Rollstuhlbasketballerin Laura Fürst

„In der Liga spielen wir gemischt: Männer und Frauen, Menschen mit und ohne Handicap“

Laura Fürst sitzt im Rollstuhl und verbringt daher die meiste Zeit ihres Lebens im Sitzen. Trotzdem ist die Maschinenbau-Studentin extrem umtriebig, arbeitet an der Entwicklung eines Elektro-Autos für die Subsahara mit und holte so die Silbermedaille im Rollstuhlbasketball.

TUM-Masterstudentin Laura Fürst liebt den Sport. Während eines Schulaustauschjahres in den USA verunglückte sie mit einem Snowmobil und ist seither inkomplett querschnittsgelähmt. Zurück in Deutschland verbrachte sie fast fünf Monate in der Unfallklinik in Murnau. Dort lernte sie alles, was sie für den Alltag im Rollstuhl braucht. „Wir haben mehrere Ausflüge gemacht, z.B. mit einem Sporttherapeuten nach München, um Rolltreppe und U-Bahn fahren zu lernen.“

Und sie fand einen neuen Sport für sich. Eine Gruppe Rollstuhlbasketballer trainiert jede Woche in der Klinik. Daran teilnehmen zu können, hat Fürst viel gebracht: „Es macht dich halt fit. Wenn du für einen Sport trainierst, wirst du auch im Alltag fitter.“ Gerade am Anfang kosteten der Sport, aber auch der Alltag viel Kraft, die man erst aufbauen müsse: „Weil man die Kraft mit und aus den Armen so nicht gewohnt ist.“

„Jetzt wieder leben“

Was Laura Fürst bis heute an dem Sport am besten gefällt, ist, dass es ein Mannschaftssport ist. Das hat sie bereits in der Klinik zu schätzen gelernt. Denn gerade während ihrer ersten Zeit im Rollstuhl war es wichtig, mit der neuen Situation umgehen zu können. „Man lernt Leute kennen, die einem schlaue Tipps geben können. Damit baut sich ganz automatisch ein wertvolles Netzwerk auf.“ Der Sport hat ihr dabei geholfen, die Klinik guten Gewissens zu verlassen und mit dem Rollstuhl alleine gut im Alltag klarzukommen. „Es war dann aber auch irgendwann dieser Punkt, zu sagen: Jetzt Stop mit ReHa, jetzt wieder leben!“

Schon vor 30 Jahren haben Fußgänger mit Rollstuhlfahrern zusammen Rollstuhlbasketball gespielt.

Dem Sport ist die Studentin auch nach der Rückkehr in den Alltag treugeblieben. Inzwischen spielt sie in der Nationalmannschaft und für die Bundesligamannschaft des RBB München. Das Besondere am Rollstuhlbasketball ist, dass die unterschiedlichsten Menschen zusammen spielen. Für Laura Fürst ist Rollstuhlbasketball der inklusivste Sport überhaupt, auch wenn sie dieses Wort eigentlich nicht mag und auch selbst sonst nicht verwendet. Aber diese besondere Mischung ist so tatsächlich nur selten zu finden: Menschen verschiedener Nationen, Frauen und Männer, Rollstuhlfahrer und Gehende spielen gemeinsam als Team und kämpfen gemeinsam für den Sieg. „Auf dem Spielfeld kannst du dich einfach mit allen messen, und danach steigt der eine halt aus dem Rolli und läuft in die Kabine, und der andere nimmt seinen anderen Rolli in die Kabine mit. Und das gibt’s so gut bei keiner anderen Sportart.“

Singen und Tanzen in Rio

Obwohl Rollstuhlbasketball zu den bekanntesten und verbreitetsten Behinderten-Mannschaftssportarten zählt, ist der Sport nicht sehr bekannt. Bei den Spielen der Bundesliga sind oft nur etwa 100 Zuschauer anwesend, bei manchen Spielen bis zu 1000. Bei den Paralympics in Rio 2016 waren es aber schon ein paar mehr. „Wir hatten unser Eröffnungsspiel gegen Brasilien, da war die Halle voll. Das waren 15.000 Menschen, die alle erst einmal gegen uns waren“, erinnert sich Laura Fürst. „Aber sie waren am Schluss sehr faire Fans: Während des Spiels zwar gegen uns, aber danach sind alle zu uns gekommen und haben gratuliert. Sie haben getanzt und gesungen, das ist eine ganz andere Stimmung als in Deutschland.“ Im Endspiel mussten sie sich dann den Amerikanerinnen geschlagen geben, kehrten aber erfolgreich mit der Silber-Medaille zurück nach Deutschland. Für Laura Fürst war Rio ein ganz besonderes Erlebnis, von dem sie voller Begeisterung erzählt. „Das gesamte Ereignis was für mich sehr aufregend und man hat so viele neue Eindrücke gesammelt. Dass wir es bis ins Finale geschafft haben war einer tollen Mannschaftsleistung zu verdanken. Natürlich ist es bitter, das Finale zu verlieren aber die Freude über die gewonnene Silbermedaille hat schnell überwogen und erzeugt bei mir immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.“

Mannschaftsfoto mit Medaillen nach dem Spiel um Gold in Rio

Die Deutsche Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft beim Women’s Gold Medal Match in der Barra Riocentro (Foto: Andreas Joneck)

Ab April geht es wieder mit der Kadersichtung und Lehrgängen für die Nationalmannschaft los. So ziemlich jedes Wochenende und teilweise auch ganze Wochen lang wird trainiert. „Da haben wir eben dieses Jahr im Sommer das Highlight: die Weltmeisterschaft in Hamburg vom 16. bis 26. August.“ Neben der 1. Mannschaft, mit der sie in der Bundesliga spielt, hat Laura Fürst eine reine Frauenmannschaft gegründet: „Das ist so ein bisschen mein Baby, was ich aufgezogen hab, dass wir mit einer reinen Frauenmannschaft in der gemischten Liga spielen.“ In einer Frauenmannschaft zu spielen sei einfach anders. Ihr hilft es, das Jahr über auch in der Rolle zu spielen, die sie in der Nationalmannschaft hat. „Es ist einfach eine unterschiedliche Art zu spielen und mir tuts gut, beides zu haben.“

Ein Auto für die Subsahara

Damit sie sich im Sommer noch einmal ganz auf den Sport konzentrieren kann, bevor es an die Jobsuche geht, gibt sie im Mai ihre Masterarbeit ab. Dafür bereitet sie Erprobungsdaten aus Ghana auf, die für das aCar, ein Elektrofahrzeug für die Subsahara, gesammelt wurden, und arbeitet die daraus resultierenden Effekte für die E-Maschine und die Batterie heraus. „Es ist so eine schöne Mischung aus Theorie – die Datenauswertung – und einem realen Projekt. Das gefällt mir daran so gut.“ Besonders spannend findet sie, dass die Strecken und Straßen in Ghana ganz andere Anforderungen an die Fahrzeuge stellen, als hier in Deutschland. „Dort wird einfach nicht so schnell gefahren wie bei uns, weil die Straße das gar nicht hergibt.“ Mithilfe der Erprobungsdaten definiert sie die unterschiedlichen Bedingungen und entwickelt so das Projekt weiter. Grundsätzlich möchte sie im Bereich der Fahrzeugtechnik auch beruflich weiterarbeiten. „Ich habe schon in verschiedene Sachen reingeschnuppert und bei einem StartUp über ein Wellenkraftwerk meine Bachelorarbeit geschrieben, aber das momentane Thema gefällt mir schon sehr gut.“