Gründer Valentin Kahl und Roman Zantl

„Einen Beitrag leisten, um schwere Krankheiten besser zu verstehen“

TUM Alumni Valentin Kahl und Roman Zantl gründeten direkt nach ihrer Promotion ihr Unternehmen. Heute zählt dies zu den führenden Anbietern für Systeme, die es ermöglichen, Zellen unter fast lebensnahen Bedingungen zu analysieren.

Eine Zelle verhält sich außerhalb des menschlichen Organismus anders als darin. TUM Alumni Valentin Kahl und Roman Zantl gelang es, Systeme zu entwickeln, die es ermöglichen, Zellen unter nahezu lebensechten Bedingungen zu analysieren. Gebraucht wird dieses Wissen etwa in der Virologieforschung und überall dort, wo Wissenschaftler verstehen möchten, wie zum Beispiel Viren in Zellen eindringen und sich vermehren. „Je mehr die Wissenschaft über Zellen lernt, desto effektiver können neue Medikamente entwickelt werden“, erklärt Roman Zantl. Und je näher man in der Zellforschung an das Original herankommt, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse.

Immer auf Augenhöhe

Gefunden hat sich das Gründerteam vor knapp zwanzig Jahren am TUM Lehrstuhl für Biophysik, wo beide zur gleichen Zeit promovierten. „Geprägt hat mich der Lehrstuhl von Professor Erich Sackmann, der sehr international vernetzt war, mit vielen Kooperationen und einem sehr guten Zusammenhalt“, erinnert sich Valentin Kahl. Das nötige Handwerkszeug habe die TUM mitgegeben, ergänzt Roman Zantl, beginnend beim Rechnen bis hin zu den experimentellen Vorlesungen. Und auch menschlich bleibe ihm die TUM und besonders Erich Sackmann in bester Erinnerung: „Trotz offensichtlich mehr Kenntnissen auf der anderen Seite fühlte ich mich ohne Einschränkungen auf Augenhöhe behandelt.“

Wann sonst, wenn nicht direkt nach dem Studium gründen.

Befeuert durch die Unterstützung des Lehrstuhls am Münchener Businessplan-Wettbewerb teilzunehmen, aber auch durch den allgemein herrschenden Gründerboom um die Jahrtausendwende, entschieden sich Kahl und Zantl dazu, selbst zu gründen. Geradewegs nach der Promotion taten sie sich zusammen: „Wann sonst, wenn nicht direkt nach dem Studium gründen“, sagt Valentin Kahl. „In dieser Lebensphase hat man meistens noch keine familiären Verpflichtungen oder muss eine gut dotierte Stelle kündigen. Ich persönlich finde es mutiger aus dem aktiven Berufsleben heraus zu kündigen, um dann zu gründen.“ 2001 war die ibidi GmbH als Ausgründung der TUM und des Center for Nanoscience der LMU München entstanden.

Das Unternehmen wuchs über die Jahre, erhielt zahlreiche Innovationspreise und ist heute führend unter den Biotech-Unternehmen. Was die Gründer in all den Jahren motiviert: „Einen Beitrag dafür zu leisten, um schwere Krankheiten besser zu verstehen und damit auch besser behandeln zu können“, sagt Valentin Kahl. Denn obwohl das Verständnis und das Wissen über biologische Vorgänge stetig wachsen, gebe es immer noch zahlreiche Krankheiten, die großes Leid brächten. „Die Grundwerkzeuge zu liefern und damit Teil einer Lösung zu sein, treibt uns an.“

Ausgeprägter Gründergeist

Neben der Begeisterung für ihre Entwicklung kommt bei Kahl und Zantl ein ausgeprägter Gründergeist hinzu. Valentin Kahl interessierte sich bereits als Kind für die Firmenabläufe im familiären Umfeld und kam zu dem Schluss, dass man als Unternehmer die größten Gestaltungsmöglichkeiten habe. Mitgründer Roman Zantl pflichtet bei: „Mir gefiel schon immer der Ansatz des Unternehmers, selbst über sein Leben bestimmen zu können.“ Gemeinsam bilden sie ein Team, dass seine Talente optimal zusammenfügt: Während Valentin Kahl für die Bereiche Produktion, Verwaltung und Finanzen zuständig ist, kümmert sich Roman Zantl vorrangig um Forschung, Entwicklung und Vertrieb.

TUM-Absolventen, die sich mit dem Gedanken beschäftigen selbst zu gründen, rät Valentin Kahl: „Wenn das Gründungsteam ähnliche Vorstellung bezüglich der Firmenentwicklung hat, einfach machen.“ Nicht außer Acht lassen sollte man aber die Anforderungen des Marktes, ergänzt Roman Zantl: „Technologen sind häufig durch große Begeisterung für ihre Technologie und geringe Marktkenntnis gekennzeichnet. Ich rate deswegen dazu, schon vor und während der Gründung marktrelevante Fragen zu beantworten.“ Dazu gehörten etwa: Gibt es Bedarf für das angebotene Produkt? Bietet das Produkt verkaufsentscheidende Vorteile? Und wie ist die Konkurrenz? „Wer auf diese Fragen belastbare Antworten kennt, kann seine Technologie optimal einsetzen.“