TUM Emeritus of Excellence Joachim Heinzl

„Manches funktioniert, bevor man weiß warum“

Eigentlich wollte Joachim Heinzl Architekt werden. Doch er entschied sich für ein Maschinenbaustudium an der TUM. Seine bahnbrechenden Forschungen führten zur weltweiten Einführung der Tintendrucker.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges musste Professor Dr. Joachim Heinzl mit seinen Geschwistern und der Mutter aus Böhmen fliehen. Schließlich kam die Familie nach München, wo sie auch den aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Vater wiedersah. Nach dem Abitur wollte Joachim Heinzl Architekt werden. „Mein Vater meinte jedoch, es seien schon fast alle durch den Krieg zerstörten Gebäude wieder aufgebaut“, erinnert er sich. „Da entschied ich mich für das Maschinenwesen an der TUM.“ Auch diese Studienrichtung kam ihm gelegen. Schon als Schüler hatte er Mikroskope, Fernrohre und Tasteninstrumente gebaut und besuchte oft das Deutsche Museum.

1960 begann Joachim Heinzl das Studium des Maschinenbaus an der TUM. Er erinnert sich gut an seine Studentenzeit zurück. „Viele Hochschullehrer waren damals eindrucksvolle Persönlichkeiten“, sagt er. Tief beeindruckt hätte ihn vor allem TUM Alumnus und Professor Dr. Rudolf Koller (Diplom Maschinenwesen 1960, Promotion 1964) mit einer Übung zur Getriebelehre. Dieser war es auch, der Joachim Heinzl 1968 zu Siemens abwarb. Eigentlich sollte es ihm die Stelle ermöglichen, seine Doktorarbeit zur Hydraulik des Innenohrs und zu Hörtheorien rasch fertig zu stellen. Doch diese musste warten.

Pionier und Brückenbauer

Joachim Heinzl legte eine Blitzkarriere bei Siemens hin. Nach zwei Jahren wurde er Laborvorsteher, dann Laborgruppenleiter. Kein Wunder, denn die Arbeit im Zentrallabor für Datentechnik hatte ihm nicht nur sehr großen Spaß gemacht, ihm gelang durch seine Forschungen und Experimente auf dem Gebiet der Mikrotechnologie auch ein richtig großer Wurf. „Manches funktioniert, bevor man weiß warum“, erinnert er sich Joachim Heinzl schmunzelnd zurück. Mit einem kleinen Team entwickelte er den weltweit ersten Drop-on-Demand-Tintendrucker, bei dem Druckflüssigkeit nur auf Abruf abgegeben wird.

Bescheiden berichtet der Pionier der Tintendrucktechnik heute, wie überrascht er war, als er 1975 einen Ruf an die Duisburger Universität bekam. Angenommen aber hat er erst 1979 den Ruf an seine Alma Mater. Fast dreißig Jahre lang forschte er am TUM Lehrstuhl für Feingerätebau und Mikrotechnik am Tintendruck, aber auch mit rauscharmen aerostatischen Lagern, Ultrapräzisionsbearbeitung, Lasermesstechniken und Servoantriebstechnik.

Ich habe es sehr genossen, viele wunderbare und erfolgreiche Doktoranden an der TUM zu betreuen.

Seine enge Verbindung zur Wirtschaft und vor allem zu seinem früheren Arbeitgeber hat Joachim Heinzl nie aufgegeben. Jahrzehntelang beriet er das Unternehmen und konnte relevante Forschungsthemen vorschlagen, zu deren Bearbeitung ihm dann die nötigen Gelder zur Verfügung gestellt wurden. Zahlreiche Doktoranden konnten auf diese Weise an spannenden und hochaktuellen Themen arbeiten. „Ich habe es sehr genossen, viele wunderbare und erfolgreiche Doktoranden an der TUM zu betreuen“, erinnert sich Joachim Heinzl.

Er schuf eine für die Wissenschaft und Wirtschaft gleichermaßen gewinnbringende Koalition, durch die gute Ideen die nötige Finanzierung erhielten und als Innovationen ihren Weg in die Praxis finden konnten. Gemeinsam mit chinesischen Gastdozenten und deutschen Sinologen entwickelte er etwa ein intelligentes Textsystem für Chinesisch, das von Siemens in die Volksrepublik China ausgeliefert wurde. Drei TUM-Ausgründungen begleitete er als Mitgründer und Teilhaber, bei einer saß er sogar später im Aufsichtsrat.

Spaß muss es machen

Seit 2005 ist Joachim Heinzl emeritiert. Natürlich freut er sich, dass er nun mehr Zeit für Musik und Reisen rund ums Mittelmeer hat. Aber Brücken baut er immer noch. 2006 berief ihn die Staatskanzlei zum Präsidenten der Bayerischen Forschungsstiftung, der er sechs Jahre lang vorstand. Seit 2016 ist er darum bemüht, als Ombudsmann an der TUM gemeinsam mit TUM Emerita of Excellence Prof. Dr. Angelika Görg für die Wissenschaft Konflikte friedlich zu lösen.

Gerne und regelmäßig besucht er die Seminare seines Nachfolgers Professor Dr. Tim Lüth an der TUM und die Veranstaltungen der TUM Emeriti of Excellence, zu deren auserwähltem Kreis er nun zählt. „Es war eine Berufung in eine Runde von Gleichgesinnten, die noch viel für die Hochschule tun können“, sagt er. Wenn die Wissenschaft Spaß macht, kann man eben nicht aufhören. Joachim Heinzl gibt hierfür ein gutes Beispiel ab.