TUM Emeritus of Excellence Karl-Heinz Schleifer

„Die Mikroorganismen erweckten den Forscher in mir“

Staphylococcus schleiferi ist ein kleines Lebewesen, ein Bakterium. Seinen stolzen Namen verdankt es TUM Alumnus Karl-Heinz Schleifer. Doch um ein Haar wären Staphylococcus schleiferi und einige andere Winzlinge unter einem ganz anderen Namen bekannt geworden.

Als Karl-Heinz Schleifer sein Studium 1959 an der TUM begann, wollte er eigentlich Lehrer werden für das Gymnasium in Biologie, Chemie und Geografie. Doch wie so oft, sind es Zufälle, die uns unerwartete und neue Wege einschlagen lassen. So führte Karl-Heinz Schleifers Landkarte ihn über den Weg des Lehramtsstudiums – glücklicherweise – in die Forscherwelt der Mikrobiologie.

Entscheidend dafür war seine Zulassungsarbeit zum Staatsexamen. Fast ein Jahr verbrachte er dafür im Labor. Zusammen mit Kommilitonen experimentierte er eifrig und enthusiastisch mit Mikroorganismen. „Diese Momente begeisterten mich so, dass ich mein Staatsexamen am liebsten beiseitegelegt hätte. Ich wollte sofort mit der Promotion beginnen“, erzählt er.

Ab diesem Zeitpunkt war Karl-Heinz Schleifer infiziert. Er machte zwar noch sein Staatsexamen, verzichtete aber auf sein Referendariat und begann direkt zu forschen. Bereits zweieinhalb Jahre später war er promoviert –„summa cum laude“. Der Beginn einer herausragenden Wissenschaftskarriere, die Karl-Heinz Schleifer zu einem der meist zitierten Mikrobiologen weltweit machte.

 

Spitze in der Mikrobenforschung

Begeisterung war von nun an sein entscheidender Antrieb. Er tauchte ein in die vielfältige Welt der Mikroben, machte Fortschritte von weltweiter Bedeutung und die TUM damit zu einem Spitzenreiter der Mikrobiologie. Mikroben, das sind Mikroorganismen – also winzige Lebewesen, die zum Beispiel im Wasser oder gerne auch auf und in unseren Körpern zuhause sind. Bakterien, Pilze und Viren fallen darunter. Karl-Heinz Schleifer entdeckte viele dieser bis dato unbekannten Winzlinge. Neben Staphylococcus schleiferi wurden so beispielsweise auch Schleiferia thermophila, Microbacterium schleiferi und Schleiferella Mitglieder der Schleiferschen Familie.

Familienmitglieder wurden aber nicht nur die kleinen Lebewesen, sondern auch Vertreter des Homo Sapiens, nämlich Karl-Heinz Schleifers zahlreiche Mitarbeitende. Zusammenarbeit und Miteinander waren ihm immer wichtig. Seinem Team und ihm gelang so auch die Entwicklung einer höchst innovativen Technologie, die der mikrobiellen Gensonden. Sie waren die ersten Wissenschaftler in Europa, die Gensonden anwendeten, um Bakterien unmittelbar beispielsweise in Abwasser oder Lebensmitteln nachzuweisen. Die Kultivierung von Mikroben im Labor wurde dadurch überflüssig – eine enorme Effizienzsteigerung.

Nur wer mit der nötigen Begeisterung hinter seiner Arbeit steht, kann auch entsprechend erfolgreich sein.

Begeisterung ist der Schlüssel zum Erfolg

Begeistern konnte Karl-Heinz Schleifer auch immer seine Schülerinnen und Schüler. Die Zahlen sprechen für sich. 115 Doktoranden führte er erfolgreich zur Promotion. „Dreizehn meiner ehemaligen Mitarbeiter sind heute Professoren, fünf davon an ausländischen Universitäten“, sagt er stolz. Sicherlich liegt das auch daran, dass Karl-Heinz Schleifer einer ist, der seine Erfahrungen gerne teilt und Studierenden, Promovierenden und vor allem Habilitierenden jederzeit mit hilfreichen Tipps zur Seite steht.

Einer seiner generellen Ratschläge basiert auf seinem eigenen Umweg über das Lehramtsstudium: „Studierenden rate ich immer: Entscheiden Sie sich möglichst früh für ein Fachgebiet, das am besten mit Ihren Interessen übereinstimmt.“ Denn Schleifer ist davon überzeugt, dass Erfolg nur dann möglich ist, wenn Begeisterung hinter der Arbeit steckt.

Und was ist mit Staphylococcus schleiferis kleinen Verwandten? Mit der richtigen Portion Leidenschaft steht dem akademischen Nachwuchs sicherlich fast nichts mehr im Wege, in Zukunft ebenfalls Namensgeber für diese winzigen Lebewesen zu werden.