Wenn eine gute Kommunikation mit allen Beteiligten gelingt, ist die Basis für Veränderung da.

Die Arbeit sei sehr interdisziplinär und erfordere vor allem ihre Kompetenz als Vermittlerin, so Katharina Schätz. „Es wird nicht funktionieren, eine Strategie zu entwickeln und sie jemandem drüberstülpen“, ist sie sich bewusst. Denn: die beste Strategie helfe nichts, wenn nicht alle Beteiligten mitgenommen würden. „Die gute Kommunikation ist entscheidend. Ich muss die verschiedensten Ämter, Experten und, ganz wichtig, die Bevölkerung miteinbeziehen und mitnehmen. Wenn das gelingt, ist die Basis da, etwas zu verändern.“ Die ersten Wochen in der neuen Position stimmen sie positiv: „Ich habe das Gefühl, dass ein großes Bewusstsein für die Thematik da ist. Seit dem Jahr 2018 ist jedem klar, dass etwas getan werden muss.“

Gut vorbereitet durch das Studium an der TUM

Reichlich schöpfen kann Katharina Schätz aus ihrem Studium der Landschaftsplanung und -architektur an der TUM in Freising. „Das Studium war thematisch sehr vielfältig. Ich kann auf vieles zurückgreifen und habe an vielen Stellen Anknüpfungspunkte“, erzählt sie. So helfe es etwa beim heutigen Kontakt mit dem Tiefbauamt, dass es im Studium ein Fach wie Wasserbau gab. „Das breit gefächerte Spektrum, das mir das Studium vermittelt hat, bereichert mich sehr“, so Schätz. Auch ihr Mentor Dr. Herbert Hoffmann ist ihr bis heute eine Stütze. „Der Austausch mit ihm ist für mich sehr hilfreich. Auch beim Finden meines Weges hat er mich immer unterstützt.“

Katharina Schätz mit ihrem Mentor Dr. Herbert Hoffmann (Diplom Brauwesen und Getränketechnologie 1972, Promotion 1975) während ihres Mentorats 2013/14.

Katharina Schätz mit ihrem Mentor Dr. Herbert Hoffmann (Diplom Brauwesen und Getränketechnologie 1972, Promotion 1975) während ihres Mentorats 2013/14 (Foto: Magdalena Jooß/TUM).

Dass dieser Weg sich in die jetzige Richtung entwickelt, war laut Katharina Schätz nicht unbedingt absehbar. „Ich habe mir damals eher ein Nischenthema rausgesucht, einfach, weil es das war, was mich interessierte. Dass mein persönliches Interesse heute auch in dem Maße ein gesellschaftliches Interesse ist, war zu dieser Zeit nicht klar. Mit dem Entschluss, meinen Schwerpunkt auf Stadtklima zu setzen, bin ich einen ungewöhnlichen, aber für mich stimmigen Weg gegangen.“ Dabei hat sie auch keine Scheu, „etwas zu machen, wo man noch nicht weiß, wie das läuft.“ So hat Katharina Schätz etwa 2010 versucht, durch Mikroklimasimulationen mehr Wissen zu dem Thema zu generieren. „Zunächst hat mir so mancher davon abgeraten, das zu machen – es sei zu kompliziert und nicht klar, ob es klappt… Ich habe es trotzdem gemacht und mich durchgebissen. Aus der Notwendigkeit und meinem eigenen Interesse heraus.“

Dass sie ihren Leidenschaften gefolgt ist und nie aufgehört hat, Antworten auf bislang unbeantwortete Fragen zu finden, ist für die junge Frau ein Glücksfall. Denn heute weiß sie: „Ich war mutig und dieser Mut hat sich gelohnt.“